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Der Judas des Leonardo: Roman
 
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Der Judas des Leonardo: Roman [Taschenbuch]

Leo Perutz , Hans-Harald Müller
4.9 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (7 Kundenrezensionen)
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Produktinformation

  • Taschenbuch: 224 Seiten
  • Verlag: Deutscher Taschenbuch Verlag (1. März 2005)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 342313304X
  • ISBN-13: 978-3423133043
  • Größe und/oder Gewicht: 18,6 x 12 x 1,4 cm
  • Durchschnittliche Kundenbewertung: 4.9 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (7 Kundenrezensionen)
  • Amazon Bestseller-Rang: Nr. 21.134 in Bücher (Siehe Top 100 in Bücher)

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Leo Perutz
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Produktbeschreibungen

Pressestimmen

»Wer Perutz ausgelassen hat, hat viel versäumt und sollte es jetzt schleunigst nachholen.«
Die Zeit

»Ein spannender historischer Roman, der die Themen Liebe, Geld und Verrat wie auch Kunst und Künstlertum formvollendet miteinander verknüpft.«
Wochen-Kurier

Kurzbeschreibung

Ein spannender historischer Roman, der die Themen Liebe, Geld und Verrat wie auch Kunst und Künstlertum formvollendet miteinander verknüpft.

Mailand an der Wende vom 15. zum 16. Jahrhundert. Leonardo da Vinci möchte im Refektorium des Klosters Santa Maria delle Grazie endlich sein Gemälde ›Das Abendmahl‹ vollenden – doch ihm fehlt das Modell für den Kopf des Judas. Und er macht sich auf die Suche nach dem »allerschlechtesten Menschen in ganz Mailand«.

Der berühmte Maler findet ihn schließlich in dem böhmischen Kaufmann Joachim Behaim, der – wie Judas – fähig ist, aus Stolz einen Verrat zu begehen. Die Geschichte des Kaufmanns steht im Mittelpunkt dieses spannenden historischen Romans, der Liebe und Geld ebenso zum Thema hat wie Kunst und Künstlertum.


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Kundenrezensionen

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Die hilfreichsten Kundenrezensionen
5 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Von Minnhera
Format:Taschenbuch
Bei aller Sakrileg-Hysterie müßte dieses Buch eigentlich auch wieder im Kommen sein: Es erklärt die Hintergründe von Leonardo Da Vincis "Letztem Abendmahl" und der Maler selbst hat einen Gastauftritt. Allerdings geht es hier weniger um kirchliche Verschwörungen, als vielmehr um das Erkennen einer bestimmten Seelenqualität bei Da Vincis Mitmenschen. Platt ausgedrückt sucht der Meister für sein Abendmahl noch ein Modell, das dem Judas sein Gesicht leihen soll. Er findet es schließlich in einem Kaufmann - und weshalb ausgerechnet der wie Judas sein soll, davon handelt die Geschichte.

Interessant ist hier Da Vincis Aussage, daß er die Modelle für seine Bilder nur der Natur entnimmt und dabei nicht so sehr auf das Äußere achtet, sondern Menschen zu finden versucht, die den Aposteln und Christus CHARAKTERLICH möglichst ähnlich sind. Wobei man sich dann schon fragt, nach wem Da Vinci seinen Christus gemalt hat, denn nicht nur für die Darstellung des Judas, auch für die des Christus braucht es ja einen Menschen mit ganz speziellen Eigenschaften.

Die Geschichte befaßt sich allerdings nur mit dem "Judas", der einen schweren Verrat begeht und am Ende vor aller Welt als geächtet dasteht (was man ihm dann auch irgendwie gönnt). Phantastische Elemente, wie man sie sonst von Perutz kennt, fehlen hier etwas, es sei denn man bezieht Da Vincis Können und die Amnesie eines des Charaktere als übernatürliche Fügungen ein. Trotzdem übersteigt das Buch das, was man gewöhnlich mit "Historischem Roman" verbindet, bei weitem und ist vollständig in sich geschlossen. Ein Genuss zu lesen!
War diese Rezension für Sie hilfreich?
9 von 10 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Von weiser111
Format:Taschenbuch
Leo Perutz, der Herrscher über mannigfach verflochtene Handlungsstränge, der Meister des literarischen Vexierbildes, hat wieder mal zugeschlagen. Sein historischer Roman "Der Judas des Leonardo" spielt im Mailand des 16. Jahrhunderts, und wie der Titel andeutet, geht es zunächst einmal um Leonardo da Vincis "Abendmahl", genauer: um die Figur des Judas. Messer Leonardo, der seine Werke akribisch vorbereitet und nichts dem Zufall überlässt, sucht nach einem Vorbild für das Gesicht, das er dem Judas geben will. Denn dessen Verderben, so Leonardo, bestehe eben nicht in maßloser Bosheit oder Geldgier, wie man gemeinhin annehme, sondern darin, dass die Sünde des Judas der "Stolz [war], der ihn Verrat an seiner eigenen Liebe begehen ließ". Als genauer Beobachter braucht Leonardo einen Menschen, der eben diese Überlegung verkörpert.

Zur selben Zeit kommt der böhmische Händler Joachim Behaim in Geschäften nach Mailand, aber bevor er die Stadt wieder verlässt, verliebt er sich in eine zunächst namenlose Schöne, die wiederzufinden zu seinem vornehmlichen Ziel wird. Als nüchterner Kaufmann braucht er natürlich einen "vernünftigen" Vorwand für seinen längeren Aufenthalt in Mailand, und er findet diesen Vorwand auch: Der stadtbekannte Wucherer Bernardo Boccetta schuldet seinem Vater seit langem 17 Dukaten, und diese Schuld will er nun eintreiben. Letzteres erweist sich als schwierig; Behaim ist nicht der erste, den Boccetta übervorteilt. Je länger diese Angelegenheit sich hinzieht, desto besessener wird Behaim davon, zu seinem Recht zu kommen.

Auf der Suche nach dem unbekannten Mädchen macht Behaim Bekanntschaft mit der Mailänder Künstlerszene, lernt Maler (darunter auch Leonardo), Dichter, Holzschnitzer und gelehrte Mönche kennen. Als hilfreich entpuppt sich der geheimnisvolle Mancino, ein dichtender Vagant mit Zügen von François Villon -- Mancino weiß mehr, als er Behaim gegenüber zugibt, und obwohl er in das selbe Mädchen verliebt ist, lässt er sich am Ende darauf ein, ein Treffen zwischen Behaim und der schönen Niccola zu arrangieren. Es beginnt eine Liebesgeschichte, alles scheint gut enden zu wollen -- da erfährt Behaim, wer Niccolas Vater ist, und halb wahnsinnig vor Wut inszeniert er eine niederträchtige Intrige mit absehbarem (oder doch nur absehbar scheinendem?) Ausgang.

Leonardo wiederum findet seinen Judas -- d.h., nicht er findet ihn, das konnte er garnicht, sondern ein anderer gibt ihm den Hinweis. Und damit schlägt Behaims Intrige einen Weg ein, den er nicht absehen konnte.

Diese und einige weitere Handlungsstränge sind meisterhaft ineinander verflochten; tatsächlich bereitet Perutz bereits im ersten Kapitel die ganze Geschichte vor, führt nahezu alle Protagonisten und Motive ein. Der geübte Leser erkennt natürlich, dass es da noch Zusammenhänge geben wird, aber welche, und wie sie entstehen werden, enthüllt sich erst nach und nach.

Die akribisch genau konstruierte Romanhandlung siedelt Perutz im Renaissance-Mailand der kleinen Handwerker und genialen Künstler an, und in den Begegnungen mit fiktiven Figuren werden die Charaktere der historischen erkennbar (aber Vorsicht! Das hier ist ein Roman, keine wissenschaftliche Studie!). Oft tupft Perutz das Lokalkolorit mit wenigen, treffsicheren Strichen hin und entwickelt auf wenigen Seiten ein farbenprächtiges, anschauliches Bild der Epoche.

Aber "Der Judas des Leonardo" ist weit mehr als "nur" ein vorzüglicher historischer Roman -- die inner- und außerliterarischen Anspielungen bilden nämlich ein eigenes Geflecht, das seinerseits eine eigene Handlungsebene entwickelt: Der nachmalige Gerechtigkeitsfanatiker Behaim z.B. wird nicht zufällig am fürstlichen Hof als "Roßkamm" eingeführt; Perutz weist so auf dessen Bruder im Geiste hin, Kleists Michael Kohlhaas. Man ahnt also gleich, dass es mit diesem Behaim noch etwas auf sich haben wird, und das Kohlhaas-Motiv erweist sich bei der Lektüre gleichzeitig als Roter Faden und als Irrlicht. Ähnlich, nur umgekehrt, verfährt Perutz mit seiner "Schlußbemerkung des Verfassers" (nicht: des Autors!). Hier tritt wiederum zutage, dass sich hinter der Figur des Mancino womöglich François Villon verbergen könnte, was seinerseits die Interpretation der ein oder anderen Begebenheit nachträglich in Frage stellt: Hat der sterbende Mancino, der als wahrer Liebender auch den Verrat an der Liebe erkennen konnte, Leonardo auf einen Holzweg geführt, als er ihm das Vorbild für den Judas nannte? Leonardo nämlich, ein kühler Denker und alles andere als ein Liebender, kann sich hier nur auf andere verlassen, nicht auf sein eigenes Urteil.

Im Gegensatz zu gewissen zeitgenössischen Bestseller-Autoren benutzte Perutz das Judas-Motiv nicht, um auf spektakuläre Weise die Leser zu ködern. Im Gegenteil: Leonardos Suche nach einem Vorbild für "seinen" Judas ist der Clou des Romans, der all den Handlungssträngen erst die Tiefe verleiht. Und am Ende des Romans, knapp zehn Jahre nach den im Roman erzählten Ereignissen, verblasst selbst deren Bedeutung neben der des nun fertiggestellten Abendmahl-Bildes. Das Bild selbst hat das Wort, wenn man so will, und die Beweggründe, warum es so und nicht anders gemalt wurde, verlieren ihre Bedeutung -- und Leo Perutz erweist sich ein weiteres Mal als Meister des literarischen Vexierbilds...
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1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Ein Fall für Da Vinci 30. Mai 2011
Von Timo Brandt TOP 500 REZENSENT
Format:Taschenbuch|Von Amazon bestätigter Kauf
Leo Perutz letzter abgeschlossener Roman ist eine wunderbare Geschichte, die auf Historie, Kunst und menschlichem Seelenleben wie ein Dreibein steht; unscheinbar, doch unverrückbar.

Leonardo Da Vinci hat ein Problem: für sein Abendmalgemälde fehlt ihm noch das Gesicht des Judas. Alle anderen Jünger hat er bereits in Gesichtern auf der Straße gefunden; der Ausdruck der Gesichter muss exakt ihrem Wesen entsprechen. Doch was war eigentlich genau das Wesen des Judas, was machte seinen Verrat so einzigartig und bedeutsam (mal abgesehen davon, wen er verriet)? Und wo findet man ein Gesicht, das diesen Wesenszug besitzt?

Zur gleichen Zeit trifft ein Deutscher in Mailand ein, der zwei Pferde verkaufen will. Eigentlich ist er ein gewöhnlicher Mensch, ein Händler, der sich hier und da verdingt. Doch seine Erlebnisse in der Stadt, die den Weg (des vermeintlichen) Francois Villon kreuzen werden und Liebe und Geld nachjagen, werden ihn zu dem Judas führen, den Da Vinci so dringend für sein Gemälde braucht; die Fäden verdichten sich und eine einfache, unterhaltsame Geschichte nimmt ihren Lauf...

Kaum einer kann wie Perutz auf geringem Raum, mit kleinem Reportoire und wenigen Charakteren eine solch bunte und Facettenreiche Bildhaftigkeit und Tiefe erzeugen - er ist ein kleiner Meister des Romans.
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