Charlotte Thomas hat sich aus ihrem kreativen Korsett befreit, anders kann man es nicht sagen. Sie war mit so viel Freude bei der Sache, dass man den Eindruck bekommt, dies wäre das Buch, das sie schon immer schreiben wollte. Wenn man bedenkt, welch ein unglaublich seltenes Talent sie besitzt, den Leser auf intelligente Weise zum Lachen zu bringen, kommt unweigerlich der Eindruck auf, dass sie dieses bei den eher tragischen Stoffen, die sie bisher vorgelegt hat, verschwendet hat.
"Der König der Komödianten" ist der erste Roman seit langer Zeit, der mich nicht nur so gefesselt hat, dass ich ihn kaum noch aus der Hand legen konnte, sondern der mich auch so nachhaltig beeindruckt hat, dass es mir fast vermessen vorkommt, überhaupt eine Rezension zu schreiben. Er ist im besten Sinne innovativ, denn er greift nicht nur ein hochinteressantes Kapitel der Geschichte auf, über das man kaum etwas weiß, das historische Theaterspiel, sondern ist auch vom Stil her ganz und gar einzigartig und geht mutig neue Wege des Erählhandwerks. Thomas mischt gekonnt moderne Autorenkunst mit klassisch anmutender dramaturgischer Eleganz, besticht mit köstlichem Wortwitz, frecher Ironie und brilliant naiv anmutender Schlichtheit (der Ich-Erzähler ist noch ein halber Junge, der gerade zum Mann reift, was für eine ganz eigene Perspektive sorgt und niemals lästig fällt, da er äußerst gewitzt ist).
Die Charaktere sind göttlich und hinreißend amüsant, vor allem dadurch, dass kein einziger von ihnen lustig ist. Dabei bleibt die Geschichte stets völlig unvorhersehbar und leitet den Leser auf geschickte Weise immer wieder in die falsche Richtung. All dies sind Kunstgriffe, die nicht viele Autoren beherrschen, und mir blieb wahrhaft die Spucke weg vor Begeisterung, endlich wieder einmal einen Roman zu lesen, der das Papier wert ist, auf dem er steht. Bei seinem bestechenden Unterhaltungswert ist er dabei zudem voller unaufdringlicher Lebensweisheit und hält sich abseits jeglichen Kitsches und Pathos. Einziger Wehrmutstropfen: Das Ende, das trotz aller Überraschungen und Unklarheiten schon lange so ähnlich zu vermuten war, aber sich dennoch nicht ganz stimmig fügen will und ein wenig knapp geraten ist. Das fällt aber angesichts dessen, dass die rätselschwangere Spannung bis kurz vor Schluss aufrecht bleibt, noch ein paar saftige Knüller kommen und alles ein ebenso vergnügliches wie zu Herzen gehenden Ende nimmt, kaum ins Gewicht.
Keine Frage, "Der König der Komödianten" hat das Zeug zum Klassiker und ist eine herausragende Bereicherung für jede Bibliothek. Wer ihn nicht liest, hat wirklich etwas verpasst und ist selber schuld, wenn ihm eine Erweiterung des literarischen Horizonts entgeht.