Die Autorin kombiniert in diesem Roman Hexenglauben und Zauberei mit neuen Ideen und schafft es damit, dass man schon zu Beginn das Buch schwerlich aus der Hand legen kann. Dabei hat sie ebenso Mythen aus unserer heutigen Zeit, wie die "Blutgräfin" eingeflochten und versteht es sehr gut, diese Legende spannend neu zu erzählen.
Anaíd sieht sich plötzlich mit dem Verschwinden ihrer Mutter konfrontiert. Ausgerechnet Selene - die rothaarige Schöne und Exzentrische - soll die langerwartete Auserwählte der beiden verfeindeten Hexenstämme sein. Als Anaíd schließlich ihrem ureigenen Instinkt folgt, muss sie feststellen, dass auch sie eine Hexe ist.
Doch das ist nicht genug: Die Omar glauben, dass Selene sie verraten hat und zu den Odish übergelaufen ist ... nur Anaíd klammert sich an die Unschuld ihrer Mutter und ist schließlich auch die einzige, die sie retten kann.
Zwischen die Kapitel mischt die Autorin alte Prophezeiungen der beiden Stämme und so erfährt der Leser nebenbei, wie es zu der Fehde zwischen den bösartigen Odish und den friedlichen Omar gekommen ist.
Während ich die erste Hälfte des Buches geradezu süchtig Seite um Seite verschlungen habe, bietet der letzte Teil kaum noch Überraschungen. Denn welche Lektion Anaíd auch lernen, welche Prüfung sie auch bestehen muss, sie meistert jegliches besser und in kürzerer Zeit als andere Hexen der Clans dies bisher taten. Das wird dem Leser sehr bald klar und die folgenden Lehren werden vorhersehbar.
Und auch das Ende bietet wenig Ausgefeiltes. Im Gegenteil, für Anaíd ist alles spielend einfach. Und plötzlich sieht sich der Leser auf der letzten Seite angekommen und fragt sich, ob das alles war ...
Kann ich das Buch, trotz einer mittelmäßigen zweiten Hälfte und unspektakulärem Finale weiterempfehlen? Ja!
Denn auch, wenn manche Passagen und Handlungen vorhersehbar erscheinen und der Leser über Anaíds Superheldenfähigkeiten manchmal gelangweilt ist, hat die Autorin doch eine Geschichte erschaffen, die es durchaus wert ist entdeckt zu werden und Figuren, die man schnell gern hat. Und da dies nur der Auftakt um Anaíd ist, kann man als Leser nur hoffen, dass Maite Carranza im zweiten Buch ("Die Eiswüste") die Spannung umsetzen kann, die der Leser in der ersten Hälfte von "Der Klan der Wölfin" schon gespürt hat.
Eine kleine Anmerkung möchte ich noch zum Cover geben: Ich finde dieses überaus gelungen. Es macht Lust, das Buch zu lesen, ist sehr stimmig in Farbe und Gestaltung und es passt sehr gut zum Inhalt.
Ich würde eigentlich gern 3,5 Sterne vergeben, da dies leider nicht geht, und das Buch mehr als 3 Sterne verdient hat, bekommt es 4 von mir.