Ich habe mir nun auch die Box des Fernsehepos "Der König von St. Pauli" gegönnt.
Die Geschichte geht rund um den Kiez-Club " Blaue Banane " und ihren Besitzer Rudi Kranzow (Hilmar Thate). Als Rudi beim Würfeln 70.000 Mark an seinen Rivalen "den Graf" (Hans Korte) verliert, droht Würfel-Rudi im Gegenzug die blaue Banane zu verlieren. Als er nicht zahlen kann, wird ein Anschlag auf ihn verübt, den auch seine rechte Hand, der Ex-Boxer "Sugar" (Heinz Hoenig), nicht verhindern kann. Daher wendet sich Sugar an den Sohn von Rudi, den Jura-Studenten Robert (Oliver Hasenfratz), um die blaue Banane zu retten. Unterstützt wird er dabei von Mizzi (Maja Maranow), einer Prostituierten, sowie der Putzfrau Charlotte (Eva Maria Bauer), Karin alias Karl-Heinz (Florian Maertens) und der Sensation der blauen Banane, der Tänzerin Lajana (Sonja Kirchberger). Aber war es wirklich der Graf, der den Anschlag verübte ? Was haben "der Flüsterer" und der Magier mit allem zu tun ? Und was treibt Anwalt Dr. Fischer (Henry Hübchen) für ein Spiel mit der Politik und Bankvorstand Schmidt-Weber (Peter Roggisch) ? Geht es um mehr als nur eine Rivalität zwischen zwei Kiezgrößen ? Wer hat Interesse an einem Krieg auf St. Pauli ?
Diesen groben Verlauf (man möchte ja nicht spoilern) und die Antwort auf all die Fragen werden in den rund 10,5 Stunden Film, verteilt auf 6 Teile (=6 DVDs) geliefert. Die 6 DVDs kommen in einer einer etwas dickeren DVD Box daher; klappt man die Box auf sind im Deckel und dem Rücken zwei DVDs versetzt übereinander angeordnet sowie in einer eingehängten Halterung. Alles wird fest in den Halterungen gehalten, allerdings finde ich bei den DVDs 3-6 schon fast zu fest, sodass man immer ein wenig Geschick braucht, um die DVDs hearauszubekommen ohne dass man denkt, dass diese zerbrechen. Während bei den DVDs 1 und 2 man nur in der Mitte der Halterung drücken muss, dass diese herausspringen, ist dies bei den DVDs 3-6 nicht so. Warum, weiß ich nicht. Alles in allem eine platzsparende, zweckmäßige Aufmachung. Dafür einen Stern Abzug.
Zur Serie selbst kann man nur sagen, dass hier die absolute Creme der deutschen Schauspielerei anno 1997 aufspielt und Dieter Wedel es versteht das Ensemble zielsicher durch die nicht immer durchsichtige Geschichte zu führen. Auch die Filmmusik (Titelsong von Bonnie Tyler & Score von Harold Faltermeyer) weiß zu gefallen, vor allem der Titelsong.
Die Serie selbst schwankt immer irgendwie zwischen Milieustudie, Soap, Krimi und Mafiafilm; es wird also Abwechslung geboten, wobei man dies auch als Unentschlossenheit oder "halbgar" titulieren könnte. Sicher nicht ist es eine Dokumentation oder eine realitätsnahe Darstellung einer Lebensgeschichte. Mir hat es aber gefallen.
Auch die Kulisse sieht gut aus und wirkt auch wie eine solche; wer aber selbst schonmal auf dem Kiez auf St. Pauli war, wird die Kulissenhaftigkeit des Originalschauplatzes mit den bunten Leuchtreklamen, eng gedrängten Häusern und Kopfsteinpflaster wiederfinden.
Ein Schwachpunkt der Serie ist, dass die Motivation einiger der zahlreichen Charaktere, stellenweise nicht ganz nachvollziehbar sind. Das beste Beispiel scheint mir die Schwester Lajanas Julia zu sein, welche plötzlich auch beginnt zu tanzen und sich auszuziehen. Aber wie gesagt,passierte mir das nur stellenweise. Denn im Großen und Ganzen gelingt die Charakterzeichnung in diesem Epos ausreichend für eine interessante und unterhaltende Geschichte, wobei nur den Hauptcharakteren eine wirklich tiefergehende Zeichnung vorbehalten bleibt (z.B. Würfel-Rudi, Robert, Sugar).
Manche Nebenstränge wie das Dreiecksverhältnis Graf-Max-Ehefrau von Max wird immer nur andeutungsweise gezeigt, nie tiefer verfolgt und findet auch keinen Abschluss. Hier verblieb für mich ein Fragezeichen am Ende, was dieser Nebenplot eigentlich sollte.
Filmkenner werden viele, auch direkte, Zitate aus anderen Filmen wiederfinden, was ja aus Wedelfilmen (z.B. Bellheim) bekannt sein dürfte; es sei aber jedem selbst überlassen herauszufinden, welche das sind :)
Noch ein paar Hardfacts:
Ton ist deutsch, DD 2.0 und Bildformat ist 4:3 Vollbild (1,66:1), sodass man u.U. schwarze Balken hat (hatte ich beim Zuspielen von PS3 auf 16:9 Fernseher).
Extrem schade ist, dass es GAR KEINE Extras gibt; Interviews, Audiokommentare, Dokus, Fernsehinterviews (gab es damals bei der Erstausstrahlung z.B. im Morgenfernsehen mit S. Kirchberger), selbst simple Trailer - völlige Fehlanzeige. Da hat Eurovideo bzw. Sat.1/Bavaria (je nachdem, wer das finale Wort hat) wahrlich kein Meisterstück der Aufmachung und Ausstattung abgeliefert. Schade und einen Stern Abzug, da solches Material existiert und das sogar bei Sat.1.
Alles in allem kann ich aber den Kauf empfehlen, denn dieser Film gehört sicherlich zu den besseren, die im und für das deutsche Fernsehen produziert wurden (vor allem fürs Privatfernsehen; wenn ich da an Produktionen anno 2010/2011 denke....). Das Ensemble ist ausgesucht, die Regie ist gut (auch wenn Herr Wedel sich gern vor der Kamera zu sehen scheint, wie seine Kurzauftritte belegen) und die Story erreicht ihr Ziel m.E. sehr gut: sie soll unterhalten.