Ich hatte damit gerechnet, eine Komödie zu bekommen, eine, die mit der Commedia a soggetto zu tun hat.
Ich hatte nicht damit gerechnet, eine Commedia a soggetto im Gewand eines modernen historischen Romans zu finden.
Anders als in der Commedia a soggetto sind hier jedoch alle Figuren vielschichtig. Dass das zu vermitteln gelingt, ist auch deshalb so erstaunlich, weil die gesamte Handlung und die Figuren ausschließlich durch die Augen eines sehr jungen Mannes mit geringer Lebenserfahrung geschildert werden. (Darin hat der Roman mich an den von mir geschätzten Simplicissimus erinnert.) Wie es gelingt darzustellen, dass seine Weltsicht zunächst etwas eindimensional ist, und uns trotzdem begreifen zu lassen, dass alles doch ein bisschen anders ist, als er es sieht, ohne dass im geringsten die Perspektive verlassen wird - das ist ganz große Klasse. Ich liebe solche strikt durchgehaltenen personalen Perspektiven, wo der Leser auch einmal in die Irre geführt wird, wenn der Perspektivträger irrt. Gerade das macht für mich in diesem Buch einen großen Teil des Komödiantischen und damit des Genusses aus.
Immer wieder hatte ich das Gefühl, mich in einer Shakespearekomödie zu befinden. Die Bezüge zu Shakespearestücken ziehen eine zusätzliche, hinreißende Ebene ein. Und es wird glaubhaft vermittelt, wie der gute Will zu seinen Ideen gekommen sein kann. Ich gehe davon aus, dass sich noch viele Anspielungen und Parallelen im Text verbergen, die mir entgangen sind.
Mehr noch als in den bisherigen Büchern von Charlotte Thomas fiel mir die Sprache auf. Wunderschön, geschliffen, der Geschichte angemessen - einfach ein Genuss. Immer wieder gibt es Sätze, die einen laut auflachen oder zumindest breit schmunzeln lassen. Schon lange hatte ich bei keinem Roman so sehr das Gefühl: Den würde ich gern verfilmt sehen.
Ein Buch, das die Lachmuskeln reizt und gleichzeitig das Herzchen glücklich und den Geist satt macht!