Zunächst möchte ich den sehr blumigen, an Metaphern reichen und phantasievollen Schreibstil loben. Wirklich toll!
Auch das Einbinden historischer Begebenheiten gelingt sehr harmonisch.
Dennoch fiel es mir gerade in der ersten Hälfte des Buches schwer mich in die Geschichte hineinzulesen. Die Hauptfigur kommt selten zu Wort, fast immer wird nur über sie berichtet. Kaum eine Entscheidung oder Situation wird beschrieben, in der sich der Charakter herausschälen könnte. Kohelet ist nicht schlecht, nicht gut, ja nicht einmal wirklich zerissen, obwohl letzteres der Autor wohl im Sinn hatte. Ich habe nicht mitgefühlt bei seinen auf eigenen Vorteil und Reichtum bedachten Abenteuern.
Die Gründe für seine moralische Wandlung und sein Engagement in der zweiten Hälfte ist meines Erachtens nicht gut genug herausgearbeitet. Schließlich fiebert man dann doch mit bei seinem Kampf gegen Pocken bzw. gegen die Schmäher und Ächter neuer Heilmethoden.
Im Grunde ist es die tragische Geschichte eines zutiefst einsamen Abenteurers und Händlers, der erst in den allerletzten Jahren seines Lebens noch Erfüllung und Zugehörigkeit findet.
Allein für die zweite Hälfte des Buches hätte ich mehr Sterne gegeben, wobei der Schluss für mich schon wieder etwas problematisch war.