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Der Kodex des Archimedes: Das verschollene Wissen der antiken Mathematik
 
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Der Kodex des Archimedes: Das verschollene Wissen der antiken Mathematik [Gebundene Ausgabe]

Reviel Netz , William Noel , Thomas Filk
4.7 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (7 Kundenrezensionen)
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Produktinformation

  • Gebundene Ausgabe: 320 Seiten
  • Verlag: Beck; Auflage: 5 (19. September 2007)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3406563368
  • ISBN-13: 978-3406563362
  • Größe und/oder Gewicht: 22 x 14,8 x 2,6 cm
  • Durchschnittliche Kundenbewertung: 4.7 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (7 Kundenrezensionen)
  • Amazon Bestseller-Rang: Nr. 241.382 in Bücher (Siehe Top 100 in Bücher)

Produktbeschreibungen

Kurzbeschreibung

Die Entzifferung einer verschollen geglaubten Handschrift stellt unser wissenschaftliches Weltbild auf den Kopf. Ein packender Wissenschaftskrimi, der den legendären Mathematiker Archimedes in einem völlig neuen Licht zeigt. Unlängst wurden in einem Gebetbuch für Mönche aus dem 13. Jahrhundert verloren geglaubte Texte und Zeichnungen des antiken Mathematikers Archimedes entdeckt. Die verborgenen Handschriften, die von Wissenschaftlern nun allmählich wiederhergestellt und lesbar gemacht werden, zeigen, daß Archimedes vor 2200 Jahren Überlegungen anstellte, die seiner Zeit und selbst einem Isaac Newton weit voraus waren. Archimedes hat den Wert der Zahl p entdeckt, eine Theorie der Gravitation aufgestellt und die Wahrscheinlichkeitsrechnung vorweggenommen. Alles, was wir über Archimedes wissen, den viele für den größten Mathematiker aller Zeiten halten, geht auf drei Handschriften zurück, von denen zwei verschollen sind. Die dritte ist dieses Palimpsest - der ursprüngliche Text wurde abgeschabt, das Buch zerpflückt und das Pergament sodann neu beschrieben. William Noel, der Kurator des Museums, das den Kodex des Archimedes aufbewahrt, und Reviel Netz, ein Wissenschaftshistoriker, erzählen die fesselnde Geschichte der Entdeckung und Entzifferung des unschätzbar wertvollen Textes und erklären, warum er so bedeutend ist. Ihr Ergebnis lautet: Die Geschichte der Wissenschaft und der Mathematik muß neu geschrieben werden.

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Kundenrezensionen

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Die hilfreichsten Kundenrezensionen
27 von 27 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Archimedes in neuer Sicht 5. Januar 2008
Das vorgestellte Palimpsest, ein wiederbeschriebenes antikes Pergament, ermöglichte die Wiederentdeckung und Neulesung mehrerer Schriften des Archimedes. Die interessanten Texte des Archimedes enthält die untere Lage des Pergaments, die im Mittelalter zugunsten byzantinischer Gebete getilgt worden war.
Der Archimedeskodex war, soweit damals lesbar, schon 1906 von Johan Ludvig Heiberg ediert worden, in den Wirren der Weltkriege verschollen und tauchte erst 1998 auf einer Auktion wieder auf. Der private Käufer "Mr. B" beauftragte das Walters Art Museum in Baltimore mit der Neuedition; seitdem wird der Kodex dort erforscht. Hauptziel ist es, über die Edition von Heiberg mit Mitteln modernster Elektronenphotographie hinauszukommen. Seit 1906 wurde der Kodex durch Schimmel und Übermalungen, die auf profitgierige Kunsthehler zurückgehen, erheblich geschädigt, was die Arbeit der Amerikaner zusätzlich erschwert.
Die Kapitel des Buches sind abwechselnd von William Noel, Handschriftenkurator, und Reviel Netz, Graezist und Experte für antike Mathematik, geschrieben, wobei Netz über Archimedes und seine Zeit, über seine mathematischen Schriften und über den Inhalt des Kodex handelt, Noel dagegen über die Geschichte des Kodex, soweit rekonstruierbar, und seine Behandlung seit 1998.
Sehr ansprechend sind die von Reviel Netz verfassten Kapitel zum wissenschaftlichen Vorgehen des Archimedes und zu den Neuentdeckungen. So lernt man, dass schon Archimedes das mathematische Prinzip des aktual Unendlichen kannte sowie definierte und auch die Kombinatorik anhand eines Gedankenspiels namens "Stomachion-Rätsel" anwandte. Diese Fortschritte wurden erst wieder im 19. bzw. 17. Jahrhundert erreicht. Den mathematischen Erklärungen konnte ich mit meinem Schulwissen im übrigen leicht folgen. Gut hineinversetzen kann ich mich als Fachkollege in Netz' Schilderungen der philologischen Entzifferungsarbeit und in die Aufregung im Moment der entscheidenden Neuentdeckungen.
Was sehr kurz kommt, sind die Schriften anderer Autoren, die außer den Archimedestexten auch noch unter den Gebetstexten liegen. Seitenweise wird stattdessen über Noels Reisen auf den Spuren des Kodex oder über die Restaurierungsschritte berichtet. Das mag zwar unterhaltsam sein, aber ich hätte statt dieser Berichte im Stil eines Dokumentarfilms lieber mehr über den Inhalt des Kodex an sich erfahren. Seltsamerweise berichtet Noel viel in der Ich-Form und stellt allerlei Kollegen, Kunsthändler und Hilfswissenschaftler vor, wohl um die verzwickten Wege des Kodex zu verdeutlichen.
Was für meinen Geschmack vor allem fehlt, ist eine vollständige Transkription des bis heute neu gelesenen Textes, oder wenigstens eine Übersetzung, sowie Abbildungen der unter Spezialbeleuchtung angefertigten Photos. Von diesen und den damit verbundenen Fortschritten wird ständig berichtet, aber man bekommt keines dieser Photos zu sehen. Es gibt in den Kapiteln von Netz immerhin mehrere Auszüge des Textes, die sehr verständlich kommentiert werden. Eine Dokumentation des Ganzen aber fehlt. Man wird stattdessen im Anhang des Buches, sozusagen in einer Fußnote, auf eine Homepage des Archimedes-Projekts verwiesen. Diese Homepage dokumentiert die Untersuchungen in der Tat mit hervorragenden Photos, die dort frei einzusehen sind (leider kann ich wegen der Amazon-Regeln die Adresse nicht nennen, diese ist aber leicht herauszufinden. Ein Besuch lohnt sich wirklich!).
Die tiefen, gleichwohl gut fassbaren Einblicke in die antike Mathematik und die verständlichen Schilderungen der Neulesungen gegenüber 1906 machen das Werk zu einem guten Buch; eine Gesamtdokumentation des Kodex mit Abbildungen der Röntgenaufnahmen und etwas weniger Dokudrama hätten es zu einem sehr guten Buch gemacht.
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11 von 11 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Von Jaun Hans-peter TOP 500 REZENSENT
Obwohl die Arbeit der Autoren in erster Linie Historiker und Papierkuratoren anspricht, dürfte sie das Interesse eines breiten, an wissenschaftshistorischen Fragen interessierten Publikums wecken. Dies auch dank dem Geschick der Autoren, zwischen historischen, wissenschaftlichen Fakten und erzählerischen Passagen abzuwechseln. Die Bedeutung dieses Buches sollte nicht unterschätzt werden. Zum einen werden neu entwickelte Techniken zum Erkennen verborgener Spuren abgeschabter Texte auf Pergament zur Sprache, zum andern wird die wissenschaftshistorische Bedeutung von Archimedes in ein neues Licht gerückt. Es fällt schwer zu glauben, dass Archimedes im 3. Jahrhundert vor unserer Zeitrechnung über ein mathematisches Wissen verfügt hat, das den Vergleich mit den Anfängen der modernen Wissenschaften, d.h. mit dem Wissen von Galileo oder Newton nicht zu scheuen braucht. Dies trifft z.B. auf Kenntnisse auf den Gebieten Kombinatorik, Mengenlehre und des Begriffs der "Unendlichkeit" zu.
Vor diesem Hintergrund stellt sich zwangsläufig die Frage nach dem Wissen, das uns durch die aus blinder Wut zerstörten antiken Bibliotheken verloren ging! Dieses Buch sollte die Forscher sensibilisieren, bei der Arbeit mit Palimpsesten ein Augenmerk auf den Inhalt abgeschabter Texte zu richten, um die Wissenschaft vielleicht mit neuen Sensationen zu beglücken.
Die aufwändige Arbeit der beiden Autoren ist als höchst wertvoller Beitrag zu werten, weil sie etwas Licht in das von unseren Vorfahren zerstörte Kulturgut "antike Wissenschaft" bringt! Sie illustriert eindrücklich, wie angeblich "tote" Geschichte mit modernsten Technologien wieder "Leben" gewinnt!
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13 von 14 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Das Problem, vor dem die Autoren Reviel Netz (Professor für antike Wissenschaften, Stanford) und William Noel (Handschriftenkurator beim Walters Art Museum, Baltimore) standen, ist schnell geschildert. Sie sollten einen Text lesbar machen, der etwa im Jahr 970 auf Pergament geschrieben, im April 1229 wieder ausradiert, neu überschrieben (ein solches Dokument nennt man Palimpsest) und  im Zuge einer Fälschung - mit Bildern übermalt worden war. Das als Gebetbuch erhaltene Kleinod war aus Pergamentseiten zusammengebunden, auf denen ursprünglich mathematische Abhandlungen geschrieben worden waren. Es ist die älteste Quelle der Gedankenwelt des Archimedes von Syrakus; von ihm persönlich ist nichts mehr erhalten. Seine Werke überlebten nur deshalb, weil sie häufiger abgeschrieben als zerstört wurden. Und einige Blätter fehlen bis heute. Vermutlich wurden sie von einem Fälscher übermalt und einzeln billig verscherbelt. Clever: Die Autoren benützen ihr Buch sozusagen als Suchmaschine, indem sie die Leser zum Mitsuchen auffordern.

*Archimedes von Syrakus*
Zu Zeiten, da Gold täglich neue Höchststände erreicht, erinnert man sich vielleicht an Archimedes. Er soll, so die Überlieferung, 'Heureka' gerufen haben, als das Wasser aus seiner Badewanne spritzte, in die er sich hineinplumpsen ließ. Er habe in diesem Augenblick die Idee gehabt, wie man prüfen könnte, ob eine Krone aus echtem Gold besteht oder nicht (die Lösung steht in Schulbüchern im Kapitel über das spezifischen Gewicht). Nette Geschichte, aber wahrscheinlich nicht wahr. Richtig ist, dass er sich ausführlich mit schwimmenden Körpern beschäftigte. Dass man aus dem Volumen des übergelaufenen Wassers das Volumen des eintauchenden Körpers messen kann ist so trivial, dass er es in seiner Abhandlung "Über schwimmende Körper" nicht einmal erwähnt hat. Die Leistung Archimedes' bestand darin, dass er die Mathematik des Unendlichen begründete und die Mathematik auf die physikalische Welt anwendete. Archimedes benutzte keine Gleichungen. Er dachte visuell, in Form von schematischen Zeichnungen. Wir können mit Hilfe des Palimpsests sozusagen Archimedes' Verstand bei der Arbeit zusehen.

*Das Palimpsest*
war in einem miserablen Zustand. Nicht nur wurde das ursprüngliche Buch mit den Abschriften von Archimedes' Werken auseinander genommen, die Schrift vom Pergament abgekratzt, neu zusammengebunden und mit Gebeten überschrieben, sondern darüber hinaus wurde es Anfang des zwanzigsten Jahrhunderts von einem Fälscher mit Abbildungen versehen, die byzantinische Kunst imitierten (vermutlich, um es besser verkaufen zu können). Forschergruppen setzten raffinierte Methoden ein, um die unter dem Gebetstext liegenden ursprünglichen Texte und Zeichnungen deutlich zu machen. Unter anderem benutzten sie ein Verfahren der "Multispektralen Bildgebung". Durch Bestrahlung mit elektromagnetischen Wellen verschiedener Längen werden vom Pergament, nicht jedoch von der Tinte, Photonen verschiedener Wellenlängen emittiert. So konnte der Ursprungstext durch computergestützte Bildauswertung lesbar gemacht werden. Grundlagen dieser Methode sind Infinitesimalrechnung und Wahrscheinlichkeitstheorie. Es gibt Hinweise, dass sich Archimedes bereits mit beidem beschäftigt hat. Er hat damit wohl selbst die Grundlagen dafür gelegt, dass seine Texte zweieinhalbtausend Jahre später entschlüsseln werden konnten. Grandios!

Einige Blätter aus dem Palimpsest fehlen. Auf den diesen Blättern gegenüberliegenden Seiten finden sich Spuren des Farbstoffs, den der Fälscher verwendet hat um Bilder aufzumalen. Es könnte also sein, dass diese Blätter als byzantinische Folios verkauft wurden. Und hier kommt ein Gag: Die Autoren rufen die Leser auf, falls sie ein solches Blatt in ihrer Wohnung hängen haben, auf die Rückseite zu schauen. "Wenn Sie dort zwei Texte erkennen können, einer etwas schwächer als der andere, dann lassen Sie es mich wissen". Das Buch als Suchmaschine, sozusagen.

*Ein bemerkenswertes Buch*
über Ursprünge der Mathematik (ich sage nur Pisa!) und die Bedeutung des Archimedes. Eine spannende Geschichte um das Schicksal einer spektakulären antiken Handschrift, um Wissenschaftler, Fälscher und Mäzene - und von außerordentlich engagierten Autoren mit Herzblut geschrieben.
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