Das Buch ist brillant recherchiert und geschrieben und läßt sich sehr leicht durchlesen.
Bemerkenswert ist, dass es auf den 330 Seiten nie langweilig wird. Was wohl darin liegen
mag, dass die islamische Welt in vielfältiger Ausprägungen sowie Mannigfältig existiert
und in Michael Thumann jemand gefunden wurde, der es erstklassig versteht, dieses in
ausreichend differenzierter, informativer und geradezu normativer Form wieder zu geben.
Von Marokko auf der einen Seiten des Magrebs, über Tunesien und Ägypten, in die
Türkei, den Libanon, den Iran, die Golfstaaten und Emirate, und nicht zuletzt in das grosse
Saudi Arabien nimmt Thumann den Leser auf eine spannende und aufregende, geschichtliche und
kulturelle Erlebnisreise mit, die voll mit überraschenden Neuigkeiten und Hintergrundinformationen
ist. Der Leser kann am Ende der Lektüre nur einen Schluss ziehen: Es gibt nicht nur eine
Ausprägung des Islams genauso wenig wie es nur eine Ausprägung anderer Religionen gibt. Es wird
klar, dass der Islam gleichsam in einer orhtodoxen Auslegung wie in einer liberaleren Form
gelebt wird, dass einiges, was dem Islam zugesprochen wird, ursprünglich Notwendigkeit des
Nomadenlebens in der Wüste war (z. B. Ganzkörperverschleierung), dass und warum auf beiden Seiten
Argwohn und Missverständnis vorherrschen. Doch vor allem und natürlich: Wie der Islam
im Orient wie Okzident instrumentalisiert und politisiert wird.
Ein grandioses Werk, welches zu einem weiteren Studium einlädt und welches im Zeitalter der
Aufklärung unerlässlich ist, um Rechtspopulisten mit argumentativ höchstwirksame Waffen
standhalten zu können.
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