Es geht um die Legende der dreißig Silbermünzen, die Judas für seinen Verrat an Jesus Christus in Jerusalem erhalten hatte. Da er den Verrat nur allzu bald bereute, warf er die Münzen in den jüdischen Tempel zurück und erhängte sich hernach an dem nach ihm benannten Baum. Scott McBain entwickelt daraus eine zunächst brillante Idee: was passierte eigentlich mit diesen Münzen? Aus welchen Beweggründen auch immer, der spätere Fels der katholischen Kirche, Petrus, beginnt, nach ihnen zu suchen, schafft es aber nicht, sie alle einzusammeln. Ab und zu erscheinen sie in dieser Welt, um das in ihnen gebündelte Böse freizusetzen, Leute zu korrumpieren und mit Allmacht auszustatten (eigentlich hätte Hitler die letzte Münze haben müssen). Jedenfalls kommt die drittletzte der Münzen plötzlich in den Besitz des US-amerikanischen Starpsychiaters Paul Stauffer, der einen eigentlich Schuldigen vor Gericht freispricht, und damit „böse" genug erscheint, um ihn weiter durch die Münze zu korrumpieren, denn das Wort „böse" gibt es laut Stauffer gar nicht, nur psychisch kranke Menschen.
Das Buch fängt etwas zäh an, und ab der Mitte gerät das Ganze zu einem okkultistischen Schinken, der nicht mal sonderlich spannend ist. Auf mehreren Astralebenen führt die mysteriöse Helen ihren Schützling Paul wie weiland Beatrice ihren Dante in der Göttlichen Komödie. Das Buch krankt daran, dass die Charaktere allesamt unsympathisch sind, wenigstens für mich. Ergo konnte ich auch nicht so richtig mitleiden.
Der Autor verbreitet die Philosophie, dass wir nicht für unsere guten bzw. bösen Taten verantwortlich sind, sondern eine gewisse Macht der Finsternis. Darüber mag man denken, was man will. Wäre das Buch eine Fantasy-Geschichte gewesen, hätte ich es für gut befunden, aber in dieser Art und Weise geschrieben, bleibt es für mich befremdlich und auf höchst amüsante Weise doch nur sehr katholisch. Die Sicht auf den angeblichen Magier-Papst Sylvester II stimmt mich sehr bedenklich, weil einseitig erzkatholisch. Schade, denn Sylvester war einer der gebildetsten Männer seiner Zeit.
Der Schreibstil ist eher bescheiden, was sicher nicht am Übersetzer lag. Kostprobe: "Sie merkte, dass die Frau am Ende ihrer Kräfte war, mental und geistig."
Die Schlusspointe ist zugegebenermaßen gelungen.