Wer über Kreativität schreibt, muß kreativ schreiben können. Das hat der Autor bereits in seinem Buch -Wie man Aufträge angelt und mit Fischen spricht- bewiesen. Dafür gibt es aus dem Stand heraus 2 Sterne. Einen weiteren Stern vergebe ich, weil es sich ganz ungeniert der herkömmlichen Sachbuchdynamik entgegen stellt. Das langweilige 'IchHabeWasGelerntMantra' bleibt völlig außen vor, es geht dem Autor offensichtlich um die Erkenntnisgewinne für die Leser.
Es geht ihm darum, die Leser zu eigenen Gedanken zu führen. Erst recht beim Thema Kreativität. Das tut dieses Buch mit so wunderbaren Sätzen wie _Optimierung ist Leichenschändung_, oder _Es gibt keine Kompensation für entschwundene Magie_. Daß die Lösung näher rückt, je weiter man sich von der Aufgabenstellung entfernt, ist ein weiteres Bonmot, dem sicher viel Wahrheit innewohnt. Seine im Mittelteil des Buches vorgestellte Brainstormingtechnik, die er aus der Lyrik ableitet, ist brillant.
Was für mich die 5 Sterne voll macht, ist der Umstand, daß ich nach der Lektüre dieses leider viel zu kurzen Buches ein Gefühl aufgeräumter Leichtigkeit verspürt habe. Ich weiß, daß ich immer wieder reinschauen werde. Ich habe mich gewinnbringend einer für mich neuen Mitteilungsform ausgesetzt, die mir im Nachhinein deutlich macht, wie wichtig es ist, sich vom Zwang des Richtigdenkens zu befreien. Denn die eigene Denkstruktur ist bekanntlich nicht das Maß aller Dinge.
Fazit: Wenn die Festplatte zugemüllt ist, sollte man den Resetbutton drücken. Mit diesem Buch gelingt das, aber ohne dabei leer auszugehen. Jeder, der sich gerade in einer denkerischen Sackgasse befindet, oder einfach mal kräftig das Hirn lüften möchte, wird von der Lektüre profitieren. In welcher Form, das bleibt amüsanterweise offen.