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Entworfen wird ein idealtypisches Bild des Islams, der als alternative Lebensform auch in Deutschland an Boden gewinnt. Vorurteile sollen entkräftet und Sympathien geweckt werden. Schließlich sei "der Islam eine Religion der Toleranz par excellence". Im Vorwort weist Annemarie Schimmel auf zahlreiche Missverständnisse zwischen Moslems und Christen hin, als deren Ursache sie Unkenntnis vermutet. Um diese zu überwinden, verspricht Murad Hofmann "heiße Eisen" anzupacken. Alle 20 Kapitel von "Fatalismus" über "Islamische Marktwirtschaft" bis hin zu "Die Frau in der Gesellschaft" argumentieren zu Gunsten des Islams und gipfeln mitunter in der konkreten Aufforderung "Muslim werden und damit Rationalität und das Mystische verbinden". Explizit stellt Hofmann klar, dass Muslime hingegen nicht zum Christentum zu bekehren seien. Seinem Anspruch, frei von Apologetik zu sein, wird er nicht gerecht.
Wie tief der Graben zwischen Okzident und Orient sein kann, zeigt u.a. die Stellung der Frau. Selbst der Autor befürchtet hier völliges Unverständnis bei westlichen Lesern. Grundlegende Einblicke in Mentalität und Geschichte des Islams bieten historische Querschnitte. Erschwert wird die Lektüre durch zahlreiche arabische Fachbegriffe und Namen, zu deren Transparenz auch das kurze Glossar kaum beiträgt. --Larissa Carina Seelbach
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Es fängt schon damit an, dass der Autor auf der ersten Seite behauptet, das Buch sei "frei von Apologetik" (S. 7). Dabei trieft das Buch vor Apologetik. Oder es wird z.B. behauptet, dass "die Menschenrechte in der islamischen Rechtstheorie ihre solideste Gundlegung überhaupt gefunden" (S. 157) hätten. Dagegen wird an anderer Stelle anlässlich des vom Koran geforderten Handabhackens gesagt: "Im übrigen gehen Muslime noch immer davon aus, daß göttliche Gebote - auch wenn sie menschliches Begreifen übersteigen mögen - noch immer Gebote, und nicht etwa nur >Empfehlungen< sind." (S. 189). Ein weiteres Beispiel: im Buch heißt es gegen den Sufismus, dass er aus koranischer Hinsicht "Hybris" (d.h. selbstzerstörerischer Frevel, S. 71) sei; dann empfiehlt der Autor seinen Lesern etwas später: "Muslim werden und damit Rationalität und das Mystische verbinden" (S. 76). Die Liste solcher Selbstwidersprüche ließe sich beliebig verlängern.
Merkwürdig ist es, wie Murad Hofmann dem Leser den gebildeten Zeitgenossen vorspielt und über alles und jedes - seien es volkswirtschaftliche Theorien oder christliche Theologie - daherschwadroniert. Er gibt sich als radikalen Kulturkritiker, der zu jedem Problem den "Islam als Alternative" anpreisen kann. Dass ihm dabei peinliche Fehler unterlaufen (z.B. Swinburne ohne e, oder die Bezeichnung von Schweinefleisch als "Droge", S. 36), ist für den Leser eher unterhaltsam. Bedenklich aber ist, dass er mit der selben Nonchalance auch das Fundament seines Glaubens befestigt. So erblickt er z.B. in der Erwähnung des Koran, Gott könne das aus den Wolken stammende Trinkwasser "sauer machen" eine "Erwähnung des Phänomens des sauren Regens" (S. 133)!
Das Buch ist für den Leser in so fern interessant, als er relativ vollständig darüber informiert wird, was ein halbgebildeter Muslim so alles denkt. Aber im Grunde lebt es nicht von seinem Inhalt, sondern von der Lebensgeschichte seines Verfassers, der als deutscher Botschafter in Marokko zum Islam übergetreten ist. Das ist eine ausgefallene, interessante Story.
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