Wenn Sie über diesen Erzherzog Wilhelm nie gehört haben, so dürfte das nicht sehr verwunderlich sein. Er ist in der Tat gerade ein kleiner Fisch im großen Teich der Europäischen Geschichte von Ersten bis zum Zweiten Weltkrieg. Abersein Leben eignet sich ganz besonders, um die Entwicklungen in Österreich und Europa, besonders mit in Osteuropa aufzuzeigen.
Timothy Snyder ist ein hochgeachteter Wissenschaftler dieser Zeit und dieses Teil von Europa. Dem Leser werden die Entwicklungen in Polen und der Ukraine und ihre Einbettung in gesamteuropäische Politik aufgezeigt. Sehr interessant und spannend. Synder versucht zu zeigen, wie Mitglieder der Habsburg Familie versuchten, sich mit der Entwicklung der Zeit zu anzupassen und eine neue Rolle in dieser geänderten Lage für sich selbst zu finden.
Erzherzog Wilhelm dient als pars pro toto. Es ist interessant zu sehen, wie er sich zu zu einem Ukrainer entwickelnd, während die anderen Teile seiner Familie sich in polnische Bürger verwandeln. Allerdings vergisst der Autor, dass dies die Habsburger seit Jahrhunderten getan haben, allerdings zu Zeiten, wo Nationalitäten und Nationalismus weniger wichtig waren. Der spanische, ungarische, toskanische oder modenische Zweig der Habsburger mag als Beispiel angeführt sein. Dabei muss auch gesehen werden, dass die Verwandlung in einem Ukrainer oder Polen stets mit der " Habsburg Arroganz " verbunden wird, Führer dieser Nationen zu werden. Hier werden demokratische Elemente total vergessen, und vielleicht dass die neuen Nation die Juniormitglieder der alten herrschenden Familie nicht wolle, da sie auch für die Unterdrückung dieser Nationen standen.
Auch Wilhelm hat diese Arroganz. Er ist keine wirklich große Persönlichkeit, eher verwöhnt und oft nur auf seinen persönlichen Vorteil aus. Er ändert seine Auffassung schnell, wenn ihm das nützlich erscheint. Die einzige durchgängige Eigenschaft ist, dass er wichtig sein will und der Führer des kürzlich entstandenen Staates. Als Habsburger sei dies sein geburtsrecht. Tja, leider falsch. Seine Haltung zu anderen Habsburgern, besonders zur Kaiserin Zita und zuErzherzog Otto, ist keine Erbauung.
Alles in allem ist es ein hoch interessantes, aber nicht einfaches Buch