Herta Müller schreibt hier kleine Gedanken/Reflexionen/Essays über ihr Leben, ihre Vergangenheit, ihre Familie, ihre Heimat und über die Diktatur. Der Inhalt ist wie die Sprache, die ihn hervorbringt: Gedankenvoll, tiefsinnig, eigenwillig, individuell und damit unglaublich ausdrucksstark. Gleichzeitig ist das Buch auf eine spannende Weise sehr persönlich und autobiografisch und im selben Moment distanziert und, ja, irgendwie künstlich. Sie lässt den Leser komplett in ihren Kopf schauen, man nimmt es ihr auch als authetisch ab und trotzdem bleibt es für mich irgendwie eine Inszenierung. Dies mag wohl vor allem daran liegen, dass alles was sie über ihr Leben schreibt, sehr gut überlegt, reflektiert und aufgearbeitet scheint. Dies macht dieses Buch so interessant und gleichzeitig auch zu etwas Unnahbarem, Unbiografischem, Fikivem. Vielleicht liegt es auch an dem Respekt, den Herta Müller für die Sprache hat, so sagt sie einmal auf Seite 86: "Wirklich Geschehenes läßt sich niemals eins zu eins mit Worten fangen. Um es zu beschreiben, muss es auf Worte zugeschnitten und gänzlich neu erfunden werden."
An solchen intelligenten Betrachtungen ist dieser Esssayband übervoll. Das ist in jedem Fall hochinteressant und lesenswert, hat bei mir aber dazu geführt, dass es eine Weile gedauert hat, bis ich das Buch durchgelesen hatte. Schließlich packt einen hier keine konkrete Handlung und auch der Inhalt ist einem an manchen Tagen zu "hoch". :)