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Der Kanon: 20 Bde. [Taschenbuch]

Marcel Reich-Ranicki , Marcel Reich- Ranicki
4.2 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (8 Kundenrezensionen)

Erhältlich bei diesen Anbietern.



Kurzbeschreibung

18. September 2002
"Kanon", klingt das nicht altmodisch? Und herrisch und verstaubt zugleich? Jedenfalls scheint es eine Vokabel aus einer vergangenen Epoche, eine, gegen die schon unsere Väter gelegentlich meist gelangweilt protestierten. Kurz: ein alter Zopf. Wirklich?
Richtig ist: Ein Kanon für die Literatur ist kein Gesetzbuch und keine Vorschrift; jeder kann und soll lesen, was er will. Doch brauchen wir nicht, angesichts der wachsenden Bücherflut, auch und gerade in unserem dritten Jahrtausend eine Auswahl der literarischen Werke, die zum kulturellen Bestand gehören?
Jeder Kanon ist ein Produkt seiner Epoche, jeder entsteht aus der unbedingt notwendigen Revision der früher gebräuchlichen Kanones. Im Laufe der Jahre und Jahrzehnte kommen viele literarische Werke hinzu; aber ein Kanon kann nicht unentwegt wachsen und dies gilt erst recht für eine auf ihm basierte Bibliothek. Daher müssen wir auf nicht wenige literarische Werke, die früher zum Kanon gehörten, heute verzichten.
Was aber unsere heutige Kanon-Bibliothek von allen vergleichbaren Entwürfen aus der Vergangenheit unterscheidet, ist ihr Adressat: Dies ist ein Kanon für Leser. Vorrangig gilt für diesen Kanon, daß - was oft übersehen wird - Literatur jenseits aller Belehrung und Erbauung auch unterhaltend sein kann und soll, daß sie Spaß, Vergnügen, Freude bereiten, ja glücklich machen kann.
Ich bin sicher, daß es vielen Literaturfreunden nicht ganz leicht fallen wird, sich mit dem Romanteil unseres Kanons abzufinden. Sie werden andere Schriftsteller der älteren und der jüngeren Generation, die gute und erfolgreiche Romane geschrieben haben, hier vergeblich suchen. Das ist unvermeidlich. Manch ein Prosaautor, den man hier vermißt, wird allerdings sehr wohl in den Kanon aufgenommen, in den Teil mit Erzählungen oder in jenen mit Essays. Jeder Kanon ist auch subjektiv und zeigt die Vorlieben dessen, der auswählt. Nur bin ich überzeugt, daß der Verzicht auf e inen Kanon in einer zivilisierten Gesellschaft verhängnisvoll, ja unvorstellbar ist. Er wäre ein Rückfall in Willkür und Beliebigkeit, in Chaos und Ratlosigkeit, ein Rückfall in die Barbarei.
Die neue Kanon-Bibliothek besteht aus fünf Teilen: Romane, Dramen, Gedichte, Erzählungen und Essays. Mit dem "Werther" eröffnen wir den Kanonteil, der dem Roman gewidmet ist. Warum gerade mit diesem Buch aus der Feder eines Anfängers? Weil es, kaum veröffentlicht, der erste deutsche Weltbestseller wurde? Sicher auch, aber in erster Linie, weil der "Werther", geschrieben vor beinahe 230 Jahren, der früheste deutsche Roman ist, der noch heute ohne Bearbeitung und ohne Erläuterungen gelesen und genossen werden kann, gelesen ganz einfach als Unterhaltung, gehobene, versteht sich, und geniale.
Einen großen internationalen Romanerfolg erzielt die deutsche Literatur erst viel später, am Beginn des zwanzigsten Jahrhunderts, mit der umfangreichen Darstellung des Verfalls einer Lübecke r Familie, mit Thomas Manns "Buddenbrooks". Wiederum ist es ein Anfänger, der, als sein Roman erschien, kaum älter war als der Autor des "Werther". Für die Zeit, die diese Romane trennen, wurden fünf Werke ausgewählt, Romane, die frei sind vom Staub des Museums, die man lesen kann, als seien sie neu. Von den "Wahlverwandtschaften", dem reifsten und reichsten Roman Goethes, erstreckt sich unsere Auswahl über die "Elixiere des Teufels" des wunderbaren und in Deutschland oft unterschätzten Erzählers E.T.A. Hoffmann, über den Bildungsroman "Der grüne Heinrich", in dem Gottfried Keller von einem erzählt, der auf dem Weg zu sich selbst ist, bis zu Theodor Fontane. Von ihm werden, ebenso wie von Goethe und Thomas Mann zwei Romane berücksichtigt: "Frau Jenny Treibel" und "Effi Briest", Romane, die erst viele Jahre nach Fontanes Tod wirklich populär wurden ...

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Produktinformation

  • Taschenbuch: 8112 Seiten
  • Verlag: Insel, Frankfurt; Auflage: 1., Aufl. (18. September 2002)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3458066780
  • ISBN-13: 978-3458066781
  • Größe und/oder Gewicht: 47,4 x 20,8 x 13,4 cm
  • Durchschnittliche Kundenbewertung: 4.2 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (8 Kundenrezensionen)
  • Amazon Bestseller-Rang: Nr. 817.949 in Bücher (Siehe Top 100 in Bücher)
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Produktbeschreibungen

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Einstmals umfasste ein Kanon die Summe aller kirchlich anerkannten biblischen Texte. Während der bildungsbürgerlichen Revolution dann wurde der Begriff zum Bündlungspol all jener heiligen Schriften der Literaturgeschichte, die man zur gepflegten Konversation in gebildetem Kreise unbedingt gelesen haben musste. Nun ist bei Suhrkamp die von Marcel Reich-Ranicki besorgte 20-bändige Roman-Bibliothek Der Kanon erschienen: Was man da aufgrund der teils doch recht radikalen Ansichten Reich-Ranickis etwa zur gerade noch erträglichen Länge von Büchern erwartet hatte, war wohl eine engstirnige Auswahl mit dem Anspruch auf letztgültige Ausschließlichkeit.

Wer Derartiges befürchtet hatte, wird arg enttäuscht. Denn Reich-Ranickis Vorwort schränkt die Ansprüche einer verbindlichen Top 20 gleich zu Anfang wieder ein. "Kann man da eine verbindliche Liste, ob nun kurz oder lang, überhaupt in Erwägung ziehen?", fragt der Kritiker rhetorisch. Und er fährt fort: "Nein, das kann man nicht, denn die Literatur ist frei." Neben objektiven Kriterien hat Reich-Ranicki denn vor allem auch die Wirkung seiner eigenen begeisternden Lektüre berücksichtigen wollen: "An diesem Glück wollte ich auch andere teilhaben lassen." So ist die Buchkassette, so paradox das klingen mag, vor allem ein sehr persönlicher Kanon geworden.

Tatsächlich hat Reich-Ranicki Bände aufgenommen, die "frei sind vom Duft und Staub des Museums" sind: Darunter jeweils zwei seiner erklärten Lieblingsautoren Goethe (Die Leiden des jungen Werther, Die Wahlverwandtschaften), Theodor Fontane (Frau Jenny Treibel, Effi Briest) und Thomas Mann (Buddenbrooks, Der Zauberberg). Mit je einem Buch sind E.T.A. Hoffmann (Die Elexiere des Teufels), Gottfried Keller (Der grüne Heinrich), Heinrich Mann (Professor Unrat), Hermann Hesse (Unterm Rad), Robert Musil (Die Verwirrungen des Zöglings Törleß), Franz Kafka (Der Proceß), Alfred Döblin (Berlin Alexanderplatz), Joseph Roth (Radetzkymarsch), Anna Seghers (Das siebte Kreuz), Heimito von Doderer (Die Strudlhofstiege), Wolfgang Koeppen (Tauben im Gras), Günter Grass (Die Blechtrommel), Max Frisch (Montauk) sowie Thomas Bernhard (Holzfällen) vertreten.

So viel ist sicher: In dieser Reihe "freundlicher Hinweise, Vorschläge und Empfehlungen" wurde kein Titel aufgenommen, der des Lesens nicht für wert befunden werden müsste. Da ist eigentlich nur ärgerlich, dass Reich-Ranicki bis auf die paar Zeilen Klappentext nichts Erläuterndes zu den Romanen selbst verfasst hat -- Nachworte fehlen völlig. So bleibt Der Kanon leider "ein eher diskreter Fingerzeig". --Thomas Köster


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Kundenrezensionen

4.2 von 5 Sternen
4.2 von 5 Sternen
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28 von 35 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Sorgfalt vernachlässigt 12. April 2005
Von Ein Kunde
Meine Kritik richtet sich alleine an die schlampige Bearbeitung (bisher) eines Titels für den Kanon. Der Roman "Der grüne Heinrich" (G. Keller) ist voll von typogr. Fehlern. Unter anderem ist das Wort "mit" mindestens zweiduzend mal falsch geschrieben, meist als "mir". Auf den letzten ca. 200 Seiten habe ich dann gezählt (der Lesespaß war eh dahin) und bin dort alleine auf 12 Fehler gekommen. So was habe ich selbst bei zweitklassigen Urlaubsschmökern noch nicht erlebt. Laut Insel-Verlag sind die Fehler wohl Folge des Einscannens des Textes. Wenn man sich nur auf die (wohl schlecht trainierte) OCR-Software verlässt, nenne ich das einen naiven Fortschrittsglauben.
Drei Sterne gebe ich mal in der Hoffnung, dass dies im Kanon ein Einzelfall bleibt (ca. 2/3 liegen noch vor mir).
Ach so, als Trostpflaster gab es übrigens vom Verlag eine andere TB-Ausgabe (insel taschenbuch 2944) dieses Romans - mit denselben Fehlern!
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1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Guter Inhalt, aber die Form! 4. September 2008
Von Zarla
Von Amazon bestätigter Kauf
Zu viele Rechtschreibfehler stören den Lesefluss.

Der Karton, der die Bücher zusammen hält, ist bei mir total zerknautscht angekommen ! Man hatte das Paket nicht ganz mit Papier ausgefüllt...

Am Inhalt selbst ist überhaupt nichts auszusetzen. Schön sind die zusammenfassenden Biographien der Autoren.

Aufgrund der Rechtschreibfehler würde ich jedem empfehlen die Bücher einzeln zu kaufen...
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13 von 18 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Gute, zusätzliche Leseanregung 10. März 2005
Reich-Ranicki ist nicht nur ein hinreißender Plauderer über Literatur. Er ist auch ein Meister der Selbstdarstellung, der weiß wie er seine Popularität in klingende Münze umsetzen kann. In einer Zeit, der es sicherlich nicht an Literaturempfehlungen - man denke nur an die nach wie vor aktuelle ‚ZEIT-Bibliothek der 100 Bücher' von 1980 - mangelt, empfiehlt er in einem schmalen 87 seitigen Einführungsbändchen 20 deutschsprachige Romanautoren. Er stellt sie jeweils mit einem tabellarischen Lebenslauf und einer Kurzrezension über üblicherweise eines, ausnahmsweise wie bei Goethe, Fontane und Thomas Mann auch zwei ihrer Werke vor.

Zwei der Romanschreiber entstammen dem 18. Jahrhundert, mit elf ist das Gros im 19. Jahrhundert geboren, während nur vier Autoren für das 20. Jahrhundert stehen. Von den siebzehn Romanciers sind fünf Österreicher, zwei Schweizer und zehn Deutsche. Nimmt man jede Auswahl als notwendigerweise subjektiv hin, so gibt es kaum Raum für Kritik an Reich-Ranickis Selektion dieser Schriftsteller. Neu für den Verfasser dieser Zeilen waren mit Heimito von Doderer, Thomas Bernhard, Joseph Roth und Wolfgang Koeppen vornehmlich österreichische Autoren. Die genannten Kurzrezensionen reizen förmlich dazu, sie kennenzulernen. Hat man doch immer das Gefühl, über ihre Werke tiefen und authentischen Einblick in eine bestimmte historische Zeit, Gesellschaft oder Gefühlslage einer Gesellschaftsgruppe zu erhalten.

Fazit: Sieht man, nicht nur aufgrund Ranickis flammendem Eingangsplädoyer, den Sinn eines jeden Kanons in seinem „nichtsklavischen" Empfehlungscharakter, so läßt sich auch der vorliegenden Vorstellung von 17 Autoren und 20 ihrer Werke sehr viel abgewinnen. Nichtzuletzt erfährt der Leser nolens volens in den dreiseitigen Anmerkungen am Schluß des Einführungsbändchens viel über Leben und Leistungen Reich-Ranickis.

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