Wenn ein Buch die von seinem Autor intendierte Zielsetzung erreicht, ist dies schon mal ein guter Anfang. Laut Vorwort entstand "Der Kalte Krieg" auf Drängen von Gaddis' Studenten, die eine geraffte und übersichtlichere Darstellung des Themas haben wollten. Der Autor liefert daher eine prägnant zusammengefasste Tour de Force durch die Geschichte des Kalten Krieges und pflegt dabei einen sehr angenehmen, weil gut lesbaren und unterhaltsamen Schreibstil. Gaddis bietet dabei keinen gesamtheitlichen Ansatz, sondern versucht stets das "big picture" zu zeichen. Schwerpunkt seiner Betrachtungen liegen dabei naturgemäß auf den beiden Antagonisten, den Vereinigten Staaten und der Sowjetunion und einer in erster Linie politischen Geschichtsschreibung. Das Buch beginnt zeitlich nach dem zweiten Weltkrieg und endet mit dem Zusammenbruch der Sowjetunion Anfang der 90er.
Sehr schön werden vom Autor die Anfänge und Ursachen des Beginns des Kalten Krieges entwickelt. Überzeugend wird dargestellt, wie nach dem zweiten Weltkrieg zunächst der Antagonismus der "Supermächte" entstand und wie die restliche Staatenwelt sich in dieser neuen Weltordnung einrichtete, wie das Werben um Verbündete begann, welche Implikationen dies besaß und wie Strategien entwickelt wurden, aufeinander zu reagieren. Alle bekannten Schauplätze und Themen sind dabei vertreten: Berlinblockade, Koreakrieg, Kubakrise, Vietnam, Afghanistan, Afrika, Südamerika, Blockstaatenbildung, Strategie der Abschreckung, Entspannung, Überwindung der Entspannung, Ende der Sowjetunion.
Seine dabei mehr oder weniger offen zur Schau gestellte Parteilichkeit und Perspektive wurde schon in anderen Rezensionen aufgegriffen. Dies hat auch zur Folge, dass Gaddis bisweilen Ereignisse oder Persönlichkeiten in sein Deutungsschema regelrecht zu pressen versucht. Wenn er etwa Thatcher in die Reihe der "Politik-Schauspieler" einzuordnen versucht und ihr dabei attestiert, dass trotz antisozialer Politik die "Leute ihr zujubelten", verschweigt er gnädig (und vermutlich in vollem Bewusstsein) die durchaus kontroverse Bewertung Thatchers damals wie heute.
Auch führt Aufmachung und komprimierter Stil zu Reibungsverlusten bei der Darstellung. Wer etwa ohne Vorkenntnisse Gaddis Schilderung der Kubakrise liest, kann schnell den Überblick verlieren. Gleiches gilt bei der Einbeziehung der diversen Bündnisse und Verträge. Oft werden deren Abkürzungen verwendet, meist im Zusammenhang mit historischen Geschehen, bevor es eine Erklärung gab, wofür die jeweilige Abkürzung steht und wie das zu Grunde legende Bündnis zustande gekommen ist.
Aufgefangen wird dieses darstellerische Manko teilweise von Gaddis' ausgezeichnetem Schreibstil, der für sich genommen ein Antrieb zum Weiterlesen bildet.
Ingesamt ist dem Autoren ein gutes Handbuch über den Kalten Krieg gelungen, der trotz seiner amerikanisch-zentrierten Betrachtungsweise einen soliden Überblick verschafft und eine gute Ausgangsbasis bietet, sich über einzelne Themen eingehender zu informieren.