Die ehemalige Pharmazeutisch Technische Assistentin Claudia Mummert stellt sich auf ihrer Website gerne selbst fotografisch ins gute Licht, bevorzugt in schwarz gekleidet. Da wundert man sich nicht, dass sie einen Lokalkrimi schreibt, der in der "Gothic Szene" spielt. Spannend ist der neue Titel "Der Irrglaube" und es erfrischt, sich endlich wieder einmal durch einen Text lesen zu können, der im Gegensatz zur erwähnten Website ohne (literarische) Selbstdarstellung auskommt. Es ist ein Buch für jedermann. Da sollen wohl jene Literaturkrrrritttikkerrr erst gar nicht auf den Gedanken kommen, sich damit zu befassen, die in ihren Elfenbeintürmen hockend ohnehin nur wenig von der Realität verstehen. Das tut gut. In einfacher zeitlicher Abfolge, nicht in der sonst in Deutschland fast obligatorisch gewordenen "Zopfdramaturgie" hat Mummert geschrieben und ist dabei in ihrer Sprache geblieben. Da erscheint nichts gekünstelt, man kann die Autorin regelrecht vorlesen hören. Das tut auch gut. Kleine Textfetzen am Anfang jedes der sehr verschieden langen Kapitel erscheinen dem Leser zunächst vollkommen ohne Zusammenhang und laden dazu ein, sie nach der gesamten Lektüre des Romans nochmals zu lesen. Aha, nun wird alles klar. Leider wird dieser Effekt aber bereits etwas hinter der Mitte des Buches zerstört, weil dadurch dem geübten Leser die Lösung des Falles klar wird. Der Inhalt ist kurz erzählt: Zwei junge Frauen werden ermordet. Die Karlsruher Kriminalhauptkommissare Charlotte Krüger und Tom Berger ermitteln wieder, wie im ersten Krimi, den Mummert schrieb. Manchmal knistert es ein wenig zwischen den beiden, aber es sollen ja wohl noch weitere Romane mit ihnen folgen, wie das so der Mainstream ist unter Krimiautoren, da dürfen sie nicht zusammenkommen. Das alles erscheint ein wenig zu durchsichtig auf Folgetitel angelegt. Geld verdienen wollen und sollen Autoren aber schließlich auch! Störend ist aufgefallen, dass Mummert zu lang und häufig darüber jammern lässt, in Karlsruhe sei es unerträglich heiß. Das erscheint unrealistisch, ist gewiss nicht aus der Tabelle historischer Temperaturen über die Fächerstadt am Rhein entnommen. Dennoch: Es ist ein sehr spannender, leicht zu lesender, die Szene der Lokalkrimiautoren erfrischender Roman, den man sehr empfehlen kann. Da er passend vor den Sommerferien erschienen ist, wird er zu Recht erfolgreich sein.