Die gehörlose Bonnie Poitras beherrscht das Lippenlesen so perfekt, daß kaum jemand etwas von ihrer Taubheit merkt. Sie meistert ihren Alltag, aber die Schilderung der Schwierigkeiten, die sie trotz allem hat, ist beklemmend.
Das Buch gibt einen Einblick in die Welt einer Frau, die eines wichtigen Sinnes beraubt ist. Taubheit trennt von den Menschen - diese Aussage wird auf bedrückende Weise bestätigt. Schade, daß Bonnie Poitras keinen besseren Mann gefunden hat...
Sehr gut fand ich auch den Hinweis, daß jemand, dessen Stimmbänder funktionieren, nicht "taubstumm" ist, da dieses Unwort leider immer noch in Gebrauch ist.
Die Klage darüber, daß die Welt so auf das für Gehörlose unbenutzbare Telefon fixiert ist (noch dazu erfunden von Alexander Graham Bell, einem Gehörlosenlehrer, der mit einer tauben Frau verheiratet war), ist nicht mehr ganz aktuell, immerhin gibt es heute SMS.
Ja, der ständige Hinweis, daß ein Bart oder Akzent das Lippenlesen behindert, beginnt wirklich irgendwann zu nerven, beim zehnten Mal hat es hoffentlich jeder kapiert. Doch das ist eine Kleinigkeit.
Unverständlich ist mir aber die Kritik, das Buch vermittle ein falsches Bild von der Gehörlosenwelt! Die Autorin erhebt gar nicht den Anspruch, über Gehörlose und ihre Welt im allgemeinen zu berichten, sondern schildert nur ihr eigenes Leben.