"Der Koran" steht auf dem Umschlag, aber das Buch enthält nicht den Text des Korans und auch nur wenige literarische oder religionsgeschichtliche Angaben zum Koran als Buch. Was man bekommt, ist vielmehr eine Darstellung des Islams von seinen Quellen her, wobei neben dem Koran auch überlieferte Äußerungen des Propheten reichlich herangezogen werden. Wer allerdings Informationen zu islamischen Riten, der Geschichte und Gegenwart des Islams oder seinen verschiedenen Strömungen sucht, der wird hier nicht fündig werden. Khoury geht es um die Inhalte.
Adel Theodor Khoury ist arabischer Christ und ein profunder Kenner des Islams - und er ist ein Ireniker, das heißt, er sucht, wo immer es geht, das Gemeinsame zu betonen, Verständnis zu wecken, zum Frieden beizutragen.
Schon äußerlich bemüht er sich, dem Leser den Zugang zu erleichtern, indem er ein sehr schönes Buch vorlegt, das man gerne in die Hand nimmt, angenehm zu lesen, mit übersichtlichem Layout und vielen farbigen Bildern. Schon dadurch verliert das heutzutage doch etwas angst- und vorurteilsbehaftete Thema an Schrecken.
Der Text ist sachlich und knapp (wenn auch nicht frei von Wiederholungen) und gut verständlich. Khoury vermeidet jede Polemik, er versucht, wo es geht, Verständnis zu wecken, nicht einseitig zu sein und stellt auch einmal einer gewalttätig klingenden Stelle (etwa gegen Irrlehrer) zum Vergleich eine aus der Bibel gegenüber, die ganz ähnlich klingt. Dem Verhältnis zum Christentum gilt sein besonderes Augenmerk, und er verhehlt nie, daß er als (katholisch geprägter) Christ schreibt.
Khoury will, um mit Luther zu sprechen, "alles zum Besten kehren". Aber er will nicht beschönigen. Probleme und offene Fragen werden beim Namen genannt. Ja, gerade weil dieses Buch, wo es geht, das Positive hervorkehren will, treten für den aufmerksamen Leser die Gefahren, die im islamischen Denken - nicht nur in seiner islamistischen Verzerrung - liegen, um so deutlicher zu Tage. Aber Khoury gibt einem die Hoffnung, daß es sich um Gefahren und nicht um Notwendigkeiten handelt, und daß ein gutes Verhältnis möglich ist - wenn man diese Probleme offen anspricht.