Das Internet-Kompassmuseum COMPASSIPEDIA hatte schon seit einigen Jahren auf eine Übersetzung ins Deutsche dieses Werkes fieberhaft gewartet. Jeder glaubt zu wissen, was ein Kompass ist. Was sich wirklich dahinter verbirgt, wird einem erst durch diese Lektüre bewusst. Die kleinen und großen Schritte bei der Entwicklung der Marineversionen dieses erstaunlichen Instrumentes sind darin hervorragend erläutert. Obwohl hier vordergründig nur ein technisches Thema behandelt wird, die Tatsache, dass es um viele Menschenleben geht, macht die Vervollkommnung dieses Geräts um so spannender und das Übersehen von Unzulänglichkeiten um so tragischer. Uns hat insbesondere die wasch-echte seemännische Ausdrucksweise gefallen. Wir können nur ahnen, wieviel Recherchen und Mühe erforderlich waren, um diese Jahrhunderte umspannende Saga so technisch genau und trotzdem so lebendig zu gestalten. Das Übersetzer/Lektorin-Ehepaar Corssen hat wahrlich sehr großes geleistet. Wenn man von ganz wenigen Flüchtigkeits- bzw. Druckfehlern absieht, ist hier ein unumgängliches Nachschlagewerk entstanden. Es kommt fast 100 Jahre genau nach dem gleichnamigen Werk von A. Schück, das lange Zeit die einzige Referenz auf dem Gebiet war. Die einzige Behauptung des Autors, mit der wir nicht einverstanden sein können, ist die in der englischsprachigen Welt leider weitverbreitete Meinung, die erste Beschreibung eines Schiffskompasses stamme vom Engländer Neckham. Letzterer lebte jedoch in Paris als das berühmte Pamphlet des französischen Mönchs Hugue de Bercy/Guyot de Provins "La Bible" bereits in aller Munde war ("der damalige Papst sei nicht für die Christen, was der Kompass für den Seemann ist..."). Er muss es gekannt haben und sein Verdienst bestand darin, es ins Englische übertragen zu haben.
Fazit: äußerst empfehlenswert.
J.-P. Donzey - Kurator des Kompassmuseums COMPASSIPEDIA