Natürlich habe ich nicht alle deutschen Krimis gelesen, die dieses Jahr erschienen sind oder noch erscheinen werden, aber ich kann mir nicht vorstellen, dass einer davon besser ist als "Der Hund des Propheten". Ich habe alle vier Bücher von Ulrich Ritzel gelesen, jedes ist empfehlenswert, wobei ich Nr. 2 (Schwemmholz) und das aktuelle ein wenig besser finde als die anderen beiden.
Ritzel weiß, wie man einen Plot strickt (es geht u.a. um Geldschiebereien von Ex-Stasi-Leuten nach der Wende, und die Geschichte ist viel überzeugender als die ähnliche in Selbs Mord von B. Schlink), er kennt die Leute und die Gegend, über die schreibt, ganz genau, denn er war lange Jahre Journalist in Ulm, und schafft es, auch einen Norddeutschen für schwäbische Machenschaften zu interessieren. Vor allem aber kann er erzählen, ohne auf spektakuläre Elemente wie Sex und Gewalt zurückgreifen zu müssen. Der Roman fängt langsam, aber nicht langweilig an, ich habe mich nie, wie z.B. bei manchem schwedischen Autor, gefragt, wieso ich dieses Buch eigentlich lese, und ab S. 250 wird es so spannend, dass ich die restlichen 200 Seiten bis spät in die Nacht an einem Stück gelesen habe.
Außerdem bekommt man - sehr dezent und wirklich reizend - den Beginn einer lesbischen Liebesgeschichte geboten.
Die einzige kleine Mäkelei ist, dass der Gott des Zufalls ein, zwei Mal zu oft bemüht wird.