Sie ist, keine Frage, eine großartige Schauspielerin. Aber ist sie wirklich, wie sie versichert,als Fußpilgerin von den Pyrenäen bis nach Santiago de Compostela gewandert und hat sie hierbei nur in einfachen Pilgerherbergen übernachtet? Eine boshafte Frage, zugegeben. Aber: Ist die Pilgerherberge im Kloster Roncesvalles eine "Baracke"? (Nein, ein historischer Steinbau).Kann man dort als Fußpilger zweimal übernachten? (Nein, es sei denn, man wäre schwer erkrankt). Kann man dort "um die Mittagszeit" eine Pilgermesse besuchen? (Nein, nur am Abend, um die Mittagszeit sind die Pilger schon längst über alle Berge). Ist sie wirklich die 160 km durch die glühendheiße Meseta gepilgert? (Ihr Pilgerpaß weist für diese lange Strecke nur einen einzigen Stempel auf und zwar aus dem "Hostal de Palmeros y de Santiago" in Fromista, eine "komfortable Unterkunft", wie ein vielbenutzer Pilgerführer schreibt.) Haben ihr in Leon im "Hostal de San Marco" Mönche eine "einfache Mahlzeit -Brot und Käse und Wein" gereicht? (Kaum, denn dieses historische Hostal ist seit vielen Jahren schon ein Luxushotel). Hat sie wirklich im Kantabrischen Gebirge auf dem Cebreiro-Gipfel im Freien übernachtet? (Kaum, denn ihr Pilgerpaß weist dummerweise eine dortige Übernachtung in einer Posada -also einem Gasthaus- in Piedrafita aus).Ist sie z.B. bis Fromista wirklich pro Tag "ungefähr 22 Meilen", also etwa 35 km gelaufen? (Kaum, denn wenn man an Hand ihres Pilgerpasses nachrechnet, kommt sie bis Fromista nur auf eine Tagesleistung von durchschnittlich 21,5 km).Hat sie an der Kathedrale von Compostela wirklich ein Priester -er wußte nicht, wer ich war", wie sie schreibt,- begrüßt, ihr einen Stempel in den Pilgerpaß gedrückt und ihr dann "zur Feier der vollendeten Pilgerschaft" die Füße gewaschen? (Das ist natürlich schon eine schöne Geschichte, aber leider ist sie ja nun doch nicht der Papst; und ihr Pilgerpaß weist auch gar keinen Eintrag aus Compostela auf, sonst eigentlich für jeden Fußpilger ein Kleinod). Und kann man in der riesigen Kathedrale von Compostela wirklich "aus dem Fenster" sehen, ob da draußen die gierigen Journalisten auf sie warten? (Na ja, bei Riesengiraffen mag das ja vielleicht gehen, wenn sie ein bißchen hochhüpfen) Es gäbe da noch so viele Fragen an die Autorin. Aber ihre Esoterik entschädigt dann doch: Das ist ja nun wirklich toll, daß sie in ihrem früheren Leben einen Maurenherrscher von seiner Impotenz befreit hat, da hat der Harem sicher gejubelt. Und auch Karl der Große, der alte Schürzenjäger zu Aachen, wird sehr befriedigt gewesen sein, daß sie sich ihm hingab. Für solche Einfälle sollte man dem Buch schon einen Punkt geben.