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Der Kommissar und das Schweigen: Roman [Taschenbuch]

Hakan Nesser , Christel Hildebrandt
3.2 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (24 Kundenrezensionen)
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Produktbeschreibungen

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Sich auf ein Vergnügen zu freuen, ist auch schon ein Vergnügen, so heißt es bei einem deutschen Klassiker, und was könnte vergnüglicher sein als ein wohl verdienter Urlaub. Ganz so unproblematisch sieht das bei Håkan Nesser, inzwischen wohl auch schon ein Klassiker des schwedischen Kriminalromans, nicht aus. Zwar hat sich sein lakonischer Kommissar Van Veeteren vor dem Ärger mit seiner Ex-Frau in die Planung einer Kreta-Reise einschließlich Urlaubsflirt geflüchtet, doch bevor er abreisen kann, erreicht ihn ein Hilferuf aus der Provinz. Im kleinen beschaulichen Sommerfrischenidyll Sorbinowo erhält der stellvertretende Polizeichef anonyme Anrufe, die vom Mord an einem jungen Mädchen aus einem der zahlreichen Ferienlager berichten und, schlimmer noch, weitere Verbrechen ankündigen.

Noch mysteriöser wird die Geschichte durch die Tatsache, dass die Leitung und die Teilnehmer des Ferienlagers, allesamt Angehörige einer obskuren Sekte, nichts von einem verschwundenen Mädchen wissen wollen. Bei seinen Gesprächen mit dem charismatischen Führer der "Kirche des reinen Lebens" und seinen willigen Helferinnen bekommt Van Veeteren außer nichtssagenden Glaubenssätzen keinerlei Informationen -- was nicht verwunderlich ist, musste der Sektenleiter doch bereits vor Jahren eine Gefängnisstrafe wegen sexueller Belästigung von Minderjährigen absitzen. Als ein zweites Opfer gefunden wird, und der selbst ernannte Heilige über Nacht das Weite sucht, scheint der Fall klar zu sein. Doch je weiter Van Veeteren in das Netz der Sektierer und die Welt ihres religiösen Fanatismus eindringt, desto undurchsichtiger und verwirrender werden seine Nachforschungen. Am Ende schließlich kann nur der Zufall die schreckliche Wahrheit offenbar werden lassen und die nächste Bluttat verhindern.

Nessers Stärke liegt in der unnachgiebigen Reduktion seiner Geschichten auf das Wesentliche. Spannung entsteht hier nicht, wie bei seinen Kollegen Åke Edwardson, durch die unerträgliche Irrationalität der Tat oder, wie bei Meister Mankell, durch die Verwicklung von Lokalem und Globalem. Bei Nesser steht die eher traditionelle Frage nach dem Täter im Vordergrund -- und zugleich der zunehmende Zweifel an den schweigenden Schuldzuweisungen der Guten, die genau zu glauben wissen, wer die Bösen sind. So gewinnt die Geschichte gerade wegen ihres minimalistischen Stils zunehmend an verstörender Energie, von deren Wirkung man sich auch nach dem überraschenden Ende nicht sofort befreien kann. Und gerade weil Nesser sich moralisierende und sozialkritische Einfärbungen konsequent versagt, wirken seine Beschreibungen unmittelbar und direkt als Erkundungen der Hilflosigkeit gegenüber dem unerklärlichen Kern jedes Verbrechens. --Peter Schneck -- Dieser Text bezieht sich auf eine vergriffene oder nicht verfügbare Ausgabe dieses Titels.

Pressestimmen

"Ein großartiges Buch, ein verzweifeltes Buch. Nie war Nesser besser!" (Die Welt)

"Wie Håkan Nesser den widerwilligen Van Veeteren auf die Spur des Mörders setzt, ihn zwingt, den Fall zu lösen, das ist erstklassige Krimilektüre." (Hörzu)

Klappentext

"Ein großartiges Buch, ein verzweifeltes Buch. Nie war Nesser besser!"
Die Welt

"Wie Håkan Nesser den widerwilligen Van Veeteren auf die Spur des Mörders setzt, ihn zwingt, den Fall zu lösen, das ist erstklassige Krimilektüre."
Hörzu

Über den Autor und weitere Mitwirkende

Håkan Nesser, geboren 1950, ist einer der interessantesten und aufregendsten Krimiautoren Schwedens. Für seine Kriminalromane um Kommissar Van Veeteren und Inspektor Barbarotti erhielt er zahlreiche Auszeichnungen, sie sind in mehrere Sprachen übersetzt und wurden erfolgreich verfilmt. Daneben schreibt er Psychothriller, die in ihrer Intensität und atmosphärischen Dichte an die besten Bücher von Georges Simenon und Patricia Highsmith erinnern. "Kim Novak badete nie im See von Genezareth" oder "Und Piccadilly Circus liegt nicht in Kumla" gelten inzwischen als Klassiker in Schweden, werden als Schullektüre eingesetzt, und haben seinen Ruf als großartiger Stilist nachhaltig begründet. Håkan Nesser lebt mit seiner Frau in Stockholm und auf Gotland.

Leseprobe. Abdruck erfolgt mit freundlicher Genehmigung der Rechteinhaber. Alle Rechte vorbehalten.


I
15. Juli

1

Das Mädchen in Bett Nummer zwölf wachte früh auf. Ein Sommermorgen. Durch die dünnen Gardinen drang sanftes Dämmerlicht in den Schlafsaal. Es begann behutsam die Nacht auszuwischen, das Dunkel aus den Ecken zu tragen, schnupperte an den ahnungslosen Träumen der anderen Mädchen. An ihren ruhigen Atemzügen. Das Mädchen blieb eine Weile liegen und lauschte ihnen. Vorsichtig versuchte sie Nuancen auszumachen. Kathrine schlief wie üblich auf dem Rücken und schnarchte leise mit offenem Mund. Belle zischte wie eine Schlange. Marieke zu ihrer Rechten schnaubte, ein Arm baumelte über den Bettrand und das dichte rote Haar lag wie ein Fächer auf dem Kopfkissen ausgebreitet. Ein Tröpfchen Speichel hing in ihrem Mundwinkel. Kurz spielte das Mädchen mit dem Gedanken, ihn mit dem Zipfel ihres Lakens abzuwischen, ließ es dann aber bleiben.
Sie hätte es Marieke erzählen sollen. Zumindest Marieke. Hätte etwas sagen sollen, eine Nachricht hinterlassen oder was auch immer. Aber jetzt war es zu spät dafür, und schließlich hatte sie gestern Abend noch nicht wirklich gewusst, was sie tun sollte. Hatte lange hin und her überlegt. Das war kein einfacher Beschluss. Sie war dagelegen und hatte ihn fast ausgebrütet, hatte sich in dem knarrenden Eisenrohrbett hin und her gewälzt bis tief in die Nacht hinein, bis Marieke und auch Ruth gefragt hatten, ob sie vielleicht krank wäre, und Belle sie mehrere Male gebeten hatte, diesen Lärm doch zu lassen.
Belle war ziemlich reizbar, aber sie hatte einen Vater, der Jellinek irgendwie nahe stand, und deshalb musste man sich gut mit ihr stellen. Das wurde jedenfalls behauptet. Es wurde so viel hier in Waldingen behauptet.
Sie hatte also im Bett gelegen und mit sich gerungen. Sie wusste nicht, wie spät es gewesen war, als sie endlich eingenickt war, und nicht, wie spät es jetzt war, aber besonders viele Stunden Schlaf konnte sie nicht abbekommen haben, das war zu spüren. Wie auch immer, am besten, sie stand jetzt auf. Sie hatte sich zwar immer auf ihren inneren Wecker verlassen können, aber es gab keinen Grund zu glauben, dass er sie auch weiter wach halten würde. Absolut keinen.
Vorsichtig schob sie die schwere Decke zur Seite und setzte sich auf. Holte Jeans, T-Shirt und Turnschuhe aus dem Schrank und zog sich hastig an. Spürte, wie sich in ihrem Zwerchfell Unruhe breit machte, verdrängte sie aber mit Hilfe ihrer Wut.
Mit ihrer Wut und ihrem Gerechtigkeitsgefühl.
In unterdrückter Hektik schnappte sie sich die restlichen Kleidungsstücke. Es war nicht einfach, alles auf einmal an sich zu raffen, aber sie schaffte es. Schnürte den Rucksack zu und schlich sich hinaus. Die Tür knarrte wie immer, als sie sie aufschob, und einige Treppenstufen gaben einen unglücklichen Jammerton von sich, als sie auf sie trat, doch in weniger als einer halben Minute war sie draußen.
Sie lief eilig über das taufeuchte Gras zum Waldrand und blieb erst stehen, als sie den kleinen Hügel hinter sich gelassen und die erste Talmulde erreicht hatte. Als sie außer Sichtweite des Hauses war. Außer Reichweite.
Eine Weile blieb sie zögernd im Blaubeergestrüpp stehen, zitternd in der noch anhaltenden Nachtkühle, während sie über Himmelsrichtungen nachdachte. Sie spürte, wie sie buchstäblich mit den Zähnen klapperte. Wenn sie geradeaus weiter durch den Wald ginge, müsste sie früher oder später zur großen Straße kommen, das wusste sie. Aber es war ein ganz schönes Stück bis dorthin. Auch wenn es ihr gelingen würde, sich ziemlich gerade zu halten, würde es mindestens eine halbe Stunde dauern, und es war natürlich nicht gesagt, dass sie nicht vielleicht aus Versehen im Kreis gehen würde. Das war ganz und gar nicht sicher. Ihr ganzes Leben lang hatte sie in der Stadt gewohnt, Wälder und Natur waren nicht gerade ein vertrautes Milieu.
Fremdes Revier, wie man so sagte.
Im normalen Fall hätte sie natürlich ein Gebet sprechen können. Zu Gott beten, dass er ihr beistehe und ihr ein Stück auf dem Weg helfe, aber das fand sie an diesem Morgen nicht passend.
Nicht passend und in gewisser Weise auch nicht ehrlich.
Gott hatte in letzter Zeit sein Gesicht gewechselt. Ja, das traf es ungefähr. Er war groß geworden, riesig und unergründlich und– auch wenn ihr dieser Gedanke nicht gefiel – ein klein wenig erschreckend. Über den sanften, bärtigen, Sicherheit ausstrahlenden Onkel ihrer Kindheit hatte sich ein Schatten gelegt.
Etwas Finsternes.
Und wenn sie es genau bedachte, dann begriff sie, dass gerade dieses Finsterne der Grund dafür war, warum sie jetzt hier zögernd im Blaubeergestrüpp stand.
Zögernd und mit Angst und Wut kämpfend. Und mit ihrem Gerechtigkeitssinn, wie gesagt.
Genau deshalb.
Rechts fiel das Gelände ab. Zum See und dem geschlängelten Kiesweg zu Finghers Hof hin, wohin sie abends immer grüppchenweise gingen, um Milch zu holen. Kartoffeln, Gemüse und Eier.
Immer zu viert mit den beiden klapprigen Leiterwagen und Jellinek an der Spitze. Niemand hatte richtig verstanden, warum Jellinek immer dabei sein musste. Die Schwestern hätten doch genügt? Aber vielleicht wollte er sie nur vor Gefahren bewahren. Wahrscheinlich war es so. Finghers Hof war der einzige Kontakt, den sie mit der Anderen Welt hatten, wie Jellinek sie in seinen Reden, die er vormittags und am Abend hielt, zu bezeichnen pflegte.
Die Andere Welt?
Jetzt stehe ich in der Anderen Welt, dachte sie. Ich bin nicht mal zweihundert Meter in sie hineingelaufen, und schon weiß ich nicht mehr, in welche Richtung ich gehen soll. Vielleicht stimmte ja doch, was er gesagt hatte? Vielleicht war tatsächlich Jellineks Gott der richtige Gott und nicht ihr eigener, ihr guter, verzeihender und fast ein bisschen kindischer Freudengott?
»Teufel auch!«, murmelte sie und erschauerte wieder, diesmal aber vor allem wegen des Fluchs. Was um alles in der Welt nützte ein Gott, wenn er nicht gütig war?
Aber was wollte sie eigentlich tun, wenn sie es schaffen würde, zur großen Straße zu kommen? Ja, auf diese Frage hatte weder sie noch einer der Götter eine Antwort.
Das würde sich schon zeigen, wie ihre Großmutter immer zu sagen pflegte. Kommt Zeit, kommt Rat. Sie warf einen letzten Blick über den Hügel, auf die Gebäude dahinter, nur der alleroberste Teil des spitzen Dachs des Esssaals lugte noch zwischen den Bäumen hervor.
Und dann natürlich das große schwarze Kreuz, das anzunageln sie am ersten Tag mitgeholfen hatten. Sie holte tief Luft, kehrte allem den Rücken zu und machte sich auf den Weg hinunter zum See. Es war immer noch am sichersten, den vertrauten Kiesweg einzuschlagen.

Sie erreichte ihn genau bei der Riesenbirke, in die Marieke und sie geplant hatten, vor ihrer Abreise ihre Namen einzuritzen.
Vorausgesetzt, sie schafften es, sich nach draußen zu schleichen. Wenn sie sich zwanzig Minuten Zeit von dem Reinen Leben stehlen konnten, es ihnen gelang, ungesehen hinauszuhuschen und zurückzukommen. Eigentlich hatten sie sich keine große Hoffnungen in diese Richtung gemacht – es war eher etwas, was man so sagte – aber jetzt stand sie doch hier und strich mit den Händen über die weiße, glatte Rinde.
Das Reine Leben? dachte sie. Die Herde des Guten Lichts?
Die Andere Welt?
Scheißgerede.
Das Wort rutschte ihr ebenso schnell heraus wie gestern.
Scheißgerede. Da hatte sie es nicht unterdrücken können, wie eine böse, ungezogene kleine Sommerschwalbe war es ihr herausgeflogen, und plötzlich war es zu einer Wolke angeschwollen.
Ja, genau so war es gewesen. Eine dunkle, bedrohliche Wolke, die sich über alle Anwesenden im Saal des Lebens hängte. Die die Mädchen dazu brachte, die Luft anzuhalten, und Jellinek, seine bleichen Augen für Sekunden, die ihr wie Tage erschienen, auf sie zu richten.
»Ich möchte hinterher mit dir reden«, hatte er schließlich gesagt, und dann hatte sein Blick sie verlassen,...
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