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Bereits zwölf Jahre vor Dan Browns "Da Vinci Code" (2003) erschien mit "Die Kinder des Gral" der erste Teil von Berlings mittlerweile auf mehrere tausend Seiten angewachsenen mediävalen Gralsepos. Schon 1991 wurde dadurch eine breite Leserschar u. a. mit dem Languedoc, Rennes le Chateau, den Katharern und Templern, sowie der ominösen Prieuré de Sion vertraut gemacht. Die mit Belagerung und Fall des Montsegur (1244) beginnende Handlung brachte in den Fortsetzungen "Das Blut der Könige" (1993), "Die Krone der Welt" (1995) und insbesondere "Der schwarze Kelch" heftige Lichtung in den Reihen von Freund und Feind der Protagonisten Roger-Ramon-Bertrand Trencavel du Haute-Ségur (Roc) und Isabelle-Constance-Ramona Esclarmunde du Mont y Sion (Yeza) mit sich.
In "Der Kelim der Prinzessin" ist es Berling jedoch wieder gelungen, weitere erdichtete, teils skurrile Gestalten einzuführen, die neben und zusammen mit den historischen Personen agieren. Wie immer wurde auch an das leibliche Wohl gedacht, denn üppige und in allen Einzelheiten beschriebene Mahlzeiten fehlen ebenso wenig, wie deftige erotische Szenen. Berling hat neben seinem enormen historischen, auch das in seinem Sachbuch "Zodiak" (2002) vorgestellte, astronomische Wissen eingebracht. Einige sachliche Ungereimtheiten (z. B. wenn der Eindruck erweckt wird, dass die eigenständige, indoeuropäische Sprache der Kurden ein Dialekt des semitischen Arabisch sei) fallen daher nicht ins Gewicht. Die Handlung setzt im Jahre 1260 mit der Eroberung der syrischen Metropole Damaskus ein und findet im selben Jahr ihr furioses Finale in der Schlacht von Ain Dschalut.......
Mit 530 Seiten ist "Der Kelim der Prinzessin" zwar weniger als die Hälfte so üppig, wie seine vorangegangenen Bände ausgefallen, weist aber wie gewohnt neben "Dramatis Personae", drei historischen Landkarten, auch zwei verschieden farbige Bänder auf, die als Lesezeichen das parallele Lesen von Roman und Anmerkungen ermöglichen. Allerdings erscheint der auf den Kopf stehende Buchdeckel (!) und der Klappentext, der die Handlung 1250, also zehn Jahre früher beginnen lässt, seitens des Gustav Lübbe Verlag mit heißer Nadel gestrickt.
Peter Berling hat erneut bewiesen, dass er unangefochtener "Großmeister des Mittelalterromans" und als sein (tatsächlich historisches) Alter ego, dem Minoriten William von Roebruk, auch wichtigster Hüter der Gralskinder ist. "Der Kelim der Prinzessin" ist sehr zu empfehlen und als Paradebeispiel eines historischen Romans mit 5 Amazonsternen zu bewerten. Zum besseren Verständnis sollte der Leser jedoch zuvor die vier vorangegangenen Bände gelesen haben......
Wem das immer noch nicht reicht, dem seien mit "Franziskus oder das Zweite Memorandum" (1990), "Die Ketzerin" (2001) und "Das Kreuz der Kinder" (2003) außerdem noch drei Vorgeschichten um wichtige Personen des Gralsepos empfohlen.
Es ist ein sehr forderndes und mitreißendes Ende seines Werkes das Berling uns hier liefert. Perfekt gelungen ist wie üblich die Einbettung in den historischen Hintergrund.
Verglichen mit den vier vorangehenden Bänden fällt dieser jedoch ein wenig ab, schon durch den geringeren Umfang und durch das Fehlen von Charakteren die in den früheren Bänden ihren Abschied nehmen mußten und keine wirklichen Nachfolger gefunden haben. Jedoch bleiben dem treuen Leser genug alte Freunde, inkl. der "Kinder", um diese Lücke nicht zu schmerzhaft werden zu lassen. Ein wenig irritierend wirken ein paar Widersprüche im Text, die noch ausgebügelt hätten werden müssen.
Jedoch spielt nichts davon wirklich eine Rolle, was zählt ist nur das Gesamtwerk und dafür ist "Der Kelim der Prinzessin" ein würdiger Abschluß der uns diesmal ein Ende bietet, das vielleicht nicht jedem gefallen wird, das aber weitaus befriedigender ist als das des vorigen Bandes.
Peter Berling ist und bleibt für mich der Meister des historischen Romans.
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