Ferdinand von Bourbon (1751-1802), Herzog von Parma, Piacenza und Guastalla von 1765 bis 1802. Seine Erziehung und Ausbildung ist Thema dieses Buches. Vorab aber erst ein paar geschichtliche Informationen.
Seine Mutter war Louise Elisabeth von Frankreich (1727-1759), die älteste Tochter des französischen Königs Ludwig XV. Von acht Mädchen war sie die Einzige, die verheiratet wurde. Mit zwölf Jahren verließ sie Frankreich, um zu ihrem Mann an den spanischen Hof zu ziehen. Mit 14 Jahren bekam sie ihr erstes Kind, die älteste Tochter Isabella. 1748 erfolgte im Rahmen des Friedens von Aachen, der den österreichischen Erbfolgekrieg beendete, die Berufung ihres Gemahls Don Felipe zum Herzog von Parma und Piacenza. Don Felipes Mutter war Elisabetta Farnese aus dem italienischen Herzogshaus von Parma, Piacenza und Guastalla. Sein Vater der spanische König Philipp V.
Ferdinand selber ist zwar nur eine Randfigur in der europäischen Geschichte, dennoch lohnt die Lektüre dieses Buches. Elisabeth Badinter konzentriert sich zunächst auf die Jugendjahre, die Erziehung durch den Hofmeister Keralio und den Hauslehrer, den Abbé Condillac. Nachdem Ferdinand offiziell von seinen Lehrmeistern befreit ist, gerät er unter den Einfluss seiner Ehefrau Maria Amalia von Österreich. Der Konflikt zwischen ihm und seinem Premierminister Du Tillot eskaliert. Des Weiteren beschreibt die Autorin die Entwicklung von Ferdinands religiösen Neigungen, die auch dazu führen, dass der junge Herrscher die Inquisition wieder einführt. Die Zeit nach Du Tillots Abreise im Jahre 1771 wird nur oberflächlich beschrieben.
Die Frage "Wer hat Schuld?" ist nicht einfach zu beantworten. Ist es die Verleugnung der Kindheit, die allzu große Strenge? Der frühe Verlust vor allem von der Mutter und der älteren Schwester, die 1760 den späteren Kaiser Joseph II. heiratet? Oder sind es die pädagogischen Exzesse, denen er unterworfen wurde, im Rahmen seiner Ausbildung zu einem aufgeklärten Fürsten? Elisabeth Badinter macht es sich nicht einfach. Akribisch und faktenreich diskutiert sie die verschiedenen Erklärungsversuche. Sie zitiert Zeitzeugen, überlässt es dem Leser sich eine Meinung zu bilden. Ehrlich gesagt, es wäre schön, wenn jemand, der mehr von Erziehung versteht als ich, jemand mit pädagogischen Hintergrund, die dargestellten Fakten kommentieren könnte.
Alles in allem bleibt festzuhalten, dass dieses Buch keine einfachen Lösungen und Erklärungsversuche anbietet. Der Leser ist aufgefordert mitzudenken und sich seine eigene Meinung zu bilden. Persönlich hätte ich mich über mehr Informationen zur Abstammung Ferdinands sowie über eine ausführlichere Darstellung des geschichtlichen Hintergrundes gefreut.