In einem Dorf in Brandenburg töten drei Jugendliche einen Gleichaltrigen auf unbeschreiblich brutale Weise, nachdem sie ihn zuvor stundenlang grausam gequält und erniedrigt haben - und das ohne jeden ersichtlichen Grund. Andreas Veiel geht in dem Buch dieser Sache nach, wie er es schon zuvor in einem Film und einem Theaterstück getan hat. Er gliedert seine Darstellung in eine Collage von Aussagen verschiedener Beteiligter, eine Beschreibung der Täter und des Opfers, eine Schilderung der Tat selber und einen kurzen Epilog. Das Buch heißt im Untertitel "Ein Lehrstück über Gewalt", aber der Autor verzichtet bewußt darauf, den Leser zu belehren. Gerade das macht das Buch so wertvoll und lehrreich. Es beschreibt Tat, Täter und Opfer zusammen mit ihrem Umfeld und führt einen ein in eine bedrückend dumpfe Welt aus Arbeitslosigkeit, Alkoholismus, Fremdenfeindlichkeit, Rechtsradikalismus, DDR-Nostalgie, durch die "Wende" aufgelösten Lebensstrukturen, Gleichgültigkeit, Selbstgerechtigkeit, Vernachlässigung und Aggression. NIcht nur die beiden Täter allein sind davon geprägt.
Was davon ist Ursache, was ist Wirkung? Wo könnte eine Veränderung ansetzen? Wie weit sind die Umstände schuld, wo beginnt die persönliche Verantwortung? Diese Fragen wirft Veiel auf, aber er beantwortet sie nicht - weil er keine Antworten hat, so wenig wie irgend einer von uns. Eines lehrt uns aber sein Buch auf jeden Fall: Es ist wichtig, daß man genau hinschaut, in jeder Hinsicht.