Für denjenigen, der sich wirklich umfassend in das Thema "Kalter Krieg" einlesen will, ist dieser Buch hervorragend geeignet. Stöver bietet wirklich einen umfassenden Überblick hinsichtlich der Entwicklungen zwischen 1947 und 1991, zumal er, neben der politischen Entwicklung, auch auf die anderen "Kriegsstrategien" bzw. "Kriegsfelder", wie z.B. den Kalten Krieg im Film und in der Literatur, intensiv eingeht. Und dennoch fehlt dem Buch meiner Meinung nach etwas, was sich noch deutlicher zeigt, wenn man es mit einem anderen Werk zu Thema (Gaddis: Der kalte Krieg) vergleicht. Zwar bleibt Stöver stets so neutral wie möglich, er legt Wert auf die Geschehnisse und weniger auf die handelnden Personen, aber es fehlt ihm doch, besonders am Ende, der Mut zum eigenen, vielleicht auch überraschenden oder provozierenden Urteil. Die Bewertung der Kalten Krieges fehlt im Grunde, und gerade hier zeigt sich die Stärke von Gaddis, der wenigstens mit einer interessanten These aufzuwarten weiß (nämlich der, dass der Kalte Krieg am Ende vielen Menschen das Leben gerettet hat). Nun will ich mich Gaddis gar nicht anschließen, ich will aber angeregt werden zum Nachdenken und dessen pointierte Wertungen und nicht selten personalisierten Anekdoten (in denen sich immer auch Geschichte abbildet!), die z.T. deutlich parteiisch sind, gefallen mir persönlich besser, weil auch in der Zuspitzung, in der Provokation ein Wert liegt - wenn man damit umgehen kann.
Fazit: Wer vor allem umfassend und möglichst neutral informiert werden will, der lese Stöver. Wer mehr Lesespaß haben möchte, wer auch mal überrascht oder geärgert werden möchte, wen die Personen mehr interessieren als die Vorgänge und wer sich wenigstens "in Gedanken" mit einem Autor streiten möchte, dem empfehle ich Gaddis.