Beim Titel "Der Hundeflüsterer" denkt man und frau natürlich an das gesamte potenzielle Verhaltensrepertoire des Hundes und auf welche Weise der Mensch dies lesen und selbst (soweit körperlich möglich) auch einsetzen kann.
Diesen Anspruch, den der Titel nunmal assoziiert, erfüllt dieses Buch überhaupt nicht, weshalb ich entsprechend enttäuscht war.
Auch sonst bleibt "Der Hundeflüsterer" auf der Oberfläche. Gewaltlose Haltung und Ausbildung von Hunden ist nun mittlerweile wirklich in jedermanns gebildetes Hirn vorgedrungen - inklusive der damit nicht selten verbundenen Schwierigkeiten, auf die schon weiland Konrad Lorenz und später sein Schüler Erik Zimen mit äußerster Gründlichkeit eingingen: Ein Hund ist und bleibt ein Rudeltier und ist und bleibt als solches auch nicht zimperlich. Jede Anthropomorphisierung kommt zunächst oberflächlich dem Menschen zugute, hält er sich für Guthund, der seinem Tier ja nun "keine Gewalt antun will". Dass so manches hundetypische Verhaltensproblem mit dieser Laschheit in Sachen "Ich bin der Oberboss und mein Hund kann nur zweiter sein (je nachdem, wieviele Menschen und Tiere das Rudel enthält)" überhaupt erst provoziert wird, wird - wenn überhaupt - nur schmerzlich klar. So manches gebissene Kind, deren Eltern ihrem Hund nicht klar gemacht haben, wer das Sagen hat, weiß hiervon ein Liedchen zu trällern, und wenn's heftig wird, ist es am Ende doch der Hund, der das Nachsehen (und sogar im schlimmen Fall das Einschläfern) mit sich zu vereinbaren hat.
Nein, so oberflächliche Bücher wie dieses hier sind vielleicht für Einsteiger ganz nützlich, die immer noch denken mögen, allein Dogmanshipping sei der Weisheit letzter Schluss, aber sie erwecken dann in Folge auch den ebenso üblen Eindruck, die arme zarte Seele des Hundes vertrüge weder ein Machtwort noch einen Klaps aufs Hinterteil, wenn gar nichts anderes mehr geht.
Fazit: Alle Verhaltensprobleme (außer nervlich bedingten) des Hundes sind auf den Hundehalter zurückzuführen und sanfte wie unsanfte Methoden aufs Äußerste getrieben bringens einfach nicht. Bücher wie dieses hier sind irreführend, wenn nicht gar gefährlich. Zwei Sterne deshalb nur, weil wer einen Kopf auf den Schultern hat zumindest das beim ersten Lesen sofort merkt und dann auch gewillt ist die guten Dinge aus dem Buch (wie z.B. das 9-Punkte-Programm) herauszuziehen, ohne dem Autor gleich mal einen Hund vorstellen zu möchten, der eben ganz und gar daneben ist und dem man mit dieser Art Pseudohundeflüsterei auch nicht beikommt. Leider aber sind es eben meistens diejenigen, die keinen Kopf auf den Schultern haben, die sich von dergleichen "ausbilderischer Literatur" (wie auch dem wirklich schlimmen amichien bonding) angezogen fühlen. Sie möchten sich weichherzig sehen, hundeliebhabend, und am Ende kommt dabei - wie ich häufig erleben musste - ein Hund heraus, der nicht nur Herr- und Frauchen auf dem Kopf herumtanzt, sondern der schwerst verhaltensgestört ist und in Gefahrensituationen nicht zu gehorchen vermag. Ein Risiko für jeden Rad- und Autofahrer, für jeden Jogger, alte Menschen und Kinder, deren Verhaltensmerkmale dem Hund als gefährlich oder als Beute erscheinen!