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So wie es nach seinem zweiten, jetzt erschienenen Roman, Der Klavierstimmer aussieht, hat er sein Thema, oder das Thema ihn, gefunden.
Im Mittelpunkt seiner Romane steht die Sprache. Während er in seinem Erstling Perlmanns Schweigen einen Übersetzer mit den Tücken seines Berufsstandes ringen läßt, der nichts mehr zu sagen weiß, obwohl er die Sprache mehr liebt als alles andere, geht Mercier in seinem neuen Werk der Frage nach, inwieweit sich die Person und ihre Identität mittels des gesprochenen oder geschriebenen Wortes abgrenzen kann. Doch keine Angst, Mercier verpackt den philosophischen Hintergrund in eine psychologisch reizvolle, äußerst fesselnde Familientragödie.
Die Zwillinge Patrice und Patricia werden überraschend aus Paris bzw. Chile nach Hause gerufen, da ihr Vater verhaftet worden ist. Ihm wird vorgeworfen, bei einer Opernaufführung auf offener Bühne den Tenor erschossen zu haben. Hat der besonnene, ruhige Mann, der ganz in seinem Beruf als Klavierstimmer aufging, und dem die Musik die Welt bedeutet, tatsächlich diese Tat begangen?
Die Zwillinge wollen die ganze Wahrheit herausfinden und so beschließen sie, daß jeder seine Eindrücke in einem eigenen Tagebuch aufschreiben soll, das sie am Ende austauschen wollen.
Für den Leser entwickelt sich in diesen Aufzeichnungen jeweils aus weiblicher und männlicher Sicht eine unglaubliche Spannung. Die verschiedenen Blickwinkel, die enge Beziehung der Zwillinge untereinander sowie zu ihren Eltern, geben Einblicke in ein grausames Familiendrama, das sich stückweise in seiner ganzen Dramatik enthüllt.
Ein wenig erinnert die Komposition des Klavierstimmers an Javier Marias Bestseller Mein Herz so weiß. Beide Bücher beginnen mit einem ungewöhnlichen Todesfall, die Neugierde des Lesers ist geweckt und ehe er sich versieht, ist er in ein dichtes Geflecht an Beziehungen hineingezogen worden. Allerdings liest sich Mercier weitaus einfacher und flüssiger als sein spanischer Kollege.
Doch er ist ein ebenso gebildeter und kluger Autor. Kein Element steht in seinem Roman unüberlegt, alles ist intelligent durchdacht und miteinander verknüpft. Während der Klavierstimmer unverdrossen Abend für Abend an seiner neuen, wiederum erfolglosen Oper Michael Kohlhaas komponiert, wird er selbst zu dieser Kleist'schen Figur im eigenen Leben.
Am Ende, wenn die Tagebücher ausgetauscht werden, bleibt wieder die Sprache übrig und die Frage: "[I]st die stille Beschäftigung mit Worten die wirkungsvollste Art, das Leben zu verändern -- wirkungsvoller als die lauteste Explosion?" --Manuela Haselberger -- Dieser Text bezieht sich auf eine vergriffene oder nicht verfügbare Ausgabe dieses Titels.
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Nachdem Fritz Bärtschi zuerst einige Jahre seiner Kindheit im Heim verbringt und dann von dem Klavierstimmer Pierre Delacroix und seiner Frau Sophie adoptiert wird, lernt er in seinem neuen Zuhause die Liebe zur Musik kennen. Diese wiederum soll ihm nun dabei helfen, den Applaus seiner Mitmenschen zu erlangen.
Mit Chantal, die er heiratet und die selbst durch den Einfluß eines "Übervaters" psychisch nicht ganz "koscher" ist, erzieht er die Zwillinge Patricia und Patrice. Diese, die nun selbst unter dem Einfluß der nicht ganz einfach zu nehmenden Eltern stehen, erzählen die Geschichte abwechselnd aus ihrer Sicht.
Nach wiederholten Ablehnungen seiner Werke und daraus sogar resultierenden Mordgedanken, gelangt Frédéric Delacroix am Ende zu der plötzlichen Erkenntnis, daß es eigentlich seine Bestimmung ist, einzig und allein ein guter Klavierstimmer zu sein. Seine Gedanken: "...und das genügt!" lassen plötzlich alle Anspannung von ihm - und dem Leser - abfallen.
Fazit des Romans "Der Klavierstimmer" ist letztendlich die Aussage, daß es nicht der Applaus der Mitmenschen ist, der ein Leben lebenswert macht, sondern die Fähigkeit, die eigene Begabung zu erkennen und sie als gleichwertig zu akzeptieren, um dann durch deren Einsatz im Leben Seelenfrieden zu erlangen.
Der Autor bezaubert in seinem Werk "Der Klavierstimmer" außerdem durch die erkennbare Liebe zur Sprache, die Brillanz poetischer Darstellung und die große Sensibilität des Erzählens, die mich beim Lesen begeistert haben.
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