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Steininger handelt sein Thema auf 109 Seiten sehr knapp ab. Für die Darstellung des Kalten Krieges benötigt er ganze 53 Seiten. Der Kalte Krieg wurde nach Steininger vom "Westen gewonnen" (S. 52). Damit stellt er sich in Gegensatz zu Bernd Stöver, der meines Erachtens hier wesentlich differenzierter argumentiert und sich der These von Richard Ned Lebow: "We all lost the Cold war" anschließt. Demnach - so Stöver - habe niemand den Kalten Krieg gewonnen, seine Beendigung sei primär durch die Ernennung Gorbatschows erreicht worden und vermutlich historischer Zufall. Die Bemühungen Gorbatschows werden bei Steininger bei weitem weniger gewürdigt. Seine Reformbemühungen seien "zu spät" gekommen. Außerdem habe der Kalte Krieg auch sein gutes gehabt: er habe eine "lange Friedensperiode" (S. 52) beschert, da das "Gleichgewicht des Schreckens" den Krieg verhindert habe. Die Welt sei seit Ende des Kalten Krieges unsicherer geworden, wenn man die neue Form des Terrorismus oder die nationalistischen Ausbrüche in den ehemaligen Sowjetrepubliken ansehe. Ausdrücklich wendet sich Steininger gegen die sogenannte "postrevisionistische Interpretation" des Kalten Krieges (Begriff von Stöver), der das Unvermögen der Gegenspieler, die gegenseitigen Absichten zu verstehen, was zu Fehlinterpretationen und Missverständnisssen und damit zu (vermeidbaren) Krisen geführt habe, für den Kalten Krieg verantwortlich gemacht habe. Steininger stellt ausdrücklich Stalin als Verursacher des Kalten Krieges dar: "Er (der kalte Krieg) war nicht wegen der viel zitierten gegenseitigen "Fehlperzeption" ausgebrochen. Mit Stalin war eine Kooperation nicht möglich" (S. 52). Seine These belegt er mit neuesten Quellen. Steiningers Vorzüge gegenüber Stöver sind, dass er neuere Fachliteratur, die übersichtlich gegliedert ist, anführt und in "Vertiefungen" einzelne Themen und Krisen sehr viel umfassender als Stöver untersucht. Hier werden die Themenkomplexe: Marshallplan, Koreakrieg, Berlinkrise und Mauerbau, Kubakrise, Vietnamkrieg und die Bedrohung durch Atombomben untersucht. Insbesondere zum Kapitel "Kubakrise" und "Atombomben" befindet sich der Autor auf der Höhe der Forschung. So ist etwa die Kuba-Krise nicht zu verstehen, wenn man die Angst der sowjetischen Führung vor einem Präventivschlag der USA nicht berücksichtigt. In der Tat gab es nach 1961 Präventivschlagüberlegungen des amerikanischen Militärs, um die amerikanische Überlegenheit auszunutzen (S. 108/109). Stöver argumentiert stärker als Politologe, Steininger als Zeithistoriker. Im Gegensatz zu Stöver liegt bei Steininger die Betonung stärker auf der Entstehung als auf dem Ende des Kalten Krieges, während Stöver alle Zeiträume in gleichem Maße in seine Untersuchung einbezieht. Stöver geht auch - im Gegensatz zu Steininger - auf kulturelle und gesellschaftliche Aspekte des Kalten Krieges ein. So findet sich bei Steininger ein Kapitel: "Der kalte Krieg und die Medien". Dort wird auch die Rolle der restlichen Welt, der Blockfreien, erörtert, während der Leser bei Steininger den Eindruck gewinnt, lediglich die Akteure der Supermächte und Gegenspieler USA und UdSSR seien für die vorliegende Untersuchung interessant. Mangel des Buches ist, dass die unter den Historikern und Politikwissenschaftlern umstrittene Frage, wer den Kalten Krieg gewonnen habe, nur kursorisch angeschnitten und nicht differenziert erörtert und diese Feststellung belegt wird. Hier ist Stövers Buch eindeutig besser.
Beides sind hochinteressante und lesenswerte Bücher, die allerdings die umfassende populärwissenschaftliche Darstellung: "Der Kalte Krieg" von Isaacs nicht ersetzen können und lediglich eine Einführung in den Themenkomplex darstellen. Wer sich kurz über Ursachen, Verlauf und Ende des Kalten Krieges informieren will, sollte - sofern er nicht beide Darstellungen lesen möchte - Stövers Buch vorziehen. Derjenige jedoch, der sich für einzelne Krisen und Aspekte (etwa Kuba-Krise, Vietnamkrieg) interessiert, ist mit Steiningers Darstellung besser beraten.
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