Ich vermute, dass "Der Kindersammler" aus zwei Gründen so weit oben in den Verkaufslisten steht: zum einen ist der Titel an sich ein gut gewählter Eye Catcher und weckt Interesse; zum anderen ist die Story spannend geschrieben.
Ein Kind wird getötet, und relativ bald ist klar, dass es sich um einen Serienmörder handelt. Dessen Herkunft und Geschichte wird in Rückblenden erzählt. Ob das, was ihm in seiner Kindheit widerfährt, ausreicht, um später zum Mörder zu werden, mag man bezweifeln. Die psychologische "Unterfütterung" aller Personen dieser Story, insbesondere natürlich die des Täters, bleibt an der Oberfläche und geht über das Niveau von Küchenpsychologie nicht hinaus. Überwiegend, und das wird einem allein schon anhand der Zahl der Getöteten deutlich, spielt dieser Krimi auf der Handlungsebene.
Auf dieser Ebene versucht die Autorin mehrere Geschichten miteinander zu verknüpfen und das über einen Zeitraum von gut 30 Jahren. Dies gelingt ihr meistens, nicht immer jedoch, wodurch logische Löcher und Irritationen entstehen, die nicht nötig gewesen wären, wenn sie ein einfacheres Erzählmuster gewählt hätte und dem Motto: "weniger ist mehr" gefolgt wäre.
Zusammengenommen gibt es schon einige Kritikpunkte, allerdings, und das sollte man sich vor dem Kauf überlegen, hängt die Beurteilung eines Buches auch davon ab, was man zuvor von ihm erwartet hat. Will man Spannung, also einen Titel, den man nicht mehr aus der Hand legt, weil man wissen will, wie es weitergeht, ist man mit dem "Kindersammler" bestens bedient: es ist gute Unterhaltungsliteratur - nicht mehr, nicht weniger. Man muss eben über ein paar Logiklöcher hinweglesen, was einem aber auch nicht schwer fällt angesichts der Spannung.
Erwartet man mehr als das, sollte man sich vielleicht nach einem anderen Titel umsehen.
Und wenn man Kinder hat, sollte man sich dieses Buch überhaupt nicht kaufen, denn es triggert massiv die Ängste aller Eltern.