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Der Islam: Geschichte, Gegenwart, Zukunft
 
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Der Islam: Geschichte, Gegenwart, Zukunft [Taschenbuch]

Hans Küng
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Produktinformation

  • Taschenbuch: 912 Seiten
  • Verlag: Piper; Auflage: 4 (Dezember 2004)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3492046479
  • ISBN-13: 978-3492046473
  • Größe und/oder Gewicht: 21,4 x 15 x 4,6 cm
  • Durchschnittliche Kundenbewertung: 2.9 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (11 Kundenrezensionen)
  • Amazon Bestseller-Rang: Nr. 410.554 in Bücher (Siehe Top 100 in Bücher)

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Hans Küng
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Produktbeschreibungen

Aus der Amazon.de-Redaktion

Ohne ein tieferes Verständnis der Weltreligionen ist ein angemessenes Verständnis der der Weltpolitik zugrundeliegenden Wirkmechanismen nicht möglich. Nach seinen vielbeachteten Monographien über Das Judentum (1991) und Das Christentum (1994) hat der Gründer der Stiftung Weltethos, Hans Küng, mit der monumentalen Darstellung des Islam seine Trilogie über die drei monotheistischen Weltreligionen vollendet, die für das Verstehen dieser Religionen eine profunde Grundlage bietet.

In Der Islam entfaltet Küng auf 900 Seiten eine fundierte Religionsgeschichte, die über Ursprung, Vergangenheit und Gegenwart des islamischen Glaubens bis in seine mögliche Zukunft reicht. Detailliert analysiert der Autor zunächst das Feind-, das Ideal- und ein Realbild des Islam und stellt diese in den Kontext der Geschichte Arabiens an der Peripherie der Großreiche. Dabei liegt sein besonderes Augenmerk auf dem Verhältnis zu den beiden anderen abrahamitischen Religionen. Sehr ausführlich werden Inhalt und Bedeutung des Korans dargestellt. Dabei erweist sich wie schon in den früheren Arbeiten Küngs vor allem die Analyse der von ihm sehr anschaulich herausgearbeiteten zentralen Paradigmen als hilfreich, denen er die entsprechenden jüdischen und christlichen Glaubensprinzipien gegenüberstellt.

Küng versteht sein Weltethos-Projekt als Gegenentwurf zu Samuel Huntingtons Paradigma eines Clash of Civilizations, dem er unterstellt ideologische Schützenhilfe dabei geleistet zu haben, "nach dem Ende des Kalten Krieges das Feindbild Kommunismus durch das Feindbild Islam zu ersetzen, weiterhin eine amerikanische Hochrüstung zu rechtfertigen und, gewollt oder ungewollt, eine günstige Atmosphäre für weitere Kriege zu schaffen". Dagegen setzt Küngs Ansatz auf einen "Dialog der Kulturen und Frieden zwischen den Religionen als Voraussetzung für Frieden zwischen den Nationen." Seine nunmehr vollendete Trilogie stellt die notwendige Wissensbasis für einen solchen Dialog bereit. -- Hasso Greb

Kurzbeschreibung

Seit über zwei Jahrzehnten sind die Weltreligionen zentrales Thema von Hans Küng. Mit seinen weltweit einflußreichen Büchern hat er Pionierarbeit für einen Dialog der Kulturen geleistet. In seinem neuen großen Werk bietet der Autor eine profunde Gesamtdarstellung des Islam: Er beschreibt die Paradigmenwechsel im Lauf seiner 1400jährigen Geschichte, zeichnet die unterschiedlichen Strömungen nach und sichtet die Positionen des Islam zu den drängenden Fragen der Gegenwart. Eine umfassende Analyse der politischen, kulturellen und religiösen Bedeutung der zahlenmäßig größten Weltreligion neben dem Christentum, wie sie unter den Theologen unserer Zeit nur Hans Küng schreiben kann. Dieses Buch zeigt: Ohne einen Dialog mit dem Islam wird es weder einen dauerhaften Weltfrieden noch ein konfliktfreies Miteinander mit den Muslimen in Europa geben. Wer die heutige Welt verstehen will, sollte Grundkenntnisse über den Islam besitzen.


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108 von 121 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Von Ein Kunde
Format:Taschenbuch|Von Amazon bestätigter Kauf
Versuchte man, den gegenwärtigen europäischen Zeitgeist zum Thema Islam in Worte zu fassen, käme man etwa zu folgendem Ergebnis:

Der richtig verstandene Islam ist eine mit modernen Vorstellungen von Demokratie und Menschenrechten vereinbare Religion des Friedens und der Gerechtigkeit. Auseinandersetzungen der Muslime mit anderen Gemeinschaften ließen sich über einen ernstgemeinten Dialog beilegen. Eventuell verbleibende Differenzen wären nebensächlich und könnten von allen Seiten toleriert werden, doch leider stellen sich gewissenlose Fanatiker dieser Entwicklung entgegen, indem sie den Islam für ihre verbrecherischen Ziele mißbrauchen und unnötige Spannungen erzeugen.

In seinem kürzlich erschienen Buch über den Islam unternimmt es Hans Küng, diese vagen Ahnungen auf eine wissenschaftliche Ebene zu heben. Die Schwierigkeiten in die er dabei gerät, sind für den tatsächlichen Zustand des heutigen Islams aufschlußreicher als jede direkte Kritik.

Der erste Teil von Küngs Darstellung umfaßt 524 Seiten und enthält ein breit angelegtes Panorama der islamischen Geistesgeschichte, das neben der religiösen Entwicklung im engeren Sinne auch die wichtigsten theologischen, juristischen und philosophischen Strömungen in zuweilen fast enzyklopädischer Gründlichkeit präsentiert. Die politisch-militärischen Rahmenbedingungen werden bis zum beginnenden Verfall des Abbassidenreiches im frühen 10. Jh. eingehend behandelt, danach überwiegend ausgeblendet. Insgesamt erhält der Leser einen hervorragenden Überblick über viele komplexe Prozesse (die frühen theologischen Kontroversen; die Entwicklung des islamischen Rechts; das Aufkommen des Sufismus; die Machtergreifung der Abbassiden; usw.), wobei er sich einer durchgehend verständlichen und eleganten Diktion, sowie einer vorzüglichen Gliederung erfreuen darf. Stilistisch wie inhaltlich ist zu spüren, daß der Autor sein Publikum beim Schreiben immer vor Augen hatte.

Die letzten 260 Seiten der Abhandlung widmet Küng einer Analyse der gegenwärtigen Probleme und künftigen Möglichkeiten des Islams.

Wie in früheren Arbeiten bedient sich Küng bei der Deutung seines Materials zweier Hilfsmittel: der Wesensanalyse und des Paradigmamodells. Die Wesensanalyse soll jenen Grundbestand an Überzeugungen ermitteln, der die unveränderliche Identität einer Religion ausmacht, während das Paradigmamodell umgekehrt dazu dient, zeitbedingte Ergänzungen und Umdeutungen herauszuarbeiten. Im Laufe ihrer Geschichte, so Küng, durchlaufe eine Religion verschiedene Paradigmen (d. h. Gesamtkonstellationen von Ansichten, Werten und Verfahrensweisen), ohne dabei ihr Wesen zu verändern. Eine Anpassung an neue historische Konstellationen sei soweit möglich, wie sie nur die Überwindung vergangener Paradigmen erfordere, das Wesen einer Religion aber unberührt lasse.

Das Wesen des Islams verkörpere sich in drei Elementen: Einem strengen Monotheismus, der Anerkennung Mohammeds als des letzten Propheten und des Korans als der direkten und unverfälschten göttlichen Offenbarung.

Die bislang aufgetretenen sechs Paradigmen des Islams bestimmt Küng folgendermaßen: 1) das urislamische Gemeinde-Paradigma; 2) das arabische Reichs-Paradigma; 3) das klassisch-islamische Weltreichs-Paradigma; 4) das Ulama-Sufi Paradigma; 5) das Modernisierungs-Paradigma, sowie 6) das zeitgenössische nach-moderne Paradigma (Leitwerte: Demokratie, Gleichberechtigung der Frau, gerechte Wirtschaftsordnung, Dialog der Religionen).

Sämtliche wichtigen Probleme des gegenwärtigen Islams hält Küng auf dem Boden des nach-modernen Paradigmas für lösbar. Im letzten Teil seines Buches entwickelt er zu vielen Themen (Dschihad als fragliche Rechtfertigung von Gewalt, Fehlen von Demokratie und Menschenrechten in muslimischer Welt, Überholtheit der Scharia, Benachteiligung der Frau, Integration in christlichen Ländern, Dialog zwischen den Religionen) detaillierte Reformvorschläge.

Gerade hier offenbart sich nun ein grundlegendes Dilemma. Fast alle Anregungen Küngs setzen auf muslimischer Seite Gesprächspartner voraus, DIE BEREITS AUF DEM BODEN DES MODERNEN PARADIGMAS STEHEN und allenfalls noch zögern, die letzten Schritte zum Abschluß der Modernisierung und anschließenden Postmodernisierung ihrer Religion zu tun. An vielen Stellen seines Buches (sehr deutlich auf S. 660) räumt Küng dagegen ein, DASS DER GROSSTEIL DER MUSLIME NOCH DEM MITTELALTERLICHEN ULAMA-SUFI-PARADIGMA VERHAFTET IST. Dieses Eingeständnis stellt nicht nur die historische Brauchbarkeit der letzten beiden Paradigmen seines Schemas in Frage (in welchem muslimischen Land existiert ein moderner oder nach-moderner Islam?), sondern macht auch Küngs Argumente für eine Reform des Islams in der Praxis weitgehend bedeutungslos. Sie können sich höchstens an eine kleine Gruppe verwestlichter muslimischer Exil-Akademiker richten. ARGUMENTE FÜR DEN ÜBERGANG VOM ULAMA-SUFI-PARADIGMA ZUM MODERNEN PARADIGMA HAT KÜNG NÄMLICH NICHT ANZUBIETEN. Hier setzt er vielmehr auf die bloße HOFFNUNG (S. 768), die Mehrzahl der Muslime möge erkennen, daß Säkularisierung und Aufklärung nach westlichem Vorbild unvermeidlich seien.

Dabei führt Küng selbst Gründe an, die dem Islam die Modernisierung weitaus schwerer machen als dem Christentum. Ein moderner Islam müßte zu zwei Bezugspunkten seines Glaubens ein neues Verhältnis gewinnen: dem Koran und Mohammed.

Den Koran modern auszulegen, bedeutet nach Küng: die Lehre von der Verbalinspiration Mohammeds ist fallenzulassen. DER KORAN WURDE MOHAMMED NICHT WORT FÜR WORT VON GOTT EINGEGEBEN, SONDERN IST IN VIELEN TEILEN SEIN "MENSCHLICHES" WERK. DER KORAN IST WEDER VOLLKOMMEN, NOCH UNGESCHAFFEN, NOCH UNFEHLBAR, NOCH UNVERÄNDERLICH (S. 765). Er ist daher historisch zu erforschen und zu interpretieren. NUR SO lassen sich bedenkliche Passagen, wie die über den Dschihad (der schon im Koran gewaltsamen Kampf bedeutet) und die Behandlung der Frauen entschärfen.

Mohammed modern zu beurteilen, bedeutet nach Küng: einräumen, daß Mohammed ein Mensch mit Schwächen und Fehlern war. Manche seiner Taten sind moralisch verwerflich (er raubte Karawanen aus, führte Kriege, befahl die Folterung eines Gefangenen, ließ in Medina einen ganzen jüdischen Stamm hinrichten und rechtfertigte Meuchelmorde an kritischen Dichtern). ALS VORBILD FÜR UNSERE ZEIT EIGNET ER SICH NUR BEDINGT (S. 163).

Für die meisten traditionell denkenden Muslime dürften dies blasphemische Zumutungen sein, die nicht ein vergangenes Paradigma, sondern das Wesen ihrer Religion in Frage stellen. Christen waren nie vor vergleichbare Anforderungen gestellt. Die Lehre von der Verbalinspiration war im Christentum weit weniger fest verwurzelt als im Islam, und die Person Jesu ist moralisch unproblematisch. Selbst der aufgeklärteste Christ braucht sich von kaum einer Äußerung oder Tat Jesu zu distanzieren.

So ist das Ergebnis dieser Studie ernüchternd. Anstatt den Zeitgeist theologisch zu rechtfertigen, hat Küng ihn ungewollt widerlegt. Seine eigene Darstellung zeigt uns den Islam als einen schwer modernisierbaren mittelalterlichen Glauben, dessen Anhänger mehrheitlich der religiösen Grundhaltung (nicht der politischen) der Fundamentalisten näher stehen als Küngs Vorstellungen von einem "nach-modernen" Islam.

Nicht viel besser ist es um den interreligiösen Dialog bestellt. Weit entfernt davon, ihn anzubahnen, bietet Küng eine überzeugende Erklärung für seine geringen Erfolgsaussichten. So lange Christen und Muslime auf dem Boden verschiedener Paradigmen stehen, dürften religiöse Gespräche zwischen ihnen kaum zu substantiellen Ergebnissen führen.
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18 von 21 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Format:Taschenbuch
Wenn man dieses Buch liest, muss man sich vor Augen halten, dass es ein christlicher Theologe geschrieben hat, der vorher bereits ähnliche Bücher über Juden- und Christentum geschrieben hat und ein kulturversöhnendes Projekt namens "Weltethos" betreibt.
Küng beschreibt im ersten Teil des Buches die Entstehung und Geschichte des Islams ziemlich ausführlich und gut verständlich. Dabei wendet er dasselbe paradigmengeschichtliche Strukturierungsmodell an wie schon in seinen Büchern zu Christen- und Judentum. Dieser Ansatz trägt, wenn er denn stimmt, tatsächlich sehr zum Verständnis und zur Einordnung der verschiedenen Entwicklungsphasen des Islams bei, allerdings beschleicht einen andererseits das Gefühl, Küng habe die Entwicklungsgeschichte einfach in sein "übliches" Schema hineingepresst.
Er beschreibt das Wesen des Islams und die Parallelen sowie Bruchlinien zu Christen- und Judentum. Auch das hilft bei der Einordnung. Auf den Inhalt des Korans geht Küng dagegen kaum ein.
Etwa nach zwei Dritteln des Buches beginnt der Autor mit der Diskussion des Islams in der Gegenwart: Wie kann der Islam in die Moderne finden, wie die Verkrustungen ablegen, die sich seit dem Hochmittelalter auf ihn gelegt haben? Auf welcher Basis ist Kontakt mit dem Westen möglich? In diesem Teil verlässt Küng die Darstellung des Islams und legt seine eigentliche Intention dar: Er tritt für einen Dialog der Religionen ein (dessen Bedeutung sicherlich hoch ist, aber von Küng zur alles entscheidenden Frage hochstilisiert wird), zeigt Entwicklungslinien und Kontaktstellen auf. Leider erschöpft er sich allzu häufig im Argumentationsschema "Weder das eine Extrem noch das andere Extrem, sondern ein offener, ernsthafter, kritischer Dialog!", wobei er sehr oft nur erklärt, dass ein Dialog stattfinden müsse, nicht wie er stattfinden kann. Er ist ein erklärter Feind der "Clash-of-Civilizations"-Theorie und dieses Buch kann man in Teilen als eine Streitschrift gegen diese Theorie auffassen.
Insgesamt ist sein Ansatz der integralen Betrachtung der drei Religionen, die sich auf den Stammvater Abraham beziehen, nachvollziehbar und erhellend. Seine gebetsmühlenartigen Aufrufe zum Dialog und die unablässig und affirmativ vorgetragene Hoffnung, der Islam lasse sich reformieren, wenn man nur zu seinen Ursprüngen zurückkehre, lässt Zweifel aufkommen, wie realistisch und nutzbringend ein reiner interreligiöser Dialog sein könnte. Möglicherweise erschöpft er sich in einem folgenarmen Austausch von Teilen der religiösen Eliten, die lediglich feststellen können, wo die Gemeinsamkeiten und wo die vielen fundamentalen Unterschiede liegen.
Fazit: Dieses Buch ist nur in seinem ersten Teil eine Darstellung des Islam und in seiner religiösen Substanz vielleicht auch keine allzu tiefgehende. Hauptthema und unterschwellige Stoßrichtung des Buches sind interrreligiöser Dialog und Küngs Weltethos-Denken. Somit gibt es nur bedingt Einblick in diese Religion. Andererseits weckt das Buch auch Verständnis für die großen Herausforderungen, die die hereinbrechende Moderne einer so traditionellen Religion wie dem Islam aufbürdet, gerade wenn man sie mit dem langwierigen und schmerzhaften Weg der Katholischen Kirche vergleicht, die nach Luther und Galilei über vierhundert Jahre zur heutigen Gestalt brauchte.
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66 von 79 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Format:Taschenbuch
Das neueste Buch von Hans Küng vollendet seine Trilogie der drei abrahamischen Religionen (Judentum, Christentum, Islam). Auch dieser Band verlangt dem Leser dabei einiges ab. Obwohl sich Küng recht erfolgreich um eine zu verstehende Sprache bemüht, verlangt allein schon der Umfang (rund 900 Seiten!) eine Menge Konzentration und Ausdauer - zumal Küng gnadenlos so ziemlich alle Themen behandelt, die den Islam und sein Verhältnis besonders zum Christentum behandeln (z.B. auch Jesus, Dreieinigkeit usw.). Leicht macht er es keiner Seite, mancher Christ wird schlucken, dass Küng Muhammad als "echten" Propheten, den Koran als Offenbarung Gottes betrachtet und die islamische Kritik an der Dreieinigkeit sehr ernst nimmt. Mancher Muslim wird dagegen an den "kritischen Rückfragen" an die islamische Geschichte kauen, die sich auch z.B. auf einige Feldzüge Muhammads, die Behandlung der Frauen oder das gängige (oft erstarrte) Koranverständnis erstrecken. Da ist einer nicht zufrieden mit dem Zustand der Welt und der Religionen - und er lässt den Leser wissen, dass alle Seiten, Völker und Religionen ihr Scherflein beizutragen haben, wenn es besser, friedlicher werden soll.
Den Kern des Buches bildet jedoch die ausführliche Darstellung der islamischen Geschichte, die Küng (wie bereits in "Das Judentum" und "Das Christentum" erprobt) anhand von sechs Paradigmen darstellt. Diese Einteilung erreicht auch im Bezug auf den Islam hohe Plausibilität und macht die Geschichte dieser Weltreligion ebenso nachvollziehbar wie viele heutige Bewegungen (arabischer Nationalismus, Islamismus usw.) verstehbarer, die sich ja auf (eher vermeintliche) Idealbilder vergangener Zeiten berufen. Ausgesprochen informativ und spannend zu lesen ist dies allemal und auch der Rezensent (der Religionswissenschaften studierte) empfand z.B. die Darstellung des komplexen Entstehungsprozesses der Scharia als sehr lehrreich. Vor allem wird aber so deutlich: ebensowenig wie Juden- oder Christentum ist der Islam als ein starrer "Block" zu verstehen, sondern besser als eine lebendige Gemeinschaft, die sich zu verschiedenen Zeiten und Regionen sehr unterschiedlich ausprägen kann. Und eine recht plausible Erklärung, warum die islamische Zivilisation nach Jahrhunderten der Blüte schließlich in eine lange Starre verfiel und von Europa wissenschaftlich überholt und abgehängt wurde, liefert der Küngsche Ansatz auch, obwohl hier noch eine Menge Feinarbeit zu leisten ist.

Warum nenne ich dieses Buch "anti-fundamentalistisch"? Nicht nur, weil es an alle Seiten kritische Fragen stellt und dem üblichen Spiel "Wir sind die Guten - Ihr seid die Bösen." in jeder Form entgeht. Vor allem historisch und inhaltlich zeigt Küng auf, wie schwach die Argumente islamischer, christlicher oder säkularistischer Fundamentalisten sind, die angeblich immer ganz genau wissen, wie "der Islam" ist oder zu sein habe. Küng gelingt es dagegen, überzeugend die Vielfalt und Wandelbarkeit des Islam bei aller Kontinuität zentraler Werte darzustellen und historisch überzeugend zu erklären - beispielsweise die lange Verbundenheit jüdischer und islamischer Gemeinschaften, als diese von Christen noch gemeinsam verfolgt wurden. Wer dieses Buch gelesen hat, wird auf Vereinfacher jeder Art nicht mehr hereinfallen.
Buchstäblich lesens- und verschenkenswert!

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