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Der Junge ohne Schatten: Roman [Taschenbuch]

Michael Roads , Christiane Sautter
4.2 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (44 Kundenrezensionen)
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Produktbeschreibungen

Pressestimmen

»Michael Roads ist ein moderner Barde, ein brillanter Erzähler von Geschichten der Seele, die den Menschen heute so berühren wie vor Tausenden Jahren.« (Australian Metaphysical Journal)

Klappentext

»Michael Roads ist ein moderner Barde, ein brillanter Erzähler von Geschichten der Seele, die den Menschen heute so berühren wie vor Tausenden Jahren.«
Australian Metaphysical Journal

Über den Autor und weitere Mitwirkende

Michael Roads, ein gebürtiger Engländer, lebt seit vielen Jahren im tiefsten Innern des australischen Kontinents, den er allerdings mehrere Monate im Jahr verlässt, um Vorträge und Seminare in Europa und Amerika zu halten. Er ist einer der großen Erzähler der spirituellen Szene.

Leseprobe. Abdruck erfolgt mit freundlicher Genehmigung der Rechteinhaber. Alle Rechte vorbehalten.

Eins

Ich humpelte den Strand entlang. Mein linkes Bein fühlte sich leicht taub an und spielte nicht richtig mit. Schmerz ist ein fieser Kumpan, und meine Laune war dementsprechend, als mein Blick über die Wellen schweifte, die sich sanft im Sand verloren.
Langsam arbeitete ich mich am sonnigen Strand der Sunshine Coast von Queensland vorwärts, während ich bei jedem Schritt tief in den nachgiebigen weißen Sand einsank. Einsam und verlassen, so war mir der Strand am liebsten. Kleine weiße Wellen eilten über das blaue Meer, jede ein Wunder an Vollkommenheit, die eilig ihrer Vorgängerin nachjagte.
Ich liebe die Natur seit langem, und dieser einsame, unverdorbene Strand zog mich immer wieder an. Ich presste die Lippen zusammen, denn der Schmerz durchbohrte mich und erinnerte mich daran, dass Spaziergänge in weichem Sand für mich wohl nicht mehr zu den geeigneten Entspannungstechniken zählten. Heute war einer meiner Trotztage - ein Tag, an dem ich sagte: »Zur Hölle mit allem!«, und dementsprechend handelte.
Ich legte mich in den Sand, um den klopfenden Schmerz zu lindern, und blickte aufs Meer. Ich seufzte tief und dachte an den Unfall, der mich mit diesem ungewollten Erbe belastete. Damals war mir das Ereignis unbedeutend erschienen, ein kleiner Zwischenfall, dem ich kaum Beachtung schenkte. Ich baute einen Schuppen und wollte gerade den Hauptbalken für das Dach einsetzen. Dieser Trägerbalken war schwer, sehr schwer, doch ich war stark und topfit - zu stark, dachte ich, als ich die letzten Jahre an mir vorüberziehen ließ. Ich hatte versucht, den riesigen Balken allein an die richtige Stelle zu schieben, und als es mir gelungen war, hörte ich ein leises Geräusch wie von einem sanften Händeschlag. Eine Bandscheibe in meiner gestreckten, verletzlichen unteren Wirbelsäule riss. Seitdem verfolgte mich der Schmerz auf Schritt und Tritt.
Die Sonne war sehr warm, und ich döste eine Weile vor mich hin. Vielleicht war eine halbe Stunde vergangen. Plötzlich fuhr ich ohne nachzudenken mit einem alarmierenden Gefühl hoch. Wie ein sanfter elektrischer Schlag durchströmte mich ein verrücktes Gefühl, und trotz der Hitze schauderte ich.
Ich war gern allein am Strand und verlor mich in Gedanken und Tagträumereien. Für mich war das Leben ein Geheimnis -ein großes unbegreifliches Unbekanntes, das wir Menschen offenbar mehr schlecht als recht bewältigen. Das Leben besiegt so viele Menschen von uns ... Meine Gedanken schlugen gerade einen vertrauten Pfad ein, als ich den toten Fischadler sah. Merkwürdigerweise durchfuhr mich erneut ein Schauder.
Ich wusste sofort, was es war. Ich kenne meine Vögel. Manchmal wird er Seeadler oder Fischhabicht genannt, doch der Fischadler gehört zu einer besonderen Rasse. Er lag wie ein schmutziger, lederfarbener Schal am Wassersaum, und seine Flügel wogten sanft auf den auslaufenden Wellen.
Ich lief die etwa zehn Meter zu ihm hin, kniete nieder und hob ihn auf. Im Tod sah er verloren und mitleiderregend aus. Wahrscheinlich war er seit mindestens vierundzwanzig Stunden tot; seine Pracht war dahin. Nie wieder würde er in stiller Meisterschaft schweben, ein gefallener Held des Himmels, die Lider fest geschlossen über den eingesunkenen Augen, das Brustbein ein scharfer, nasser Keil. Erstaunlicherweise hatten ihn die Krebse noch nicht angefressen, doch ich wusste, dass sie, wenn er zu stinken begänne, rasch angelockt würden.
Ich stand auf, den Fischadler in den Händen. Es waren nicht wirklich seltene Vögel. Ich hatte ihnen oft stundenlang zugesehen, wie sie ihre fliegerischen Kunststücke dazu einsetzten, sich Fische aus den Wellen zu schnappen. Fischadler waren Vögel, die ich bewunderte. Doch dieser hier hatte seine Schönheit verloren, denn er war tot, daran bestand kein Zweifel. Er war so kalt wie das Meer, tropfnass, schlaff und leblos. Ich überlegte, ob ich ihn im Sand begraben sollte, und lachte dann im Stillen über meine morbide, sentimentale Dummheit. »Kann ich ihn sehen?«
Die Stimme löste mehr als Erschrecken in mir aus. Ich sprang abrupt und heftig auf, stolperte und rüttelte meinen Rücken derart durch, dass ich vor Schmerzen fast der Länge nach hingefallen wäre. Mir lag eine wütende Antwort auf der Zunge, doch ich schluckte sie hinunter, atmete tief durch und versuchte, mich wieder zu fangen. »Äh ... ja, warum nicht?«, grollte ich missgelaunt.
Ein eher dicklicher Jugendlicher stand vor mir, blond, mit rundem, freundlichem Gesicht, und schaute mich aus großen, offenen Augen an. Er wirkte etwas erstaunt; sein pummeliger Körper steckte in schlampigen dunkelgrünen Shorts, und ein schreiend orangefarbenes T-Shirt hing ihm wie ein Sack bis fast zu den Knien.
Als sich unsere Blicke trafen und er nicht auswich, fühlte ich mich unbehaglich. Obwohl er körperlich überhaupt nicht anziehend wirkte, umgab diesen Jungen eine unerklärliche Präsenz, die ich noch nie zuvor bei einem Menschen und schon gar nicht bei einem Jungen erlebt hatte. Das brachte mich einigermaßen aus der Fassung. Jugendliche verhalten sich sonst eher zurückhaltend, weil ihnen die Selbstsicherheit der Erwachsenen fehlt. Doch dieser Junge war anders. Er sah aus wie ein Trottel, aber seine Augen hielten meinem Blick ohne die leiseste Zurückhaltung stand. Diese Augen schienen überhaupt nicht zum Körper zu passen, denn sie blickten klar, hart und durchdringend. Ich fühlte mich, als schaute er durch mich hindurch und in mich hinein.
Meine Arme zuckten, als ich ihm den Fischadler ungeschickt überreichen wollte, und er fiel zwischen uns in den Sand. Er wirkte schlaff und bewegungslos wie ein Lumpen. Keiner von uns machte Anstalten, ihn aufzuheben.
»Nur ein toter Fischadler«, sagte ich, um die Stille zu durchbrechen und mein Unbehagen über das plötzliche und unerwartete Erscheinen des Jungen abzumildern. Wieder durchströmte mich ein schwaches elektrisches Kribbeln und trug noch zu meiner Verwirrung bei.
»Äh . wie zum Teufel bist du hierher gekommen? Der Strand war leer, als ich den Vogel aufhob... und plötzlich warst du da!«
»Offensichtlich haben Sie mich übersehen«, antwortete der Junge beruhigend.
Thema beendet! Dieses Gefühl empfand ich bei seinen Worten, und obwohl ich instinktiv wusste, dass ich mich nicht geirrt hatte, fühlte ich mich seltsam machtlos, dagegen anzugehen oder gar mit ihm zu diskutieren.
Lässig bückte sich der Junge und hob den toten Fischadler auf. Er hielt ihn an der Brust, den Kopf nach vorn gerichtet, wie ein Modellflugzeug. Eine Weile blickte er ihn gedankenverloren an, während seine Augen sich, parallel zu seinen inneren, stillen Überlegungen, zu Schlitzen verengten. Zu meinem Ärger sprang er plötzlich auf, rannte den Strand entlang und hielt den Fischadler, dessen Flügel grotesk auf- und niederwippten, hoch über den Kopf.
Obwohl der Junge dick war, rannte er schnell und bewegte sich wie ein schlanker Sprinter über den weißen Sand. Ich war so schockiert über seine Gefühllosigkeit, dass er schon weit weg war, als ich endlich reagieren konnte.
»He! Du Idiot! Komm sofort zurück!«
Zornig lief ich hinter ihm her, und da ich fest entschlossen war, ihn zur Rede zu stellen, gelang mir ein schneller, hinkender Spurt. Der Fischadler mochte tot sein, doch er war immer noch ein Geschöpf der Natur, dem Respekt gebührte.
Statt vor mir wegzurennen, beschrieb der Junge rasch einen großen Kreis, kam direkt auf mich zu und - mein Begriff von Normalität fand ein jähes, schockierendes Ende.
Mit ungläubig geweiteten Augen beobachtete ich, wie der Junge den Arm zurücknahm und den Fischadler unglaublich hoch in die Luft schleuderte. Mit offenem Mund sah ich, wie der Vogel die Flügel ausbreitete und sich von einem Luftstrom immer höher tragen ließ. Dann stieß er einen Triumphschrei aus.
Meine Wirklichkeit brach in sich zusammen, und ich sank in die Knie, weil meine Beine ob dieser vollkommenen Unmöglichkeit ihren Dienst versagten. Kniend und völlig verblüfft...
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