Das soll also Japan im Mittelater sein. Zugegeben, ich bin ein großer Japanfan, aber das was Frau Rowland da als Japan verkauft, stimmt vorne und hinten nicht. Viele Details sind historisch falsch (da klopfen z.B. die Samurais dauernd an die Papiertüren, um Einlass zu erhalten oder Kimonos sind mit Goldfarbe bedruckt statt mit Goldfäden gestickt (Drucken kann man mit Gold erst im 20. Jahrhundert), oder besonders witzig: die Leute treffen sich in Sushi-Bars, obwohl die erst 200 Jahre später in der Form existieren) und die Figuren sind unjapanisch wie man es sich nur denken kann. Die Hauptperson, ein Polizist aus Edo, widersetzt sich permanent den Anweisungen seines mächtigen Chefs, wird dabei dauernd erwischt und das alles bleibt für ihn (fast) folgenlos. Das ist in Japan vor 400 Jahren genauso undenkbar, wie im heutigen Japan. Da wird ein Mensch mit europäischer/amerikanischer Individualisten-Mentalität beschrieben, aber kein Japaner. Und da, wo ein bisschen echt japanisches Verhalten durch die dünne Geschichte blitzt, da ergeht sich Rowland dann in seitenlangen Erklärungen, warum die Person sich so und nicht anders verhalten hat. Bloss den Leser nicht selber nachdenken lassen! Dabei schleppt sich die Geschichte monoton und absolut linear dahin. Und ich dachte, dieser Stil wäre seit Enid Blyton nicht mehr angesagt. Habe ich mich wohl getäuscht. Einer meiner Vorrezensenten hat kommentiert, dass der Text wie aus einem Kurs für kreatives Schreiben wirkt. Recht hat er. Das ist ein einfallsloses Buch und literarisch so wertvoll wie ein Aldiprospekt.