Ich habe mich für diesen Globus entschieden, da dieser Ravensburger Globus vom Columbusverlag hergestellt wird, welcher einen sehr guten Ruf für seine Globen besitzt. Ähnliche Kindergloben kosten oft die Hälfte oder weniger, so hatte ich hier eine entsprechend hohe Erwartungshaltung.
Kartenbild:
Das physische Kartenbild kommt in kräftigen Farben daher. Die Farben bleiben jedoch wenig differenziert, Gebirge sind kaum als solche zu erkennen. Das Kartenbild ist recht grobkörnig, zu den Polen hin noch verstärkt. Man kann und sollte hier doch etwas feiner drucken.
An den Längengraden sieht man zum Äquator hin eine Verzerrung. Die Längengrade passen dadurch nicht überall perfekt aufeinander.
Der Äquator selbst ist in etwa der Zusammenstoss der beiden Halbschalen. An manchen Stellen leuchtet es da leider etwas heraus (bei eingeschalteter Glühbirne).
Im unbeleuchtetem Zustand ist das Meer ein einfarbiges Hellblau.
Die Tiere und Bilder decken einen hohen Anteil an Landfläche ab. Griechenland wird von einer Schildkröte überdeckt, Spanien liegt grossteils unter einem Stierkämpfer nebst Stier, Grossbritannien ist nun tatsächlich fast vollständig unter Big Ben verschwunden.
Oft sind Tiere oder zusätzliche Bilder so dargestellt, dass sie die Konturen der Kontinente verdecken und verfälschen. Das schottische Hochlandrind überdeckt Irland und Schottland, sodass Kinderaugen hier eine einzige zusammenhängende Landmasse sehen, die es so nicht gibt. Auch besitzt Marokko auf diese Weise eine grosse Halbinsel, auf der eine Stadt steht.
Bilder zeigen oftmals Häuser, Bäume und Menschen, die auf dem Boden stehend abgebildet sind. Insbesondere diese Bilder mit Bodenabbildung verleiten zu der Annahme, dass das eine tatsächliche Insel, Halbinsel oder Landmasse ist. Im Meer entstehen so viele Phantasieinseln. Durch die Bilderflut verfliesst auch Indonesien, Malaysia und die Phillippinen zu einem optisch indifferenten Brei.
Die Bilder hätten auch halb so gross dargestellt werden können. Für Kinderaugen wäre das noch lange gross genug.
In beleuchtetem Zustand zeigt der Globus zusätzlich in weiteren Blaustufen die groben Meerestiefen. Meeresströmungen werden (im Gegensatz zur Amazonbeschreibung) nicht gezeigt!
Auch erscheinen dann die Ländernamen. Politische Grenzen werden leider nicht hervorgehoben. Kinder interessieren sich doch schon sehr für die einzelnen Länder, deren Lage ist hier aber praktisch nicht sichtbar. Dies hätte nun wirklich mit auf einen Kinderglobus gehört, der auch im Schulalter noch interessant sein sollte. Ländernamen und Meerestiefen sind ja schon auf dem zweiten Kartenbild (beleuchteter Zustand) vorhanden, warum dann nicht auch die Länder (politisches Kartenbild)?
Mechanische Ausführung:
Die zwei Halbschalen des Globus sind aus Acryl und sehr robust. Ein Klopftest verrät eine harte Schale. Sie gibt selbst unter kräftigem lokalen Fingerdruck nicht nach. Der Meridian ist glasfaserverstärkt. Wie stabil er ist merkt man, wenn man die Birne wechseln will.
Dazu nimmt man am besten den Meridian vom Nordpol, biegt ihn zur Seite, bis sich der untere Teil mit der Birne (gewöhnlichen E14 25W Kerze) aus dem Südpol ziehen lässt. Der zierliche Meridian widersetzt sich dabei erstaunlich den Bemühungen und kehrt ohne Abweichungen in die ursprüngliche Form zurück.
Nebenbei: dem Sparwahn sei abgeraten, ein Kinderglobus fällt schon einmal auf den Boden, wobei eine Energiesparlampe ihr Quecksilber verteilen würde.
Der Sockel ist Robust und formschön, schlicht.
Das Anschlusskabel und der Kabelschalter sind weiss. Scharz wäre unauffälliger.
Das Kabel ist mit etwa 1,3 Metern viel zu kurz. Das reicht gerade von der Steckdose am Fussboden auf den Rand des Tisches. Dabei fällt die nächste Unzulänglichkeit auf:
die drei Füsse unter dem Holzsockel sind aus hartem glatten Kunststoff. So zieht das zu kurze Kabel den Globus vom Tisch. Das ist der Lebensdauer dann doch abträglich. Hier hätten Gummifüsse einen deutlich besseren Dienst getan.
Fazit:
Ein recht robuster Globus mit ungenügender Kartendarstellung. Bilder machen den Globus für Kinder interessant, aber gleichzeitig zeigen sie eine irreführende Karte. Das was Kinder das erste mal sehen, vergessen sie so leicht nicht wieder. Ich finde, gerade darum sollte ein Kinderglobus nicht irreführende Abbildungen zeigen. Kleinere Bilder, Bilder ohne Bodendarstellung und konsequentes Weglassen der Bilder auf den Küstenlinien hätten dem Globus gut getan. So ist der Gesamteindruck doch deutlich getrübt.
Zwei Sterne für die mechanische Robustheit, die ich wegen des zu hohen Preises jedoch sofort wieder abziehen sollte. Andere Kindergloben sind zumeist ebenfalls in wichtigen Punkten recht unzulänglich, haben jedoch dann nicht diesen hohen Preis. Würde ich nochmals kaufen, dann auch für Kinder einen wirklich ordentlichen oder eben einen tatsächlich preiswerten.