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Der Jude von Malta.
 
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Der Jude von Malta. [Broschiert]

Christopher Marlowe , Erich Fried


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Produktbeschreibungen

Kurzbeschreibung

Ein berüchtigtes Meisterwerk in der kongenialen Übersetzung Erich Frieds; ergänzt durch Karl Marx' aufsehenerregenden Essay "Zur Judenfrage" und kommentiert von zwei renommierten Spezialisten. Marlowes Der Jude von Malta ist neben Shakespeares Der Kaufmann von Venedig das andere große englische Renaissancedrama über die unter die Christen gefallenen Juden. Das Drama ist aktueller denn je und wirkt in seiner ungebremsten Radikalität faszinierend und verstörend. Der zweite Teil des Buchs verbindet drei grundlegende Essays: Dreihundert Jahre nach Marlowe schrieb der deutsche Jude Karl Marx den Aufsatz Zur Judenfrage und wurde sofort als Antisemit verschrien. Der Literaturhistoriker Stephen Greenblatt untersucht in einer brillanten Studie die unterschwelligen Verwandtschaften in der Wirkungsgeschichte der beiden Texte. Das Nachwort mit einer Biographie Marlowes stammt von Friedmar Apel, einem profunden Kenner der elisabethanischen Literatur. -- Dieser Text bezieht sich auf eine vergriffene oder nicht verfügbare Ausgabe dieses Titels.

Über den Autor

Christopher Marlowe, 1564 in Canterbury geboren, studierte in Cambridge und war zeitweilig als Agent der Regierung in Frankreich tätig. 1587 kehrte er nach London zurück. Der bedeutendste englische Dramatiker vor Shakespeare wurde 1593 in einem Wirtshaus im Streit erstochen.Erich Fried, geb. 1921 in Wien, floh 1938 nach London, wo er bis zu seinem Tod 1988 lebte. Wegen seines Gedichtbands 'Und Vietnam und' (1966) noch heftig umstritten, wurde er spätestens mit den 'Liebesgedichten' (1979) zum meistgelesenen deutschsprachigen Lyriker seit Bertolt Brecht.1987 wurde er mit dem Georg-Büchner-Preis ausgezeichnet.

Vorwort

Die beiden großen elisabethanischen Dramen, in denen ein Jude die Hauptrolle spielt - Shakespeares The Merchant of Venice und Marlowes The Jew of Malta - haben in Deutschland nach 1945 eine naturgemäß verdüsterte Rezeption erfahren. Shakespeares Komödie wurde auf deutschen Bühnen zum Trauerspiel, in dem Shylock als tragisch scheiternder Außenseiter erschien. Das Stück läßt eine solche Rollenauffassung insofern zu, als Shakespeares Jude seine blutrünstigen Drohungen gegen die Christenheit nicht wahrmacht, bzw. von den Tricks seiner Gegner an deren Realisierung gehindert wird. So kann denn auch das Drama mit der Darstellung der heiteren Welt Belmonts endete, in die zumindest die Tochter des Juden einbezogen wird.

Mit Marlowes Juden aber tat man sich schwerer, denn der übt tatsächlich Rache an seinen christlichen und moslemischen Gegnern in der fiktiven Welt des Stücks. Während es Shylock weniger um das Geld zu gehen scheint als um sein Recht, wird Marlowes Barabas von nichts getrieben als von der Geldgier, worin ihm allerdings seine christlichen und moslemischen Gegner nicht nachstehen. Solch provokative Radikalität löst Beklemmung aus, und so rückte Marlowes Stück in Deutschland in den Hintergrund, obwohl es Shakespeares Drama in der Bühnenwirksamkeit gleichkommt, es an Sprachwitz, beißender Ironie und Gesellschaftskritik sogar um einiges übertrifft.

In beiden Stücken ist unübersehbar, daß die Christen auch nicht viel besser dargestellt werden als die Juden, was nicht verhindern konnte, daß beiden Dramatikern der Vorwurf des Antisemitismus gemacht wurde. Die Argumentation hingegen, daß die Judenfiguren nur Vorwand waren, um eine immer materialistischer werdende Gesellschaft zu verspotten, konnte sich nur selten durchsetzen. Andernfalls aber wurde der Vorwurf des Antisemitismus, was Marlowe betrifft, durch den des asozialen Nihilismus ersetzt.

Erich Fried, der exilierte Jude und nimmermüde Kritiker der Ellenbogengesellschaft, hat sich über die deutsche Beklommenheit Marlowes Drama gegenüber hinweggesetzt und dieses Meisterwerk der Provokation mit unübersehbarem Vergnügen an dessen funkelnder Schärfe übersetzt und gibt damit dem deutschen Leser die Gelegenheit, sich zu Marlowes Jugenddrama neu ins Verhältnis zu setzen.

Fast dreihundert Jahre nach Marlowe schrieb der deutsche Jude Karl Marx den Aufsatz Zur Judenfrage, dessen Wirkungsgeschichte der Marloweschen merkwürdig ähnelt. Hier wurden wechselweise Antisemitismus, jüdischer Selbsthaß oder verkleidete revolutionäre Gesellschaftskritik vermutet. Marx' Verteidiger wiederum wollten gerade diesen Aufsatz als Beweis für seine Unabhängigkeit von Vorurteilen sehen.

Stephen Greenblatts Lektüre des Juden von Malta schlägt die Brücke zwischen diesen beiden Texten und kann implizit auch als Kommentar zur Genese der neuzeitlichen Gesellschaft von den ersten Anfängen des Jahrhundert bis zur entwickelten bürgerlichen Gesellschaft des 19. Jahrhunderts gelesen werden.

Der Aufsatz des Herausgebers zeichnet ein Porträt des Dichters als Raufbold und agent provocateur im Kontext der elisabethanischen Gesellschaft und der Welt im Stück.

So ergibt sich schließlich ein ideengeschichtliches Spiegelkabinett. Der Leser ist eingeladen, in dem berühmt-berüchtigten elisabethanischen Meisterwerk seine Gegenwart und sich selbst zu entdecken.

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