Wie wehrt man sich dagegen, dass in einer Gruppe etwas geschieht, was eigentlich die Mehrheit gar nicht will? Diese Frage, auf die es keine einfache Antwort gibt, stellt sich Hannah, als Steffen "Coolman" Kuhlmann in ihre Klasse kommt. Sehr schön schildert die Autorin Elisabeth Zöller, wie Hannah hin- und- hergerissen ist zwischen der Faszination, die das vermeintlich Coole auf sie ausübt und dem Ärger über die Verhaltensweisen des Neuen in der Klasse. "Coolman", wie er sich nennen lässt, diktiert, was in der Klasse akzeptiertes Verhalten ist und was bzw. wer(!) als "uncool" abqualifiziert werden muss. Viele laufen ihm nach, die Gruppe verändert sich völlig, verbale und handfeste Gewalt kommt ins Spiel. Erst Gespräche untereinander decken die Prozesse auf. Gut gefällt mir ein einfacher Gedanke, der im Ansatz einer Lösung zum Tragen kommt: Aus Coolman wird wieder Steffen. Alle sprechen den selbsternannten Klassen-King nicht mehr mit seinem "Titel", sondern seinem Namen an, was ihn wieder unter seine Mitschüler einreiht. Sprache ist nämlich mehr als nur ein Verständigungsvehikel, sie erzeugt Strukturen. Durch Sprache kann man aber auch Verhaltensmuster bewusst machen und verändern. Wichtig finde ich, dass es am Ende der Geschichte keine harte Abgrenzung, keine Deutung nach einem Gut-Böse-Schema gibt. Fronten bleiben bestehen, Steffen "Coolman" gewinnt, nachdem er sein Verhalten zu ändern begonnen hat (oder nicht?), wieder die anfängliche Faszination zurück. Geschrieben in adäquater Jugendsprache - wenngleich für Erwachsene manchmal quälend - kann das Buch von Elisabeth Zöller bei Schülern der Klassen 3 bis 6 ein Bewusstsein für die Gruppenprozesse erzeugen, in denen sie sich befinden. Meiner achtjährigen Tochter hat das Buch einfach sehr gut gefallen.