Was da als neutraler "Ratgeber" daherkommt, ist in Wahrheit nichts anderes als ein schlichter Werbekatalog, der Eltern zum Kaufen von "Kinder-Software" animieren soll. Der Trick dabei: Mit den "Bewertungen" soll den Eltern, die sich nicht selber ein Bild machen können oder wollen, die Unsicherheit oder gar das schlechte Gewissen genommen werden, eventuell minderwertige Software zu kaufen. Aber auch Feibels "Ratgeber" schütz sie davor nicht. Der Autor legt seine Bewertungs-Kriterien nicht offen, so dass seine Urteile nicht überprüfbar sind. Was ist denn eine "tolle Grafik", was hat man unter einer "prima", "subba" (sic!) oder "unter-durchschnittlichen" Benutzerfreundlichkeit zu verstehen? So ist das schlicht manipulativ und die anbiedernde Sprache tut hier noch ein Übriges. Auch die Auswahl der bewerteten Produkte ist nicht transparent und die gewählten Produktgruppem ("Mädchen", "Kreativität und Bauen" oder "Konsolenspiele") bedienen Stereotypen oder orientieren sich an Konsumgewohnheiten. Spätestens bei dem sich besonders locker gebenden "Einkausberater", der in seiner teilweise unglaublichen Vereinfachung und allwissenden Apodiktik viel Falsches enthält, beschleicht einen das ungute Gefühl, hier im Interesse bestimmter Verlage und Unternehmen hinters Licht geführt zu werden.
Neben der Offenlegung der Beurteilungs-Kriterien gehört zu einem seriösen Ratgeber mit dieser Zielgruppe mindestens auch ein einführendes Kapitel, das kurz, aber problemorientiert das Thema "Kinder und Computer" diskuitiert. Auch hier Fehlanzeige. Statt dessen wird mit der Angabe einer Altersgruppe zu jedem Produkt der Eindruck erweckt, die Produkte seien für jedes Kind bzw. jeden Jugendlichen der angegebenen Altersspanne gleich gut geeignet.
Eltern kann man von diesem Pseudo-Ratgeber nur nachdrücklich abraten und ihnen empfehlen, sich auf ihr eigenes Urteil zu verlassen und dort, wo sie unsicher sind, lieber auf den Kauf eines "Kinder-Software"-Pakets zu versichten.
Bleibt die Frage, warum sich der Rowohlt-Verlag für so eine Werbebroschüre hergibt? Sind es die internen "Zwänge" der Unternehmensgruppe, der er angehört?