Man sollte bei allem berechtigten Lob für diesen faszinierenden Roman nicht versäumen, auf den Vorwurf des Antisemitismus einzugehen, der gegen ihn erhoben wurde. In diesem einst viel gelesenen Werk spielt ein Jude (Moses Freudenstein) die Rolle dessen, der den schlechten Weg geht eines widerlichen intelligenten Zynikers, der die ihm verfallenden Frauen missbraucht, um Karriere zu machen. Raabe selbst hat sich dagegen verwahrt, für antisemitische Zwecke eingespannt zu werden. Für ihn habe der Renegat (Moses tritt zum Katholizismus über, wird zum Dr. Theophile Stein) nichts mit dem Judentum zu tun. Eine etwas fragwürdige Entschuldigung für die Versammlung zahlloser antisemitischer Klischees in einer Figur!
Dennoch: Wer es versteht, darüber hinwegzusehen (ebenso wie über die im Gegensatz zu Raabes genialen späteren Romanen allzu einfältig gewirkte Moral),
der kann sich begeistern an herrlichen Charakteren, brillanten Satiren und lebensechten, rührenden Schicksalen.