"Sicher kein alltägliches Ermittlungsergebnis", fasst der Staatsanwalt am Ende zusammen. Das gilt nicht nur für die überraschende Lösung dieses Kriminalromans, sondern für die ganze Geschichte, die sich Christian Oehlschläger ausgedacht hat.
Die in einer bestimmten Region spielenden Krimis, etwas spöttisch "Provinz-Krimis" tituliert, haben seit Jahren an Beliebtheit gewonnen, ob Eifel, Niederrhein, Sauerland oder eben - Lüneburger Heide. Hier ist das Geschehen auch in Oehlschlägers zweitem Roman angesiedelt; "Der Kohlfuchs" spielt in der Südheide, in der ländlichen Region zwischen Celle und der Landeshauptstadt Hannover. Dementsprechend entwickeln die Charaktere kein weltmännisch-elegantes Gehabe, sondern zeigen sich kantig, eigenwillig - und deshalb typisch.
Oehlschläger beschreibt knapp, aber farbig die Personen, Situationen, Emotionen - und erspart seinen Lesern weitgehend die schon seit Kommissar Wallander beliebten, privaten Nebenschauplätze mit Ehescheidung und anderen zwischenmenschlicnen Katastrophen. Treffsicher zeichnet er normale, aber nie langweilige, in ihrer Stadt Celle oder ihren Dörfern verwurzelte, aber selten spießbürgerliche Menschen. Manche von ihnen erholen sich in ihrer Freizeit bei der Jagd - ein bei Oehlschläger kontinuierlicher, eher grüner Faden, der sich nach dem "Schwanenhals" auch durch sein zweites Buch zieht.
Die Story bringt ungewöhnliche Hintergründe und viel Lokalkolorit. "Der Kohlfuchs" erzählt von den Ermittlungen der Kripo Celle, die versucht, den rätselhaften Tod eines Jägers aufzuklären. Dessen verkohlte Leiche wird mit gefesselten Händen in den qualmenden Resten eines verbrannten Waldstücks entdeckt. Der Leser begleitet das Team um Kriminalhauptkommissar Robert Mendelski und seine junge Kollegin Maike Schnur bei Befragungen und Besprechungen, er erfährt, was die Kriminalisten erfahren - und zum Teil, was sie denken.
Dass trotz der realistisch beschriebenen Ermittlungstätigkeit keine Langeweile aufkommt, verdankt die Geschichte den geschickt eingewobenen Nebenhandlungssträngen, die den Leser auf andere Ideen, aber nie aufs Abstellgleis locken. Die Dramatik - einschließlich der Rettungsaktioin eines jugendlichen potentiellen Selbstmörders - wirkt nicht bemüht oder konstruiert, sondern ergibt sich aus der Handlung selbst.
Die mühevolle Suche nach dem Täter, die vielen kleinen Schritte, die dem genialen Lösungsentwurf vorausgehen müssen, und auch die Hilflosigkeit der Beamten, die der Familie des Getöteten ihre Fragen nicht ersparen können - all das beschreibt Christian Oehlschläger distanziert, aber nicht kalt, detailliert, aber nicht kleinlich, spannend, aber ohne überflüssige Brutalität. Ein raffiniert geschriebener Krimi mit einer verblüffenden Lösung - und einem symphatischen, menschlichen Ermittler-Paar.
Unbedingt lesenswert!