Der individuelle Weg zur Berufsfindung, den Uta Glaubitz in ihrem Buch beschreibt, unterscheidet sich wohl grundlegend von dem, den die meisten Arbeitsuchenden gehen. Anstelle der üblichen, möglichst weit gefächerten und angebotsorientierten Suche nach offenen Stellen, um die man dann mit zahllosen vergleichbar qualifizierten BewerberInnen kämpfen muss, propagiert sie einen möglichst hohen Grad an Spezialisierung als Königsweg zu Erfolg und Erfüllung im Beruf. Daran ist sicher vieles wahr, denn wie sie zu Recht mehrfach betont, suchen Arbeitgeber und Kunden echte Problemlöser - und keine Allround-Dilettanten. Dieser Weg setzt allerdings voraus, dass man 1. tatsächlich etwas kann, durch das man sich deutlich von anderen abhebt, 2. sich dieser Fähigkeiten genau bewusst ist und 3. seine individuellen Stärken anderen überzeugend vermitteln kann.
Um dies zu erreichen, schlägt die Autorin vor, zuerst in einem Selbstverortungsprozess herauszufinden, was man will und was man kann, um sich danach auf die Suche nach genau den Positionen zu begeben, die den eigenen Fähigkeiten und Neigungen entsprechen. Die dazu notwendigen Arbeitsschritte reichen von Selbstreflexion über Brainstorming und Recherche bis hin zur gezielten Kontaktaufnahme mit potenziellen Arbeitgebern bzw. Kunden. Die Autorin erläutert, wie man dabei möglichst geschickt vorgeht, und untermauert ihre Thesen durch Beispiele aus ihren Workshops und durch Stellungnahmen von Praktikern aus dem Personalwesen. Das alles gelingt ihr in einem sehr lockeren Schreibstil, der das Lesen nie zur Anstrengung macht, sondern tatsächlich zur Mitarbeit animiert.
Eine zu große Spezialisierung oder die Festlegung auf eine bestimmte berufliche Position bergen jedoch auch gewisse Risiken, die man nicht außer Acht lassen sollte. Stellen Sie sich z.B. vor, Sie hätten den Wunsch, die Begabung und die Möglichkeit, neue und besonders attraktive Rechenschieber herzustellen. Damit könnten Sie vermutlich in kürzester Zeit zum Marktführer in diesem Segment aufsteigen, doch dürfte Ihre Marktführerschaft kaum zum blanken Überleben reichen. Also ist es offenbar auch wichtig, sich der Übertragbarkeit seiner Kompetenzen vom einem auf andere Berufsfelder bewusst zu sein, also jener Metakompetenzen, die einem helfen, sich den permanent verändernden Bedingungen der Arbeitswelt rasch anpassen zu können. Dieser Aspekt wird zwar bei der Selbstverortung angesprochen, kommt im Buch jedoch insgesamt etwas zu kurz. Vielleicht liegt das ja daran, dass er der postulierten Spezialisierung entgegenzustehen scheint (was jedoch nicht der Fall ist). Und noch eine Anmerkung: zumindest im Deutschen klingt ‚Job' eher nach Hilfsarbeit als nach jenen qualifizierten Tätigkeiten, zu denen die Autorin ihre LeserInnen führen will. ‚Beruf' oder ‚Karriere' wären hier sicher bessere Begriffe gewesen.
Doch diese Anmerkungen sollen den grundsätzlichen Wert des Buches nicht schmälern. Für Menschen in der Berufsfindungsphase ist es vielmehr auf jeden Fall lohnend, sich mit den Ideen und Strategien der Autorin auseinanderzusetzen.