Ein wirklich grosser Film. Vordergründig wird die Geschichte der chinesischen Reichsgründung vor über zweitausend Jahren erzählt. Dabei sehen wir dabei den visionären, vereinsamten und kaltblütig mordenden König von Qin, der alle anderen Köigreiche unterwerfen will, um sie schliesslich in Frieden unter einer Krone zu vereinen. Wir sehen die Sandkastenliebe und Konkubine des Königs, die er abgöttisch liebt, und die ihn im Verlauf der Geschichte töten lassen will, weil sie die Grausamkeit und das viele Blutvergiessen nichr mehr hinnhmen will. Sie flieht, um einen perfekten Attentäter zu suchen, den sie in Jing Ke findet, einem Auftragsmörder, der glaubt, sich versündigt zu haben und eigentlich mit dem Morden aufhören wollte. Im Finale misslingt aber das Attentat und somit ist klar, dass der Reichsgründung nichts mehr im Wege steht, da der attackierte König von Qin nun einen Vorwand hat, auch das letzte widerständige Königreich anzugreifen.
Es geht also auch um die Legitimation von Gewalt, um die Notwendigkeit von Grausamkeiten bei der Durchsetzung politischer und privater Ziele. Weil nun der König von Qin letztlich auf einem Berg von Leichen seinen Traum verwirklicht und das Reich vereint, hat man diesem Film vorgeworfen, dem Regime der Volksrepuplik China nach dem Mund zu reden und mit künsterischen Mitteln und mythischen Anklängen eine ideologische Rechfertigung der aktuellen Regierungspolitik anzustreben. Das ist totaler Quatsch. Der Film blendet nichts aus und zeigt alles mit schmerzlicher Klarheit: die Unmenschlichkeit des Krieges, die Deformierungen, die Macht bei Menschen verursacht, die Erstarrung, die Eitelkeit, die Einsamkeit. Aber es geht um viel mehr: um Schicksal, um die Brüchigkeit unserer Identität und unserer Lebensentwürfe, um Heimat, Liebe, Abkunft, Sünde. Das macht diesen Film so schillernd komplex und reichhaltig, dass man ständig den Atem anhalten muss.
Die grandiosen Bilder, die monumentale Bauten, die schwindelerregenden Schwenks über fussbalfeldgrosse Plätze, die unzähligen Statisten, die reichen Kostüme: all dies scheint eher Nebensache, der Regisseur Chen Kaige schwelgt niemals darin. Wichtiger ist ihm sein Thema, und es ist beeindruckend, mit welcher virtuosen Leichtigkeit es ihm gelingt, dieses vielschichtige Thema anhand von drei Einzelschicksalen (König, Konkubine, Attentäter) zu erzählen, und dabei stets so realistisch, glaubwürdig, atmosphärisch dicht und glühend intensiv zu sein.
Ein fantastischer, spektakulärer, eindringlicher Film mit einer philosophischen Tiefe, die man oft schwer aushalten kann.