"Ein großes Abenteuer auf vielen Pfoten", "ein aufregendes Abenteuer für die ganze Familie" verspricht die Hülle, auch daß der Film "spannend und lehrreich" sei; ein Tiermagazin wird gar mit den Worten "Eine ermutigende Geschichte zum Staunen" zitiert. Ferner ist auf der Verpackung zu lesen: "if dogs run free" und: "Nur der, der sich unterordnet - lernt."
Ich zitiere diese Texte in ihrer Breite, weil sie an der ganzen DVD das Spannendste und Lehrreichste sind. Der zuletzt zitierte Satz, der den Leser so Manches erwarten läßt, kommt auf der ganzen DVD nicht einmal vor.
Ansonsten ist der Film langweilig und tatsächlich unendlich lang, sind Bild und Ton schlecht und die Protagonisten sprechen widerwillig oder gelangweilt in einem unverständlichen Dialekt. Eine erklärende oder durch den Film führende Off-Stimme fehlt gänzlich. Die spärlichen eingeblendeten Informationen entbehren jeder Systematik, wirken wie alles an dem Film amateurhaft und gewollt, aber insgesamt peinlich.
Auf den verwackelten und wenig aussagekräftigen Bildern sieht man einen jungen Mann, der sich mit den Vorbereitungen aufs Rennen oder mit seinen Hunden beschäftigt; er redet irgendetwas von seinem Leben mit ihnen. Nie sieht man die Tiere frei laufen, oft sieht man sie fressen, als ob das die ganz große Offenbarung wäre. Der Text auf der Rückseite der Verpackung enthält einige der Informationen, die der Film völlig verschweigt: Den Namen eines der Hunde, Eckdaten des Schlittenhunderennens, von dem die längste Zeit des Films Eindrücke zu sehen sind.
Es ist nicht gerade so, daß die Hauptfigur immer von der Kamera begleitet wird. Gerade, als das Rennen dann läuft, sieht man immer wieder unterschiedliche Gefährte und davorgespannte Hunde in traumhaften Landschaften, ohne Kommentar, um wen es sich dabei handelt oder was die besonderen Merkmale gerade dieser Kombination sind oder an welchem Platz man sich gerade befindet.
Einmal redet der Protagonist von seinem Schlitten, vor dem sechs Hunde laufen, während man im selben Moment einen Schlitten mit acht Hunden davor sich bewegen sieht (oder war es umgekehrt? Es ist völlig egal).
Einer der spannendsten Momente in dem Film ist der, als einer der Musher um eine Kurve kommt, offenbar schon im Straucheln, und jemandem, anscheinend dem Filmenden, in mangelhaftem Deutsch zuruft: "Scheiße, nun helf mir doch lieber!" Danach sieht man ihn nicht mehr, kann aber annehmen, daß er zu Fall gekommen ist, denn das Bild ist für einige Sekunden verwackelt und scheint von einer Kamera zu stammen, die während des schnellen Laufens versehentlich nicht abgeschaltet wurde. Es ist nicht zu verstehen, warum diese Szene nicht herausgeschnitten wurde.
Ebensowenig verständlich ist es, daß an einer Stelle der Film auf einmal minutenlang in Zeitlupe abläuft, obwohl man in der Sequenz nichts Besonderes sieht - nicht einmal rennende Hunde, sondern nur Hunde, die auf irgendetwas warten.
Der Protagonist erzählt Einiges über sich, aber man versteht fast nichts. Über die Hunde im Allgemeinen und im Besonderen ist nichts zu erfahren. Weder ihre Namen, noch gar ihre Rasse oder ihr Alter. Man kann nicht einmal sagen, daß die Bilder besonders schön seien, bloß weil die Hunde auf ihnen zu sehen sind.
Gegen Ende ändert sich sogar die Sprache der eingeblendeten Informationen, und der ganze Abspann ist dann ein Gemisch aus Englisch und Deutsch.
Nie habe ich einen langweiligeren und trostloseren Film gesehen! Und das bei so einem interessanten Thema wie Schlittenhunden und ihrem Musher.
Stattdessen entstehen viele Fragen, die alle offenbleiben, und man hat eine Stunde mit dem Film verschwendet und friert am Ende ein wenig.
Zu alledem ertönt zuweilen überlaut eine Musik, die diesen Namen nicht verdient, die dem Tempo der gezeigten Bewegungen nicht entspricht und die eher zum Einschlafen geeignet ist als zur Untermalung eines Huskyrennens. Ansonsten hört man hauptsächlich Windgeräusche, die leicht hätten herausgeschnitten werden können, und den Protagonisten und ein paar seiner Bekannten. Der Informationsgehalt von deren Äußerungen ist allerdings ungefähr gleich dem der Windgeräusche.
Der Hauptfilm ist also gar nicht zu empfehlen.
Zu allem Überfluß bietet die DVD auch noch ein "Making Of", das aus Sequenzen besteht, die das augenscheinlich in dieser Materie völlig unerfahrene Filmteam bei der Arbeit zeigen. Außerdem sieht man zwei oder drei Filmemacher in Interviewsettings und hört sie in astreinem Deutsch und recht charismatisch und tatsächlich teilweise spannend von ihrer Arbeit erzählen. Einige der offenen Fragen werden in diesen Interviews beantwortet. Allerdings werden die Sprechenden mehrmals mitten im Satz und noch bevor sie das Wichtigste gesagt haben, unterbrochen durch einen Schnitt, der dadurch so sinnlos und ärgerlich ist wie der ganze Film. Das ganze Vergnügen währt dann ungefähr zehn Minuten.