Eva Illouz (* 1961) ist Soziologin und Professorin an der Hebräischen Universität Jerusalem. Der Buchtitel "Der Konsum der Romantik. Liebe und die kulturellen Widersprüche des Kapitalismus" lässt zwei Deutungen zu. Einmal könnte man darunter verstehen, dass die Romantik wie ein Produkt oder eine Dienstleistung konsumiert wird. Dann wäre ein anderes Verständnis des Titels, dass innerhalb romantischer (Liebes-)Vorstellungen Güter und Dienstleistungen konsumiert werden. Beides wird im Buch angesprochen. Schwerpunkt ist die Verknüpfung von Güterkonsum mit der sogenannten romantischen Liebe. Die romantische Liebe wird heute - so eine Folgerung von Illouz - symbolisch durch den Konsum von Güter und Dienstleistungen ausgedrückt und sei nicht davon zu trennen. Dies wäre aber den betreffenden Personen meist nicht bewusst oder es würde verdrängt werden.
Doch zuerst zu einem Ärgernis. Unter dem Kapitel "Codes verlieren an Kraft" werden Interviews angeführt, bei denen die Interviewpartner/innen um Ihre Meinung zu Fotografien und Werbebilder gebeten werden. Man sucht dann auf den folgenden Seiten, wo wohl diese Bilder zu sehen sind und sucht vergebens. Als Fußnote steht dann auf S. 128 kleingedruckt: "Die verwendeten Fotografien sind in der deutschen Ausgabe nicht abgedruckt (die Hrsg.)". Hier hat das deutsche Lektorat etwas geschlafen oder/und der Verlag an der falschen Stelle gespart. Bei einer soziologischen Studie - die dieses Buch ist - darf man erwarten, dass solche Nachlässigkeiten nicht passieren.
Auf den ersten Seiten erläutert Illouz, wie sie vorgegangen ist. Sie hat nicht, wie vielfach üblich, mit Fragebogen gearbeitet, diese statistisch ausgewertet und dann Schlüsse gezogen. Stattdessen wurden Werbebilder, Kinofilme, Romane, Ratgeber ausgewertet und viele Interviews mit zufällig ausgewählten (US-amerikanischen) Personen geführt. Denn Illouz meint (S. 46): "Kultur lässt sich nicht mit Wahrscheinlichkeitsrechnungen fassen". Vielleicht genau deshalb hebt sich das Buch bzw. die Studie von andern ab. Es war der Autorin möglich, Interpretationen zu geben und Schlüsse zu ziehen, die nicht von mancher Pseudogenauigkeit statistischer Ergebnisse und scheinbaren Kausalitäten angekränkelt sind.
Es ist empfehlenswert, zuerst den Schluss zu lesen (ab S. 315: "Schluss: Ein Happy End?"). Dort fasst Illouz ihre Erkenntnisse zusammen. S. 320: "Es gibt keine absoluten oder universellen Normen, nach denen sich die Formen, die die Liebe annimmt, bewerten lassen." S. 321: "Ehe und Liebe sind der nüchternen Überlegtheit ökonomischen Handelns und der rationalen Suche nach Selbstbefriedigung und Gleichberechtigung unterworfen." S. 322: "Ich behaupte, dass die Fähigkeit, eine Liebe im authentischen Sinne zu leben, denjenigen vorbehalten bleibt, deren Leben nicht von `Notwendigkeit` geprägt ist." Nun ist man gespannt, wie Illouz zu diesen Schlüssen kommt und wäre motiviert, von vorn zu beginnen. Das Vorwort und könnte man vorerst übergehen und gleich auf Seite 52 beginnen mit: "Als die Liebe auf den Markt traf". Der Schreibstil ist nicht immer sehr flüssig. Es wimmelt manchmal von Substantiven und professoralen Wendungen. Aber die Erkenntnisse sind allesamt höchst interessant. Abwechslungs-und aufschlussreich sind die vielen wörtlichen Zitate der Interviewpartner zu verschiedenen Fragen und Themen.
Der Sach- und Personen-Index ist mit nur drei Seiten etwas knapp geraten. Dafür umfasst das Literaturverzeichnis beachtliche zwölf Seiten. Wenn wirklich diese umfangreiche Literatur berücksichtigt worden ist, dann zeugt dies auch von der außerordentlicher Fleißarbeit der Autorin. Da das Buch eine Übersetzung aus dem (US-amerikanischen) Englisch ist, sind allerdings fast nur englischsprachige Autoren genannt.