Wenn der griechische Buchstabe "Sigma" ein Cover eines James Rollins-Romans ziert, darf man davon ausgehen, dass das Team der Sigma-Force wieder einen nicht alltäglichen Fall zu lösen hat oder - besser gesagt - einmal mehr zur Rettung der uns bekannten Welt eingesetzt wird. Nach "Sandsturm", "Feuermönche" und dem "Genesis-Plan" erscheint nun also "Der Judas-Code", der nicht nur die Tradition der Sigma-Force-Romane fortsetzt, sondern die bisherigen Werke - um es einmal vorwegzunehmen - schlichtweg ins Abseits stellt.
Ein Virus, der bereits die Mannschaft Marco Polos fast komplett dahingerafft hat und dem die Menschheit nahezu ungeschützt ausgeliefert ist, wird von einer skrupellosen Organisation dazu verwendet, den ultimativen biologischen Kampfstoff zu entwickeln - Kenner der Sigma-Force-Reihe werden die "Gilde" direkt wiedererkennen. Wie gewohnt stellt sich dieser Organisation nur die Sigma-Force mit den Hauptprotagonisten Painter Crowe, Grayson Pierce und dem sympathischen Team rund um Pierce entgegen - anfangs rein zufällig, später dann auch bedingt durch persönliche Belange und dem Wissen, das die Welt einer nahezu unabwendbaren Katastrophe gegenübersteht, die das Ende der uns bekannten Zivilisation einläuten kann.
Was nach einem stereotypen Mix aus amerikanischer Geheimdienstromantik, Indiana Jones und an den Haaren herbeigezogener Hobbygenetik wirkt, entpuppt sich relativ schnell als der beste Sigma-Force-Roman aus der Feder von James Rollins - zwar wirken die staatlichen Stellen in Washington D. C. in der Tat wie eine Geheimabteilung eines bekannten US-Geheimdienstes, der Autor "entschlackt" diese Annahme aber durch den Task Force-Charakter der Mannen (und Frauen) rund um Gray Pierce, der diesem bürokratisch erscheinenden Apparat die nötige Lebendigkeit vermittelt. Der "Indiana Jones"-Faktor in Rollins Romanen mag übrigens den einen allmählich langweilen, für mich gehört er untrennbar zu Sigma-Force und damit zu James Rollins - zumal die Recherchearbeit erneut brillant ist und nichts an den Haaren herbeigezogen scheint.
Ohne zu viel vorwegzunehmen hat James Rollins sich einmal mehr übertroffen - der Leser taucht von der ersten Seite des Werkes direkt in eine Spannung ein, die ihn von der ersten bis zur (leider) letzten Seite gefangen hält. Der rasende Fortschritt, auch zwischen den Schauplätzen wie Venedig, den Weihnachtsinseln, Washington D. C., Istanbul oder Kambodscha, hält den Leser gebannt im Erzählrahmen gefangen und lässt ob der Geschwindigkeit und Brisanz kaum Zeit zum Luft holen. Lässt man dann auch noch den (unvermeidlich) militärischen Aspekt einmal aussen vor, begibt sich James Rollins diesmal auf eine Reise, die gar zu den Wurzeln der Menschheit und der Entschlüsselung unseres genetischen Codes geht - und das wie gewohnt mit einer brillanten Recherchearbeit und auch so erzählt, das auch der nicht in Biologie promovierte Standardleser allen Erklärungen zügig folgen kann.
Lange Rede, kurzer Sinn - James Rollins zieht hier alle Register seines literarischen Könnens, die Handlung ist ein einziger roter Faden, die Recherchearbeit ist gewohnt nahezu unvergleichlich - und einmal mehr ist der Leser mit dem gewohnten Team unterwegs und das bei allen Höhen und (unvermeidlichen) Tiefen. "
Der Judas-Code" ist mit Abstand der beste Roman aus der Sigma-Force Reihe und leider viel zu schnell zu Ende. Bleibt nur zu hoffen, dass das nächste Abenteuer - in den USA unter dem Namen "The Last Oracle" bereits erschienen - des Sigma-Force-Teams in Deutschland nicht mehr allzu lange auf sich warten lässt! Pflichtkauf!