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Noch mysteriöser wird die Geschichte durch die Tatsache, dass die Leitung und die Teilnehmer des Ferienlagers, allesamt Angehörige einer obskuren Sekte, nichts von einem verschwundenen Mädchen wissen wollen. Bei seinen Gesprächen mit dem charismatischen Führer der "Kirche des reinen Lebens" und seinen willigen Helferinnen bekommt Van Veeteren außer nichtssagenden Glaubenssätzen keinerlei Informationen -- was nicht verwunderlich ist, musste der Sektenleiter doch bereits vor Jahren eine Gefängnisstrafe wegen sexueller Belästigung von Minderjährigen absitzen. Als ein zweites Opfer gefunden wird, und der selbst ernannte Heilige über Nacht das Weite sucht, scheint der Fall klar zu sein. Doch je weiter Van Veeteren in das Netz der Sektierer und die Welt ihres religiösen Fanatismus eindringt, desto undurchsichtiger und verwirrender werden seine Nachforschungen. Am Ende schließlich kann nur der Zufall die schreckliche Wahrheit offenbar werden lassen und die nächste Bluttat verhindern.
Nessers Stärke liegt in der unnachgiebigen Reduktion seiner Geschichten auf das Wesentliche. Spannung entsteht hier nicht, wie bei seinen Kollegen Åke Edwardson, durch die unerträgliche Irrationalität der Tat oder, wie bei Meister Mankell, durch die Verwicklung von Lokalem und Globalem. Bei Nesser steht die eher traditionelle Frage nach dem Täter im Vordergrund -- und zugleich der zunehmende Zweifel an den schweigenden Schuldzuweisungen der Guten, die genau zu glauben wissen, wer die Bösen sind. So gewinnt die Geschichte gerade wegen ihres minimalistischen Stils zunehmend an verstörender Energie, von deren Wirkung man sich auch nach dem überraschenden Ende nicht sofort befreien kann. Und gerade weil Nesser sich moralisierende und sozialkritische Einfärbungen konsequent versagt, wirken seine Beschreibungen unmittelbar und direkt als Erkundungen der Hilflosigkeit gegenüber dem unerklärlichen Kern jedes Verbrechens. --Peter Schneck -- Dieser Text bezieht sich auf eine vergriffene oder nicht verfügbare Ausgabe dieses Titels.
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Warum verweigert die Sekte jegliche Zusammenarbeit ?
Welche Rolle spielen die wenigen Nachbarn in der bewaldeten Region ??
Noch während Van Veeteren ermittelt, wird eine Mädchenleiche im Waldgebiet entdeckt.
Handelt es sich um das vermisste Mädcvhen aus dem Internat ????
Hakan Nessers Roman schildert neben den klassischen Inhalten auch die Gefühlswelt des alternden Kommissars Van Veeteren.
Nicht ganz so sozialkritisch wie bei Henning Mankell erhält der Leser einen Einblick in die Persönlichkeit des Kommissars.
"Der Kommissar und das Schweigen" ist ein guter Krimi, auch wenn an manchen Stellen etwas die Glaubwürdigkeit fehlt. So ist nicht ganz nachvollziehbar, warum gerade Van Veeteren diesen "Fall" bekommt, obwohl noch überhaupt kein Mord oder ähnliches zu vermuten ist.
Diese Ungereimtheiten können jedoch den Lesespass nicht trüben.
Wer mit Hakan Nesser Krimis anfangen will, sollte auf die chronologische Reihenfolge achten. Leider sind die Romane in Deutschland zeitlich ungeordnet erschienen.
Die richtige Reihenfolge ist wohl:
Das grobmaschige Netz - Die Frau mit dem Muttermal - Das falsche Urteil - Das vierte Opfer - Münsters Fall - Der Kommissar und das Schweigen - Der unglückliche Mörder - Der Tote vom Strand
Da noch nicht alle Romane in deutsch erschienen sind, ist dies nur eine vorläufige Reihenfolge.
"Der Kommissar und das Verbrechen" von 1997 ist inhaltlich zwischen "Die Frau mit dem Muttermal" und "Münsters Fall" angesiedelt und markiert der großen Wendepunkt in der Krimireihe um den kauzigen, stets schlecht gelaunten und verschwenderisch genussvollen niederländischen Kommissar aus Maardam. In einem ländlichen Ferienort sind aus einem streng religiösen Landschulheim zwei Mädchen verschwunden, die beide sexuell missbraucht und ermordet aufgefunden werden. Während alle zurst den despotischen Sektenpfarrer und seine hörigen Jüngerinnen verdächtigen, folgt der hinzugezogene Ermittler Van Veteeren zurst seiner Ratlosigkeit und später seinem Instinkt, um durch Grips und einen Zufall auf die richtige Spur zu kommen.
Während Van Veteeren in den Romanen zuvor verbissen den nicht vorhandenen Spuren folgt, so tut er hier das Gegenteil - er läuft davon! Die Grausamkeit der beiden Kindermorde, gepaart mit exstentialistischen Fragen, Altersfrust, sexueller Unlust und dem Bestreben nach einem Neuanfang bewegen den sonst dominanten
Charakter zur Rückzug ins innere Exil. Er quartiert sich in Nachbarstädten ein, philosophiert, versteckt sich und überlässt seinen ratlosen Kollegen die Ermittlungen. Und am Schluss entdeckt natürlich er wieder die Wahrheit, aber zieht schließlich die Konsequenz und gibt seinen langjährigen Job auf.
Wo Kurt Wallander oder Martin Beck häufig von einem Leben auf dem Lande und dem Ausbruch aus dem grausamen Berufsalltag träumen, lässt Hakan Nesser seine Titelfigur den finalen Schritt tun. In den folgenden Romanen ist er nur noch eine Hintergrundfigur und überlässt die Ermittlungen seinen ehemaligen Kollegen Münster ("Münsters Fall"), Reinhardt ("Der unglückliche Mörder") oder Ewa Moreno "Der Tote am Strand"). Eine ungewöhnliche Entwicklung einer Krimireihe, auch wenn der omnipotente Schatten Van Veteerens auch später niemals ganz verblassen wird. Und wer die letzten Romane der Reihe wirklich verstehen und einige Wissenlücken schließen möchte, sollte schleunigst diesen wichtigen und natürlich wieder sehr spannenden Roman auf seine Urlaubs-Schmökerliste setzen!
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