untertitelt die Autorin ihre Novelle, also ein Unterhaltungsstück. Und genau das ist es, eine unterhaltende, leichtfüßig erzählte Dreiecksgeschichte unter Artisten, einem Zauberkünstler, einem Jongleur und einer Tänzerin, angesiedelt in Amsterdam der 50er Jahre.
In Mevrouw Minnas kleiner Pension treffen schon seit vielen Jahren diverse Varietékünstler willkürlich aufeinander, je nachdem für wie lange und wo sie gerade ein Engagement in der Stadt haben. Die meisten unter ihnen kennen sich, sie sind wie eine Großfamilie, die sich ab und zu für ein Familienfest zusammen findet. Zu den langjährigen Stammgästen gehört auch der Zauberer Charles Pluut. Als er auf einen neuen Gast, den Jongleur Pieter Newton trifft, ist augenblicklich eine angespannte Atmosphäre zwischen ihnen spürbar. Charles hegt aus unerfindlichen Gründen große Sympathie für Pieter, während dieser sich gegenüber dem Zauberer, genauso ohne Grund, schroff und abweisend verhält. Dies wurmt Pluut maßlos, nutzt aber alles nichts, die konträre Beziehung spitzt sich zu. Richtig raffiniert und pikant entwickelt sich die Geschichte mit der polnischen Tänzerin Daisy, die ebenfalls neu in der Pension ist. Pieter hat sich offensichtlich in sie verguckt, doch Daisy wiederum ist von Charles Pluut sehr angetan. Der listige, intrigante Zauberer benutzt nun das Mädchen, um seiner konfusen Gefühle zu dem Keulenwerfer Herr zu werden. Zuerst verführt er die naive Daisy, um Pieter eins auszuwischen, anschließend möchte er sie sogar als Sühneopfer an diesen 'verschenken'. Als Pieter ablehnt, ersinnt Charles einen neuen Schachzug, um dessen Freundschaft zu erlangen.
In einer ruhigen, grazilen und anmutigen Sprache versteht es Margriet de Moor den Leser regelrecht zu verzaubern. Zwischen den drei Hauptprotagonisten entspinnt sich eine verhaltene, subtile Erotik, die mich in Bann geschlagen hat, durchbrochen von faszinierenden Darbietungen im Varieté und unterhaltsamen Zwischenspielen mit den anderen Pensionsgästen. Genauso verfolgte ich mit großem Vergnügen, wie Charles als Mittelpunkt des Dreiergespanns, mit unsichtbaren Fäden die ahnungslosen Gegenspieler zu lenken versucht. Aber lassen sich die Gefühle eines Menschen einfach manipulieren? Ist es nicht so, dass zwischenmenschliche Sympathie und Antipathie, Anziehung und Abstoßung gleichermaßen unerklärlich wie unabänderlich sind? Die Antwort bekommen Sie in diesem schönen Divertimento. Das Einzige, was ich an "Der Jongleur" auszusetzen habe, ich hätte gerne mehr davon gehabt als knapp 160 Seiten.