In seinem zweiten Roman "Der Kodex des Bösen" erzählt Frank Kurella abermals einen historischen Kriminalfall, der im Jahre 1288 im mittelalterlichen Neuss spielt und die Geschehnisse der Schlacht von Worringen beinhaltet.
Sein Protagonist Marcus, dessen Schicksal man bereits in Kurellas Debüt "Das Pergament des Todes" verfolgen konnte, ist erneut Hauptfigur, mittlerweile ein fast erwachsener Mann. Eines Tages befindet er sich gerade auf dem Weg zum Hafen, als er einen verletzten Priester aus dem Neusser Münster wanken sieht. Schnell eilt er ihm zur Hilfe, doch der Mann kann nur noch ein paar zusammenhanglose Worte flüstern, ehe er in den Armen des Jungen stirbt.
Man hält Marcus für den Übeltäter, sodass er voller Panik flüchtet. Er schafft es, unerkannt aus der Stadt zu entkommen und landet mitten im Soldatenlager, dass sich in diesen Tagen vor der Stadt sammelt, um für den Erzbischof Siegfried von Köln in den Krieg zu ziehen. Kurze Zeit später droht er entdeckt zu werden und erhält unerwartete Hilfe von einer jungen Frau namens Patty, die zur Gauklertruppe gehört, die die Soldaten zur Zeit unterhält. Doch die Gefahr ist noch lange nicht gebannt...
In einem zweiten Handlungsstrang versucht ein namenloser Bibliothekar verzweifelt einen geheimnisvollen Kodex zu entschlüsseln, den er durch Zufall fand. In der ersten Aufregung vertraute er sich einem vermeintlichem Freund an, der ihn nun jedoch unter Druck setzt.
Was es mit dem Kodex auf sich hat, wer genau sein Geheimnis unbedingt erfahren will und wie und ob das mit dem Reliquiendiebstahl zusammenhängt, das versteht der Autor geschickt bis zum Ende des Buches zu verbergen, sodass man als Leser die vielen kleinen Andeutungen und Details sammeln und wunderbar miträtseln kann.
Besonders schön ist die Entwicklung Frank Kurellas wahrzunehmen, der sich nach seinem Debütroman sichtbar gesteigert hat.
Sein zweites Werk ist um einiges länger und komplexer und wirkt durch seine Vielzahl an interessanten Charakteren noch wesentlich runder als "Das Pergament des Todes". Der Neusser Autor hat sich neben seiner Detailliebe zu den historischen Fakten mehr Zeit für seine Figuren genommen und dem Zwischenmenschlichen mehr Raum gegeben, sodass seine Geschichte sehr lebendig wirkt. Außerdem spielt er gekonnt mit seinen Lesern, indem er nach und nach kleine Wissensteilstücke über den Kodex und seine Protagonisten einfließen lässt, die die Leser auf falsche Spuren locken oder einfach verwirren. Dadurch entsteht eine spannende und geheimnisvolle Stimmung, die sich durch das ganze Buch zieht und einen nicht mehr loslässt.
Auch die Reifung Marcus' vom Kind zum Mann ist Frank Kurella gut gelungen. Authentisch stellt er den mittlerweile zum Teenager gewordenen jungen Mann dar und schafft es, das Gedanken- und Gefühlschaos eines Heranwachsenden so zu beschreiben, dass es in die spannungsgeladene und durch die Kriegshandlungen teils recht brutale Story passt.
Zusammen mit der gewohnt schönen Aufmachung des Buches aus dem Hause Gmeiner erwartet den Leser bei der Lektüre ein farbiger historischer Roman mit einem gut durchdachten Kriminalfall, der zum Ende erfreulich logisch aufgeklärt wird und neben den historischen Fakten auch Emotionen wie die erste Liebe, tiefe Freundschaft, aber auch Betrug und Verrat beinhaltet.
Ein Buch, das auf viele weitere Werke des Autors hoffen lässt und uneingeschränkt zu empfehlen ist.