Immer wieder erstaunlich, was für brilliante Filme nicht über Festivals hinauskommen. Dieser Beitrag, der während der Berlinale 2005 im Kinder- und Jugendprogramm lief ist wieder mal ein klassisches Beispiel dafür.
Der Film ist nur in der russischen Originalversion mit Untertiteln erhältlich!
Erzählt wird die auf wahren Begebenheiten basierende Geschichte des sechsjährigen Vanya, der in einem heruntergekommenen Waisenhaus in Russland lebt. Eines Tages will ihn ein italienisches Ehepaar adoptieren, um ihm ein vermeintlich besseres Leben zu garantieren. Seine Mitbewohner beneiden ihn und nennen ihn schon den "Italiener".
Doch genau zu dieser Zeit taucht die leibliche Mutter von Vanyas Freund auf, der kurz vor ihm adoptiert wurde, und will ihren Sohn zurückhaben. Als sie feststellen muss, dass es für sie keine Chance mehr gibt, nimmt sie sich das Leben.
Vanya hat von nun an nur noch den Gedanken, auch seine wirkliche Mutter zu finden. Er versucht, etwas über seine Vergangenheit herauszufinden und es gelingt ihm sogar, den Namen und die Adresse des Waisenhauses zu erfahren, in dem seine Mutter ihn als Baby abgab.
Mit der Hilfe eines der älteren Mädchen, reißt er aus dem Heim aus und begibt sich auf die Suche, verfolgt von der Polizei und der geldgierigen Waisenhausleitung, die sich den satten Gewinn durch diese illegale Adoption nicht entgehen lassen will...
In kühlen, realistischen Bildern schildert Regisseuer Andrei Kravchuk den Alltag in einem russischen Waisenhaus, zeigt die Hackordnung, in der die älteren Insassen die jüngeren drangsalieren und ausbeuten, aber auch in für sie wichtigen Dingen unterstützen.
Dabei dämonisiert er nicht einmal die Heimleitung, die zwar von den illegalen Adoptionen profitiert, im Grunde aber genau so hilflos vor der gegebenen Situation steht, wie die Kinder selbst.
Gerade das Fehlen von übertrieben emotionalen Szenen oder Pathos macht diesen Film dabei aber so eindringlich, dass einem an mehreren Stellen einfach plötzlich ein dicker Kloß im Hals steckt. Der Zuschauer sieht in Kindergesichter, in denen nur ein einziger Wunsch steht: Ein Zuhause, ein Ort, an dem sie jemand einfach nur lieb hat.
Die Bilder sind so real und die Leistungen, vor allem die der jungen Schauspieler dermaßen überzeugend, dass man streckenweise vergisst, es mit einem Spielfilm zu tun zu haben.
Dabei ist der Film trotzdem flüssig und spannend erzählt. Und vielleicht ist in diesem Fall sogar ganz gut, dass keine deutsche Synchronfassung existiert, denn so wirkt dieser Film in seiner Authentizität noch lange nach.
Zur DVD-Ausstattung: Der Film kommt im originalen Bildseitenverhältnis von 1.66:1 daher, weswegen er natürlich im 4:3-Format vorliegt. Die Bilder sind jedoch klar und kontrastreich.
Der Ton ist nur im russischen Original und Dolby Digital 2.0 Stereo enthalten, was ebenfalls der Originalfassung entspricht. (Alles andere wäre auch in diesem Fall überflüssiger Schnickschnack). Untertitel sind wahlweise in Englisch oder Deutsch vorhanden.
Neben einigen Weblinks wartet der Film noch mit einem lesenwerten Booklet der "Jungen Journalisten" zum Thema Kinderarmut, Adoption und Kinderheimen auf.
Ich persönlich finde, dass zusätzliches Bonusmaterial diesem Film sogar eher schaden als nützen würde, denn er steht einfach für sich selbst und muss nicht durch Making-Ofs oder sonstiges Material erklärt werden.
Der Film erhielt neben dem "Großen Preis des Deutschen Kinderhilfswerks" und einer "Lobenden Erwähnung der Kinderjury" international 5 weitere Preise.
Besonders erwähnenswert ist hier noch ein Zitat, eines jungen Zuschauers, das auf der Rückseite der DVD abgedruckt ist:
"Der Film hat mir sehr gut gefallen, weil sich ein Junge allein auf den Weg macht und etwas schafft." (Leon, 10 Jahre)