Pressestimmen
"Blüchels Buch wird jeden begeistern, der Wissenschaft mag, die über den Tellerrand schaut." (Bild der Wissenschaft über "Bionik")
Über den Autor
Kurt G. Blüchel, Jahrgang 1934, ist seit fast vier Jahrzehnten ein intimer Kenner des Medizinbetriebs. Fünfzehn Jahre lang war er als Medizinjournalist in Pharmaindustrie, Ärzteverbänden und anderen Bereichen des Gesundheitswesens tätig. Er hat als Journalist und Sachbuchautor zahlreiche Aufsehen erregende Werke veröffentlicht, darunter die Bestseller „Die weißen Magier“, „Heilen verboten – töten erlaubt“ und „Bionik. Wie wir die geheimen Baupläne der Natur nutzen können“ (alle C. Bertelsmann). Für „Bionik“ erhielt er den internationalen Buchpreis CORINE für das beste Wissenschaftsbuch des Jahres 2005. Als Basis für das große ARD-Fernsehquiz „Die große Show der Naturwunder“ mit Frank Elstner und Ranga Yogeshwar diente sein großformatiger farbiger Text-Bildband „Faszination Bionik. Die Intelligenz der Schöpfung“ (2006, gemeinsam mit Fredmund Malik).
Leseprobe. Abdruck erfolgt mit freundlicher Genehmigung der Rechteinhaber. Alle Rechte vorbehalten.
Der Garten Eden, das biblische Paradies, ist vermutlich das Ergebnis eines globalen Klimawandels. Archäologen, Geologen, Paläontologen, Anthropologen und Klimaforscher haben im heutigen Grenzgebiet zwischen Nordirak, Türkei und Iran, im »fruchtbaren Halbmond«, Spuren einer 11000 Jahre alten »goldenen Epoche« der Steinzeit entdeckt. Gazellenjäger schufen dort mächtige Schlangentempel und lebten offensichtlich wie im Schlaraffenland. Gab es Adam und Eva also wirklich? Steckt im Gleichnis vom Sündenfall ein wahrer Kern? »Himmlischer Garten der Freude« haben Chronisten des Mittelalters die Heimstatt der »ersten Menschen« genannt. Bei Dürer und Rubens turnen sie nackt durch blumengeschwängerte Parkanlagen »und schämten sich nicht«. Auch frühere Kulturen hatten ihre paradiesisch verbrämte Schöpfungsgeschichte: Bei den Kelten war es Avalon, der Apfelgarten, bei den Griechen die Insel der Seligen. Im Kerntext der Christenheit allerdings endet der Aufenthalt im Paradies gewissermaßen mit einem Eklat: Eva – Martin Luther spricht von der »Männin« – greift, verführt durch die Schlange, nach der verbotenen Frucht vom Baum der Erkenntnis. Als Gott den Tabubruch bemerkt, ist sein Zorn groß. Er ahndet Evas Fehltritt mit dem Hinausschmiss der ersten Menschen aus den himmlischen Gefilden.
Oder hat sich das gleichnishafte, in der Interpretation des Apostels Paulus etwa im Jahre 50 nach Christus aufgezeichnete Geschehen im Paradies doch etwas anders zugetragen? Verbirgt sich hinter der biblischen Geschichte aus der Genesis eine historische Botschaft, die gerade für unsere heutige Zivilisation von größtem Interesse sein könnte? Enthält sie einen steinzeitlichen Faktenkern, der das Schreckensszenario eines Klimawandels in einem völlig neuen, sehr viel milderen Licht erscheinen lässt? Wissenschaftler, die sich vom Offenbarungscharakter der »Urkunde Gottes« nicht schrecken lassen, vermuten inzwischen, dass das Paradies zwar durchaus ein realer Ort war, jedoch vor allem jene vollendete wonnige Glückseligkeit von Menschen beschreibt, die, aus der tödlichen Kälte kommend, sich plötzlich in einem Land wiederfanden, wo buchstäblich Milch und Honig fließen – eben im Paradies. Die letzte Eiszeit war gerade zu Ende gegangen, die globale Temperatur lag im Schnitt etwa vier bis fünf Grad höher als heute. Die mächtigen Eisberge und Gletscher waren auf der Nordhalbkugel polwärts zurückgewichen, üppig wuchernde Wälder und saftstrotzendes Grasland bedeckten nun die einst über Jahrzehntausende unter kilometerdicken Eispanzern begrabenen Kontinente.
Der deutsche Geologe Elmar Buchner von der Universität Stuttgart bringt die Hinweise aus der Heiligen Schrift eindeutig mit dem abrupten Klimaumschwung am Ende der letzten Eiszeit zusammen und vertritt die These, der Garten Eden sei infolge des in wenigen Jahrzehnten mehr als zehn Meter gestiegenen Meeresspiegels im Persischen Golf versunken. Wesentlich detaillierter schildert der britische Wissenschaftspublizist David Rohl in seinem bislang nur in englischer Sprache vorliegenden Buch Legend die historisch begründeten Hintergründe der biblischen Geschichte vom Paradies. Sumerische Keilschriftenarchive und geografische Anhaltspunkte im Alten Testament, insbesondere Hinweise im zweiten und dritten Kapitel der Genesis, behandeln den Garten Eden »fast wie ein irdisches Ferienziel«. Himmelsrichtungen werden genannt und umliegende Landschaften, vier Flüsse entspringen im Paradies, zwei davon sind Euphrat und Tigris. Und ausgerechnet am Oberlauf dieser beiden Ströme, »wo Adam laut Bibel erstmals sein Korn drosch, wurde tatsächlich der Ursprung der Landwirtschaft ausgemacht«. Hier, rund um den nordiranischen Urmia-See und die Stadt Urfa, grub man in den letzten Jahren Kultstätten mit Sakralbauten und Schreinen aus, die etwa 11000 Jahre alt sind – eindeutig Bauwerke und künstlerisch gestaltete Gebrauchsgegenstände, an denen sich eine Kultur ablesen lässt, wie man sie in dieser Fortschrittlichkeit bisher nur selten in der menschlichen Frühgeschichte entdecken konnte. Die Forscher fanden Tausende von Lehm- und Tonfiguren, die nicht von jungsteinzeitlichen Bauern, sondern einwandfrei von nomadisierenden Wildbeutern und Sammlern stammten. Die Menschen dieser Zeit hatten offenbar genügend Muße, um sich neben der Bewältigung ihrer Alltagsprobleme auch mit dem kulturellen »Überbau« ihres Volkes zu beschäftigen.
In diesem Teil der Welt fanden, so vermuten Historiker, innerhalb weniger Jahrtausende gleich zwei Übergänge statt. Zum einen der revolutionäre Umbruch von der kargen Eiszeit in eine Phase von Wohlstand und üppiger Lebensfreude. Das Füllhorn der insbesondere im Bereich der nördlichen Hemisphäre aufblühenden Kultur ließ zunächst kaum noch Wünsche offen: Hunderttausende Tonnen von Fleisch, die in Form von riesigen Herden auf grünen Savannen und saftstrotzendem Buschland weideten: Antilopen, Wildschafe, Auerochsen, Wildziegen, Wasserbüffel, Wildesel, Gnus und Zebras. All diese Wildarten vermehrten sich explosionsartig, nachdem eine fast 100 000 Jahre währende Kaltzeit, die einen Großteil der Nordhälfte des Planeten unter kilometerdicken Eispanzern hatte erstarren lassen, von einer plötzlich sich ausbreitenden Warmzeit abgelöst wurde. Gewaltige Monsunregen der subtropischen Zonen drangen in kürzester Zeit weit nach Mitteleuropa vor und verwandelten die karge, nur selten vom Eis befreite Steppe, die ursprünglich vom Atlantischen Ozean bis nach Kleinasien reichte, in ein irdisches Paradies. Auch viele andere Kulturen kannten solche Orte frühmenschlichen Glücks. Im »goldenen Zeitalter« Hesiods, des griechischen Dichters aus dem 8. Jahrhundert v. Chr., leben die Menschen »fern von Mühen und Leid«. Homer erzählt vom Land der Phäaken. Die Bäume dort, »voll balsamischer Birnen, Granaten und grüner Oliven«, trugen über alle Jahreszeiten hinweg »reife Frucht«.
Die steinzeitlichen Menschen, jene an harte und entbehrungsreiche Zeiten gewöhnten Jäger und Nomaden, die stets auf der Hut sein mussten vor Bären und Wölfen, nicht selten am Rand des Verhungerns und des Gefressenwerdens, konnten wahrscheinlich ihr Glück kaum fassen. Innerhalb von nur wenigen Generationen vervielfachten sich die Nahrungsvorräte. Unmengen an Fleisch und Fellen wurden nun auf einen Schlag erbeutet, indem man das Wild herdenweise über steile Klippen trieb und in andere unentrinnbare Fallen lockte. Nun musste man nicht länger von der Hand in den Mund leben, sondern konnte die überreiche Beute in den kühlen Gewölben natürlicher Höhlen konservieren und manchmal für Monate halt bar machen. Beeren, Pilze und Wildkräuter aller Art gediehen prächtig im wohlig-warmen Klima der Nacheiszeit und bereicherten den bis dahin zumeist armseligen Speisezettel unserer steinzeitlichen Vorfahren – die Erde erlebte die ersten Festgelage der Menschheit. Schon bald danach bahnte sich die zweite »neolithische Revolution« an, jener dramatische Übergang vom Wildbeuter- zum Bauerntum, der normalerweise auch als die erste große Kulturtransformation der Menschheit in den Geschichtsbüchern gilt. Die Ausweisung Adams und Evas aus dem Paradies, verbunden mit dem göttlichen Befehl, von nun an ihr Brot im Schweiße ihres Angesichts zu verdienen, kennzeichnet vermutlich nichts anderes als die Anfänge des Bauerntums. Der Auszug aus dem Gelobten Land bezeichnet allegorisch der Verlust der riesigen Herden. Und auch die Sintflut geht wahrscheinlich auf ein sehr reales Naturereignis zurück: Es waren die Schmelzwasserfluten der riesigen Gletschermassive, die innerhalb weniger Jahrzehnte den Meeresspiegel um 10, 20 Meter anhoben und zum verheerenden Durchbruch des Schwarzen Meeres in das Mittelbeerbecken führten.
Auf allen Kontinenten der Erde hat das ewige Wechselspiel des Klimas den unaufhörlichen Wandel der Umwelt des Menschen und damit der Grundlagen seiner jeweiligen Lebensbedingungen entscheidend beeinflusst. In einem Tal von Mexiko lebte ein gottesfürchtiger Mann namens Tapi, dem eines Tages der...
Oder hat sich das gleichnishafte, in der Interpretation des Apostels Paulus etwa im Jahre 50 nach Christus aufgezeichnete Geschehen im Paradies doch etwas anders zugetragen? Verbirgt sich hinter der biblischen Geschichte aus der Genesis eine historische Botschaft, die gerade für unsere heutige Zivilisation von größtem Interesse sein könnte? Enthält sie einen steinzeitlichen Faktenkern, der das Schreckensszenario eines Klimawandels in einem völlig neuen, sehr viel milderen Licht erscheinen lässt? Wissenschaftler, die sich vom Offenbarungscharakter der »Urkunde Gottes« nicht schrecken lassen, vermuten inzwischen, dass das Paradies zwar durchaus ein realer Ort war, jedoch vor allem jene vollendete wonnige Glückseligkeit von Menschen beschreibt, die, aus der tödlichen Kälte kommend, sich plötzlich in einem Land wiederfanden, wo buchstäblich Milch und Honig fließen – eben im Paradies. Die letzte Eiszeit war gerade zu Ende gegangen, die globale Temperatur lag im Schnitt etwa vier bis fünf Grad höher als heute. Die mächtigen Eisberge und Gletscher waren auf der Nordhalbkugel polwärts zurückgewichen, üppig wuchernde Wälder und saftstrotzendes Grasland bedeckten nun die einst über Jahrzehntausende unter kilometerdicken Eispanzern begrabenen Kontinente.
Der deutsche Geologe Elmar Buchner von der Universität Stuttgart bringt die Hinweise aus der Heiligen Schrift eindeutig mit dem abrupten Klimaumschwung am Ende der letzten Eiszeit zusammen und vertritt die These, der Garten Eden sei infolge des in wenigen Jahrzehnten mehr als zehn Meter gestiegenen Meeresspiegels im Persischen Golf versunken. Wesentlich detaillierter schildert der britische Wissenschaftspublizist David Rohl in seinem bislang nur in englischer Sprache vorliegenden Buch Legend die historisch begründeten Hintergründe der biblischen Geschichte vom Paradies. Sumerische Keilschriftenarchive und geografische Anhaltspunkte im Alten Testament, insbesondere Hinweise im zweiten und dritten Kapitel der Genesis, behandeln den Garten Eden »fast wie ein irdisches Ferienziel«. Himmelsrichtungen werden genannt und umliegende Landschaften, vier Flüsse entspringen im Paradies, zwei davon sind Euphrat und Tigris. Und ausgerechnet am Oberlauf dieser beiden Ströme, »wo Adam laut Bibel erstmals sein Korn drosch, wurde tatsächlich der Ursprung der Landwirtschaft ausgemacht«. Hier, rund um den nordiranischen Urmia-See und die Stadt Urfa, grub man in den letzten Jahren Kultstätten mit Sakralbauten und Schreinen aus, die etwa 11000 Jahre alt sind – eindeutig Bauwerke und künstlerisch gestaltete Gebrauchsgegenstände, an denen sich eine Kultur ablesen lässt, wie man sie in dieser Fortschrittlichkeit bisher nur selten in der menschlichen Frühgeschichte entdecken konnte. Die Forscher fanden Tausende von Lehm- und Tonfiguren, die nicht von jungsteinzeitlichen Bauern, sondern einwandfrei von nomadisierenden Wildbeutern und Sammlern stammten. Die Menschen dieser Zeit hatten offenbar genügend Muße, um sich neben der Bewältigung ihrer Alltagsprobleme auch mit dem kulturellen »Überbau« ihres Volkes zu beschäftigen.
In diesem Teil der Welt fanden, so vermuten Historiker, innerhalb weniger Jahrtausende gleich zwei Übergänge statt. Zum einen der revolutionäre Umbruch von der kargen Eiszeit in eine Phase von Wohlstand und üppiger Lebensfreude. Das Füllhorn der insbesondere im Bereich der nördlichen Hemisphäre aufblühenden Kultur ließ zunächst kaum noch Wünsche offen: Hunderttausende Tonnen von Fleisch, die in Form von riesigen Herden auf grünen Savannen und saftstrotzendem Buschland weideten: Antilopen, Wildschafe, Auerochsen, Wildziegen, Wasserbüffel, Wildesel, Gnus und Zebras. All diese Wildarten vermehrten sich explosionsartig, nachdem eine fast 100 000 Jahre währende Kaltzeit, die einen Großteil der Nordhälfte des Planeten unter kilometerdicken Eispanzern hatte erstarren lassen, von einer plötzlich sich ausbreitenden Warmzeit abgelöst wurde. Gewaltige Monsunregen der subtropischen Zonen drangen in kürzester Zeit weit nach Mitteleuropa vor und verwandelten die karge, nur selten vom Eis befreite Steppe, die ursprünglich vom Atlantischen Ozean bis nach Kleinasien reichte, in ein irdisches Paradies. Auch viele andere Kulturen kannten solche Orte frühmenschlichen Glücks. Im »goldenen Zeitalter« Hesiods, des griechischen Dichters aus dem 8. Jahrhundert v. Chr., leben die Menschen »fern von Mühen und Leid«. Homer erzählt vom Land der Phäaken. Die Bäume dort, »voll balsamischer Birnen, Granaten und grüner Oliven«, trugen über alle Jahreszeiten hinweg »reife Frucht«.
Die steinzeitlichen Menschen, jene an harte und entbehrungsreiche Zeiten gewöhnten Jäger und Nomaden, die stets auf der Hut sein mussten vor Bären und Wölfen, nicht selten am Rand des Verhungerns und des Gefressenwerdens, konnten wahrscheinlich ihr Glück kaum fassen. Innerhalb von nur wenigen Generationen vervielfachten sich die Nahrungsvorräte. Unmengen an Fleisch und Fellen wurden nun auf einen Schlag erbeutet, indem man das Wild herdenweise über steile Klippen trieb und in andere unentrinnbare Fallen lockte. Nun musste man nicht länger von der Hand in den Mund leben, sondern konnte die überreiche Beute in den kühlen Gewölben natürlicher Höhlen konservieren und manchmal für Monate halt bar machen. Beeren, Pilze und Wildkräuter aller Art gediehen prächtig im wohlig-warmen Klima der Nacheiszeit und bereicherten den bis dahin zumeist armseligen Speisezettel unserer steinzeitlichen Vorfahren – die Erde erlebte die ersten Festgelage der Menschheit. Schon bald danach bahnte sich die zweite »neolithische Revolution« an, jener dramatische Übergang vom Wildbeuter- zum Bauerntum, der normalerweise auch als die erste große Kulturtransformation der Menschheit in den Geschichtsbüchern gilt. Die Ausweisung Adams und Evas aus dem Paradies, verbunden mit dem göttlichen Befehl, von nun an ihr Brot im Schweiße ihres Angesichts zu verdienen, kennzeichnet vermutlich nichts anderes als die Anfänge des Bauerntums. Der Auszug aus dem Gelobten Land bezeichnet allegorisch der Verlust der riesigen Herden. Und auch die Sintflut geht wahrscheinlich auf ein sehr reales Naturereignis zurück: Es waren die Schmelzwasserfluten der riesigen Gletschermassive, die innerhalb weniger Jahrzehnte den Meeresspiegel um 10, 20 Meter anhoben und zum verheerenden Durchbruch des Schwarzen Meeres in das Mittelbeerbecken führten.
Auf allen Kontinenten der Erde hat das ewige Wechselspiel des Klimas den unaufhörlichen Wandel der Umwelt des Menschen und damit der Grundlagen seiner jeweiligen Lebensbedingungen entscheidend beeinflusst. In einem Tal von Mexiko lebte ein gottesfürchtiger Mann namens Tapi, dem eines Tages der...