| |||||||||||||||
![]() Gutschein erhalten
Tauschen Sie jetzt Der Kampf um das blaue Gold: Ursachen und Folgen der Wasserverknappung gegen einen Amazon-Gutschein in Höhe von EUR 0,25 ein - einlösbar für Tausende von Artikeln bei Amazon.de. Entdecken Sie mehr eintauschbare Bücher im Bücher Trade-In Shop. Bitte beachten Sie die Teilnahmebedingungen.
Jetzt für Amazon Student anmelden und um 20% erhöhten Eintauschwert sichern. |
Produktinformation
|
Weltweit haben bereits heute 1,5 Milliarden Menschen keinen Zugang zu sauberem Trinkwasser. Die indische Philosophin, Physikerin, Menschenrechtsaktivistin und Trägerin des Alternativen Nobelpreises 1993, Vandava Shiva, zeigt in diesem Buch, wie Konzerne die Privatisierung des Wassers vorantreiben und versuchen, daraus wie aus jeder anderen x-beliebigen Ressource auch den größtmöglichen Profit zu schlagen. Shiva macht deutlich, wir groß das ökologische und (auch sicherheits-)politische Bedrohungspotenzial ist, das aus der Wasserkrise zu erwachsen droht. Eindrücklich und anhand einer Reihe von Fallbeispielen macht die Autorin plausibel, weshalb es notwendig ist, das Recht auf Wasser als Menschenrecht zu verankern.
Ein Buch, dessen Lektüre jedem, der in irgendeiner Weise gesellschaftliche oder politische Verantwortung trägt, Pflicht sein sollte -- zumal im von den Vereinten Nationen ausgerufenen "Jahr des Süßwassers" 2003. --Andreas Vierecke
Aus dem Englischen von Bodo Schulze
5 Audio-CDs, 1 Bonus-CD im MP3-Format, Laufzeit 5:30 Stunden. -- Dieser Text bezieht sich auf eine vergriffene oder nicht verfügbare Ausgabe dieses Titels.
Vorgeschlagene Tags zu ähnlichen Produkten(Was ist das?)Setzen Sie den ersten relevanten Tag hinzu (ein Schlüsselwort, das mit diesem Produkt in engem Zusammenhang steht).
|
Die Folgen können wir uns ja selber ausmalen, aber für die Ursachen interessieren wir uns schon. Abgesehen von der industriellen Umweltverschmutzung und dem globalen Klimwandel nennt Vandana Shiva zwei Gründe: Die Grüne Revolution und die Kommerzialisierung der Wasserversorgung.
Für Spätgeborene: "Grüne Revolution" hat nichts mit gleichfarbigen Regierungsparteien zu tun, sondern ist ein UNO-Schlagwort aus den unschuldigen sechziger Jahren. Optimistische Entwicklungshelfer und internationale Organisationen rieten den Entwicklungsländern dazu, mit industriellen Methoden die Ernten zu steigern.
Von jetzt an zählte der schnelle Ertrag: Auf Weltbank-Kredit pflanzte man Hochleistungssorten (Reis, Mais, Weizen, Zuckerrohr) in Monokultur, importierte man Dünger, baute man Motorpumpen und Staudämme. In der Folge sank das Grundwasser, versalzten die Böden, versiegten die Flüsse, verlandeten die Staubecken und die Schulden blieben ungetilgt. Man erbettelte sich einen neuen, größeren Kredit, bohrte noch tiefere Brunnen, baute noch größere Staudämme, bewässerte noch mehr Anbaufläche, - und so weiter und so fort. In der Sahelzone verleitete das Pumpenwasser die Viehzüchter dazu, zuviele Tiere zu halten; die Tiere überweideten die trockene Steppe und die Erosion führte zur Dürrekatastrophe.
Mit einem Wort, die "Grüne Revolution" lief, wie man heute sieht, auf lupenreinen Raubbau hinaus, nicht zuletzt auf einen Raubbau am Wasser. Vandana Shiva spricht vom "natürlichen Wasserkreislauf", der wiederhergestellt, und vom "Prinzip der Nachhaltigkeit", das beachtet werden müsste. Das Prinzip kling zunächst überaus einfach: Die menschlichen Nutzer dürfen dem Wasserhaushalt nicht mehr Wasser entnehmen, als sich in der gleichen Zeit auf natürliche Weise regeneriert.
In trockenen Regionen dürfen also keine Exportpflanzen wie Zuckerrohr oder Eukalyptus (Zellulose) angepflanzt werden, die extrem viel Wasser verbrauchen. Die Landwirte müssen auf wassergenügsame Nutzpflanzen wie Hirse zurückgreifen, die zugleich mehr Biomasse bilden und somit in Trockenzeiten als Feuchtigkeitsspeicher dienen. Anstelle von Großstaudämmen empfiehlt die Autorin die Rückkehr zu den traditionellen indischen Auffangsystemen, die von der Dorfgemeinschaft selbst errichtet und bewirtschaftet werden können. Diese verzerrten den natürlichen Wasserkreislauf nur geringfügig, anstatt ihn brutal zu zerschneiden. Sie stellten je nach Niederschlagsituation nur ökologisch vertretbare Wassermengen zur Verfügung, die dann auch effizient genutzt werden konnten. Nach der Bewässerung gelangte die Feuchtigkeit in das Grundwaser, wo sie von Natur aus auch hingehört.
Der andere Grund für die Wasserverknappung liegt in der Wirtschaftpolitik: Es ist die von der Weltbank vorangetriebene Kommerzialisierung des Wassers. Wasser, so will es die Doktrin der totalen Marktwirtschaft, ist eine Ware wie alle anderen auch und muß daher überall nach Angebot und Nachfrage beliebig handelbar sein. Da Shiva die kulturellen Ursprünge dieser Auffassung im Wilden Westen verortet, spricht sie von "Cowboy-Ökonomie": Wer zuerst kommt, mahlt zu erst. Tatsächlich bildete sich in den Trockengebieten der USA im vorletzten Jahrhundert ein Wassergesetz heraus, das wie kein anderes auf der Erde die Rechte von Eroberer und weißen Grundbesitzern privilegiert: Wer einen Fluß besitzt, kann ihn auch umleiten. Es gibt eine Börse, an der Wasser gehandelt wird wie Aktien oder Edelmetall. In Colorado fließt das Wasser nach oben: In Richtung Geld. Wer sich Wasser nicht leisten kann, soll doch woanders sein Glück versuchen.
Jetzt wollen die Cowboys über den Hebel von GATS und Weltbank dieses Gesetz auf der ganzen Welt durchsetzen. Mit Knebelverträgen wollen sie die kreditabhängigen Staaten dazu zwingen, ihre Wasserversorgung zu privatisieren. Shiva zweifelt nicht daran, daß westliche Konzerne wie Monsanto, die die Wasserwerke in Südamerika oder Ostasien betreiben wollen, als künftige Monopolisten einen dicken Profit erwarten - auf Kosten der Normalbürger und der Armen, die sich Wasser dann bald gar nicht mehr leisten können.
Shiva besteht darauf, daß Wasser nicht als Ware betrachtet werden darf. Sie propagiert die Grundsätze einer "Wasser-Demokratie", die Wasser als ein "heiliges" Gut respektiert und dafür sorgt, daß Wasser nachhaltig bewirtschaftet wird und allen zugute kommt, die es benötigen.
Shiva versteht es, auf knappen 215 Seiten die Verflochtenheit der ökologischen, wirtschaftlichen, politischen und kulturellen Probleme darzustellen und dabei ihren eigenen Standpunkt deutlich zu machen. Die Stärke des Buches ist aber zugleich seine Schwäche: Die Analyse ist eine Reportage, ein Pamphlet und zugleich nichts von alldem. Unter der allzu flinken Feder der Autorin vertrocknen alle frischen Informationen zu rhetorischen Argumenten, die die ihre Weltsicht und ihren politischen Standpunkt plausibel machen sollen. Über hydrologische und rechtliche Details erfährt der Leser etwa soviel wie aus einer besseren SPIEGEL-Reportage; dafür könnten sich deutsche Öko-Nostalgiker an ihre Jugend in den frühen achtziger Jahren erinnert fühlen, zelebriert die Inderin doch zwanzig Jahre nach und 5000 Kilometer östlich von Wackersdorf jenes ebennämliche präapokalyptische Gutmenschentum.
Doch die Zeiten wandeln sich. Anders als Luise Rinser formuliert Shiva ihre Ganzheitsseligkeit im Stil von US-Wahlkampfpredigten. Wie Georg W. Drachentöter prügelt sie uns mit Gemeinplätzen, die uns eine erhabene Aura aufzuzwingen sollen: "Der Kreislauf des Wassers verbindet uns alle, und vom Wasser können wir den Weg des Friedens und den Weg der Freiheit lernen"(S.22)
Wasser ist nicht nur keine Ware, sondern eine Religion. Ein eigenes kitschiges Kapitel ist den "Heiligen Gewässern" gewidmet, während der Anhang die 108 Namen des heiligen Flusses Ganges aufzählt, die wir schon immer alle kennen wollten. Shiva, die den Namen einer zentralen hinduistischen Gottheit trägt, macht keinen Hehl daraus, daß sie ihren Pantheismus und die Lehre vom Kreislauf allen Lebens nicht nur der Wasserwirtschaft, sondern allem sozialen Leben zugrunde legen möchte.
In den künftigen Kriege um das "blaue Gold" werden wir Guten (vermutlich gemeinsam mit Lotosblüten und heiligen Kühen) wieder einmal gegen das Böse kämpfen: "Auf der einen Seite sehen wir verschiedene Kulturen... mit ihrer universellen Ethik, auf der anderen Seite die Unternehmenskultur der Privatisierung und Habgier, die die Einhegung der Wasser-Allmende betreibt. Hier Millionen von Spezies und Milliarden von Menschen auf der Suche nach Wasser für den Erhalt ihres Lebens, dort eine Hand voll global operierender Konzerne..." (S.15)
Das böseste Stadium des Kapitalismus ist nicht der Imperialismus (wie Lenin glaubte) und auch nicht der einfache Faschismus (wie Dimitroff glaubte), sondern der doppelte: Der "ökonomische Faschismus", der unsere natürlichen Ressourcen zerstört, plus dem "fundamentalistischen Faschismus", der aus wirtschaftlicher Unsicherheit und Angst entsteht.
Da wir aber nicht mehr das Jahr 1985 schreiben, sondern 2002, wird dem Doppelhitler noch schnell eins mit der modischen Terror-Keule übergezogen: "Die Privatisierung der Wasserversorung... ist eine Form von Terrorismus... Die Terroristen sitzen nicht nur in den Höhlen Afghanistans. Einige verstecken sich in den Aufsichtsräten der Konzerne und hinter den Freihandelregeln der Welthandelsorganisation (WTO)..." (S.20).
Shiva geht hier in die gleiche Falle wie die Globalisierungskritiker insgesamt. Durch den
den inflationäre Gebrauch solch plumper Vergleiche bedient sie Ressentiments, anstatt dem Leser Argumente in die Hand zu geben, die ihm in der derzeit überall stattfindenden geistigen Auseinandersetzung mit Globalisierungs-Befürwortern eine Hilfe sein könnten.
Es geht nicht nur um einige mißglückte Formulierungen. Wer sich auf die Fundamentalkritik der Autorin an der westlichen Wirtschaftszivilisation nicht einlassen will, wird auch mit ihren Gegenvorschlägen wenig anfangen können. Natürlich, der Treibhauseffekt! Ja und ja. Aber hätten wir die globale Erwärmung die nicht industrielle Wasserverschmutzung längst abgestellt, wenn dies nicht unseren Lebensstandard gefährden würde? Welchen Wert haben solche Ratschläge für uns heute? Lesen Sie weiter... ›
|
|
|